Alternative Monatshygiene: Warum ich die Menstruationstasse so sehr liebe

Menstruationstasse
Foto: Pixabay

Vor etwas mehr als einem halben Jahr habe ich mich von Tampons und Binden, die ja sowieso so viel Müll verursachen, verabschiedet und mich für die Menstruationstasse entschieden. Eine Entscheidung, die ich seitdem kein bisschen bereut habe. Sie ist umweltfreundlicher und langlebiger. Ich spare Geld und Platz in meiner Handtasche, habe mehr Tragekomfort, weniger Aufwand und vor allem muss ich keinen Mülleimer suchen, um meine blutgetränkten „Hygieneartikel“ diskret zu entsorgen, gerade wenn der Mülleimer in der Toilette voll oder gar nicht erst vorhanden ist. Ein großer Vorteil – vor allem auch fürs Reisen.

Kurz vorweg: In diesem Artikel spreche ich offen über die Menstruationstasse, was für Vorteile sie mir bietet im Gegensatz zu herkömmlichen Monatshygienartikeln wie Tampons und Binden, wie man sie richtig einsetzt und wieso ich nie mehr ohne sie will. Wem das zu intim ist, rate ich davon ab, weiterzulesen.

Plastik Binden
Foto: Pixabay

Meine Monatsblutung ist stark, sehr stark. Die ersten zwei Tage benötige ich ungefähr 5-6 XXL Tampons und muss spätestens alle zwei Stunden wechseln und extra lange Binden einlegen, damit die Blutungen nicht durchgehen. Unterleibsschmerzen habe ich jedoch glücklicherweise keine.

Tampons und Binden nehmen Platz weg und schränken ein

Dementsprechend merke ich es meistens erst, „wenn es zu spät ist“. Während dieser Zeit hielt ich mich stets in der Nähe einer Toilette auf und trug schwarze Hosen, auf der Blutflecken weniger auffallen. Ein sehr unangenehmes und einschränkendes Gefühl. Man hat ja nicht Wechselklamotten dabei, besonders, wenn das Gepäck schon voll mit Tampons und Binden ist.

Menstruationstasse Tampon
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Das Platzproblem hatte ich ganz speziell auch immer im Urlaub. Der Monatszyklus lässt sich zwar durch die durgängige Pilleneinnahme leicht um ein bis zwei Wochen verschieben (die Pille habe ich aus hormonellen Gründen aber abgesetzt). Bei zwei Monaten Backpacking in Südostasien sieht das jedoch anders aus.

Wohin mit den blutdurchtränkten Tampons?

Dort bin ich beim Wechseln und auch beim Entsorgen der Frauenhygieneartikel persönlich schon an meine hygienischen Grenzen gestoßen. Ich stand also vor der Wahl, Monatsvorräte an Tampons mitzunehmen oder auf die – nicht immer vorhandenen – lokalen Angebote zurückzugreifen.

Die hygienischen Standards von dem Wechseln von Binden sind jedoch im Urlaub und auch auf so mancher deutschen öffentlichen Toilette kaum gegeben. Und die finale Frage, wohin mit den blutdurchtränkten Tampons?

Toilette
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Außerdem sind Binden und Tampons nicht die hygienischste und schon gar nicht die gesündesten Frauenhygieneartikel. Zu lang getragene Tampons waren schon häufiger die Ursache von TSS (Toxisches Schocksyndrom), einer seltenen, doch ernstzunehmenden Infektion.

Menstruationsasse als umweltfreundliche Alternative zu XXL-Tampons und windelgroßen Binden

Fragen und Probleme, die ich mir hätte sparen können, wenn ich schon früher von der Menstruationsasse oder dem -schwämmchen gewusst hätte. Sie sind die umweltfreundlichen, doch in erster Linie so praktischen Alternativen zu XXL-Tampons und windelgroßen Binden.

