Tinder: Selbstbestätigung und Mittel gegen Langeweile

Wenn man sich mal wieder aus Langeweile Tinder runterlädt... Foto: Pixabay

Wenn man sich mal wieder aus Langeweile Tinder runterlädt… Foto: Pixabay

Text: Lisa Walter

Diagnose: kein Tinder. Rezept: Tinder. Ohne jetzt Pro-Tinder zu sein und Werbung für Online-Dating zu machen (manche Menschen haben es auch geschafft sich ohne Tinder, Okcupid, Lovoo und Co. kennenzulernen), möchte ich euch einmal durch meine Augen auf die Tinderwelt gucken lassen und vielleicht habt ihr das (Un-)Glück, euch in einigen Situationen widerzufinden.

Das erste mal auf den Downloadbutton bei Tinder zu drücken (ja, das ist öfter passiert, weil Tinder manchmal einfach zu überfordernd ist), sprudelte in mir die Spannung und Aufregung hoch: Menschen aufgrund ihres Aussehens und ab und zu mal aufgrund ihrer Beschreibung zu bewerten. Juhu, es könnte nicht oberflächlicher sein. Aber ich möchte mich jetzt nicht auf die Seite der Menschen schlagen, die sich pausenlos darüber aufregen, wie oberflächlich das alles ist und rechtfertigen, dass sie überhaupt nicht oberflächlich sind (na sichi). Die Welt ist oberflächlich. Punkt. Auch du in deinem täglichem, realem Datinglife bist das. Klingt logisch, sonst würdest du nicht die (deines Erachtens) schönste Person ansprechen, sie anstarren oder ihr nachpfeifen.

Die Aufregung verging schnell und bald wurde das tägliche Swipen nach links oder rechts reine Routine: morgens auf dem Klo und abends vor dem Einschlafen die neuen Matches checken, weiter swipen. Ich wische mich durch Profile, die vor Selbstdarstellung nur so platzen, frage mich, ob die Menschen wirklich so wundervoll und interessant sind, wie ich sie mir vorstelle. Irgendwie fühle ich mich uninteressant.

Ich sammel die Matches wie kleine Medaillen, immer mehr und mehr. Die blonde Künstlerin, den szenigen Linken, das Mädchen, was ich ganz gern mag, den Typ, der mir schnell seinen Penis auf WhatsApp schickt, den bei mir in der Straße wohnenden Sänger. Ab zu treffe ich ihn dort und sie da.

Irgendwann bin ich gelangweilt von dem immer wieder selben Smalltalk und der gleichen Beschreibung meiner Selbst. Ab und zu lasse ich mir mal mehr mal weniger spannende Dinge einfallen. Trotzdem bin ich nach ein paar Treffen einfach erschöpft. Von mir, den anderen, dem Ablauf. Fühlt sich irgendwie nach Massenabfertigung an. Dabei will ich doch einfach nur jemanden kennenlernen, der*die diese Schwelle des bedingungslosen Smalltalks überschreitet und mich nicht nur wie die Masse abfertigen will.

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