Die in Kombination getragen übrigens ein sehr unangenehmes und hilfloses Gefühl in einem verursachen, da es stark an ein Baby oder einer inkontinenten, älteren Person erinnert, liebe nicht-menstruierende Leser*innen.

Was ist eine Menstruationstasse nun?

Sie ist eine trichter- oder auch glockenförmige Tasse aus medizinischem Silikon, das sich leicht abwaschen und auskochen lässt.

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Werbung Ich erinnere mich an den Moment, in dem ich zum allerersten Mal eine Menstruationstasse auf dem Bildschirm sah. Das war 2015. Meine Gedanken: „Bah!“. Heutzutage höre ich auf der Straße andere Girls genau so darüber reden und muss lachen, während ich das Mens-Moped in meiner Mumu rumführe. Ein Leben ohne ist für mich nicht mehr vorstellbar. Tampons? Hab ich als Teenie drauf geschworen. Heutzutage könntest du mir an der Kasse direkt ne Kombipackung KadeFungin mit in die Tüte packen. Nicht mit mir. Ich habe 10-12h nach dem einsetzen meine Ruhe, ich habe keinen Müll und fühle mich damit irgendwie emanzipiert. Einmal gekauft, für immer in Gebrauch. Und jetzt habe ich auch weiße Laken so wie die Frauen aus den Tamponwerbungen – oha, bin ich jetzt die Frau aus der Menstruationstassenwerbung?😂 Naja, das sind aber nur meine Erfahrungen. Viele von euch haben schon ihre Methode gefunden. Für alle anderen: Es gibt jetzt die @merulacup in den Läden. Sie ist für jede Portiohöhe und jede Beckenbodenmuskulatur geeignet. Also One Size für alle. Zudem hat sie ein kleines Leiterchen, damit ihr nicht wie @silvicarlsson in der Notaufnahme landet, sondern die Tasse selber wieder rauskriegt 😄❤️ #menstruationstasse #merulacup #menstruation #zerowaste #periode

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Die Menstruationstasse wird gefaltet und wie ein Tampon in die Vagina eingeführt. Dort ploppt das elastische Material auf und passt sich der Scheide an, so dass die Regelblutung auffängt. Anders als ein Tampon wird sie jedoch nach dem Gebrauch nicht weggeschmissen, sondern ausgewaschen und am Ende eines Zyklus ausgekocht und sterilisiert aufbewahrt. Die Tasse ist also wiederverwendbar und soll laut Hersteller bis zu 15 Jahren halten.

Ich habe sie bisher sechs oder sieben Mal für drei bis vier Minuten in einem Topf über dem Herd abgekocht. Das Material oder die Farbe haben sich seitdem nicht verändert. Ich finde auch nicht, dass sie unangenehm riecht. Sie ist fast geruchsneutral, etwas silikonisch, wenn man die Nase reinsteckt.

Problemlos wandern, schwimmen und Trampolin springen

Mit der Menstruationstasse kann ich problemlos wandern, schwimmen, Trampolin springen, Zumba machen, tauchen und wahrscheinlich auch im Kopfstand schlafen – fernab einer Toilette. Alles, wovon ich vorher nur träumen konnte.

Ich selbst nutze die One-Size Merula Cup. Die ersten zwei Tage meiner Periode muss ich sie circa alle vier bis fünf Stunden wechseln. Danach habe ich sie problemlos acht bis zehn Stunden eingesetzt und wasche zwischendurch einmal durch. Ich habe sie ehrlich gesagt aber auch schon einmal zwei Tage am Stück drin gehabt, da ich vergaß, dass ich sie eingesetzt hatte. Spricht für mich nur für die Menstruationstasse, aber ist trotzdem nicht empfehlenswert.

Merula Cup
Foto: Désiree Schneider

Das Falten und Einführen der Tasse brauchen wahrlich etwas Übung und beim Entleeren sollte man immer eine Flasche Wasser mit dabeihaben, um sich die Hände und die Tasse abzuspülen.

Das ist zu Beginn etwas Fummelei und eine leicht blutige Geschichte. Darum empfiehlt es sich, die ersten zwei Perioden beim Auswechseln zu Hause zu sein.

So wendest du die Menstruationstasse an

Die meisten Tassen haben an ihrem Ende einen kleinen Zipfel oder eine Leiter, mit denen sie wie bei einem Tampon auch aus der Scheide herausgezogen werden können. Am besten nutzt man dafür Zeigefinger und Daumen.

Da die Tasse ein Vakuum aufbaut, um sich anzusaugen, sitzt sie manchmal etwas fest. Ziehe sie nicht brutal und hemmungslos heraus. Führe deine Finger etwas weiter in die Scheide ein und sehe, dass du den unteren Rand der Tasse zu fassen bekommst. Drückst du sie nun leicht zusammen, solltest du das Vakuum lösen und sie leicht herausholen können.

Danach kannst du den Inhalt der Tasse einfach in die Toilette kippen und herunterspülen. Die Tasse selbst spüle ich unter laufendem Wasser am Waschbecken oder mit der Falsche Wasser einmal aus, bevor ich sie wieder einsetze.

Das richtige Modell ist entscheidend

Auch die Auswahl der Tasse ist nicht immer leicht. Es gibt verschiedene Modelle, Formen und Größen. Bei der Wahl der richtigen Menstruationstasse spielen unter anderem die Stärke der Periode, die Absenkung des Muttermundes während der Menstruation und die Stabilität deines Beckenbodens eine Rolle.

Menstruationstassen kannst du online, in der Apotheke und inzwischen fast jedem Drogeriemarkt und manchmal sogar in der Hygieneabteilung einiger Supermärkte kaufen.

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[Werbung | Gewinnspiel] Es gibt viele gute Gründe, auf Menstruationstassen umzusteigen, auch wenn die Vorstellung, so viel Kontakt mit dem eigenen Monatsblut zu haben vielleicht erstmal nicht so prickelnd ist. Aber du tust damit der Umwelt und deinem Portemonnaie was Gutes. Außerdem kannst du damit womöglich deine monatlichen Leiden lindern und verkürzen. Auch deine Gesundheit kann davon profitieren. Ich selbst habe für mich den @monthlycup_com_de entdeckt. Und weil man sich dort mit mir zusammen darüber freut, darf ich einen verlosen. Was ist also dein Grund, auf einen #Menstruationscup umzusteigen? Meinen Erfahrungsbericht und Näheres zum #Gewinnspiel findest du im Blog, Link in der Bio 🍀 #Menstruationstasse #freetheperiod #lippenbekenntnisse

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Ich rate dir: Kaufe nicht irgendeine Menstruationstasse online, sondern lasse dich beraten. Einmal gekauft und ausgepackt, kannst du sie aus hygienischen Gründen nicht mehr zurückgeben. Du kannst dich in einem Fachgeschäft, der Apotheke oder von deiner Frauenarztpraxis in Person beraten lassen, wobei leider nicht alle Frauenärtzt*innen gut informiert sind.

Wenn du es etwas anonymer bevorzugst oder noch mehr Erfahrungsberichte brauchst, kannst du dich mit deinen Fragen auch an eine Gruppe wie diese Facebook-Gruppe oder diese Webseite wenden.

Das Menstruationsschwämmchen als umweltfreundliche Ergänzung

Zu guter Letzt, will ich noch kurz das Menstruationsschwämmchen vorstellen, das eine gute Ergänzung zur Menstruationstasse darstellen kann.

Ein Menstruationsschwämmchen funktioniert wie ein Tampon und saugt das Blut auf. Wie die Menstruationstasse wird es nicht entsorgt, sondern ausgewaschen und wiederverwendet.

Menstruationsschwämmchen
Foto: Pixabay

Meistens handelt es sich dabei um einen feinporigen Luffaschwamm, den du in fast allen Bioläden kaufen kannst.  Davon kannst du dir daumengroße Stücke abschneiden und dir wie beim Tampon einen Rückholfaden annähen oder festknoten.

Du kannst ihn auswaschen und ihn in einem Glas mit sauberem Wasser und etwas Zitronensaft aufbewahren, um ihn natürlich zu desinfizieren. Danach muss er einige Stunden trocknen. In der Zeit, in der das Schwämmchen trocknet, kommt ein anderer zum Einsatz.

Menstruationsschwämmchen sind biologisch abbaubar

Durch die Benutzung des Menstruationsschwämmchen ersparst du dir Müll und beim Reisen unnötiges Übergepäck an Frauenhygieneartikeln. Da der Schwamm biologisch ist, kannst du ihn auch leichter als ein Tampon im Notfall in der Natur entsorgen. Außerdem bist du unabhängig von dem Angebot an Hygieneartikeln vor Ort.

Da ich jedoch noch keine eigenen Erfahrungen mit den Schwämmchen gemacht habe, weiß ich nicht, wieviel Blut er aufnehmen kann oder wie oft er gewechselt werden muss.

Eine Idee, die ich jedenfalls super finde, ist: Wem die Menstruationstasse beim Wandern, Sport, Schlafen oder für längere Zeiträume zu unsicher ist, kann sie auch mit dem Schwämmchen kombinieren. Die Tasse einfach etwas weiter einführen und noch ein Schwämmchen daruntersetzen.

Mit der Menstruationstasse und dem Menstruationsschwämmchen als Alternativen zu den herkömmlichen Frauenhygienartikeln hast du meines Erachtens nach unendlich viele Vorteile.

Die Vorteile der alternativen Monatshygiene

Du produzierst keinen Müll, den du in einer Plastiktüte verknotet mit bis zum nächsten Mülleimer schleppst, um ihn diskret zu entsorgen und brauchst auch keinen Endlosvorrat an Tampons und Binden mit dir herumtragen. Mir hat die Menstruationstasse meine Unabhängigkeit auch während meiner Monatsblutung wiedergegeben und dafür will ich sie niemals mehr missen.

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Die Menstruation. Ja genau, das Thema gehört auch auf Instagram. Wir müssen drüber ganz normal reden, damit wir es hinterfragen können, ob es so wie es ist, gut für uns Frauen ist. Es ist etwas ganz natürliches, aber Tampons können gesundheitlich fragwürdige Stoffe enthalten und verursachen ziemlich viel Müll. Zudem habe ich seit der Verwendung von Menstruationstassen eine Sorge weniger: ich kann sie von 6-12h tragen, ohne sie leeren zu müssen. Ich fühl mich quasi so, als hätte ich meine Tage nicht. Stoffslipeinlagen trage ich wegen dem viel besseren Hautgefühl im Vergleich zu Einmalslipeinlagen. Es gehört anfangs etwas Mut und Übung dazu, aber nun nach 2 Jahren Nutzung kommen für mich keine Einmalprodukte mehr in Frage. #menstruation #periode #menstruationstasse #erdbeerwoche #nachhaltig #sustainability #ökologisch #umweltschutz #stoffslipeinlagen #stoffbinden #menstrualcup #zerowaste #reducewaste #womenstopic

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Übrigens gibt es auch auskochbare und wiederverwertbare Stoffbinden für alle mit stärkerem Ausfluss, oder die generell nicht gerne etwas im Körper haben möchten oder einfach zur Ergänzung der Menstruationstasse und des -schwämmchens.

Die Menstruationstasse mag zwar nicht für jede*n der Fall sein, doch auch hier gilt „Probieren geht über Studieren“.

2 Gedanken zu “Alternative Monatshygiene: Warum ich die Menstruationstasse so sehr liebe

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