Ghosting – Plötzlich kann ich dich nicht mehr erreichen

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Das Phänomen, bei dem Menschen von jetzt auf gleich aus dem Leben verschwinden und sich nie wieder melden, heißt „Ghosting“. Quelle: Pixelio

Hattest du schon einmal das Erlebnis, dass eine Person, die dir einmal sehr nahestand, plötzlich nicht mehr in deinem Leben ist? Der Kontakt zu der Person ist weg und was bleibt, sind Erinnerungen. Manchmal weiß man gar nicht, warum der Kontakt überhaupt abgebrochen ist. Mitunter ist man auch ganz froh, diese Person nicht mehr in seinem Leben zu haben. Einmal ist es ein schleichender Prozess und ein anderes Mal ist die Person von einem Tag auf dem anderen nicht mehr Teil deines Lebens.

Jeder hat schon Kontaktabbrüche erlebt, auch ich. Sei es mit früheren Freunden aus dem Kindergarten, der Grundschule oder dem Fußballverein. Menschen verändern sich und verlieren sich aus den Augen. Das ist völlig normal. Schon vor dem Internetzeitalter gab es Kontaktabbrüche zwischen Menschen. Doch in Zeiten von WhatsApp, Facebook und Co. wird es immer mehr zu einem Phänomen. Das Phänomen der Internetgeneration „Generation Y“ heißt „Ghosting“.

Zwei Menschen lernen sich über das Internet kennen, treffen sich in einem Café und verbringen auch danach immer mal wieder Zeit miteinander. Wenn sie sich nicht sehen, schreiben sie miteinander. Die Bindung der beiden wird scheinbar stärker und dann kommt der Tag X. Eine der beiden Personen meldet sich nicht mehr. Alle Kontaktversuche der anderen Person sind vergebens, denn auch nach einer Woche oder einem Monat bekommt sie keine Antwort. Sie versucht es so lange auf den unterschiedlichsten Wegen, bis sie versteht, was die andere Person sich nicht traute zu sagen: „Es ist vorbei!“.

Feiges Verhalten

Solche Situationen gibt es nicht nur bei Freundschaften. Noch viel häufiger existiert das „Ghosting“ beim Dating. Durch Datingapps wie „Tinder“ oder „Lovoo“ fällt es vielen leichter, neue Menschen kennenzulernen. Neben dem „Ghosting“, gibt aus auch das sogenannte „Benching“. Eine Person hält die andere warm, schiebt sie sozusagen auf die Wartebank (Bank heißt „bench“ im Englischen) und meldet sich immer nur nach langen Abständen, wenn die andere Person mal wieder als Lückenfüller gebraucht wird. Genau das führt zu Problemen. Denn wenn ein Mensch dabei ist, mit dem man sich eine Beziehung vorstellen könnte, braucht man die anderen neuen Bekanntschaften nicht mehr. Wer sich dann nicht traut, dass auch klar anzusprechen, greift gerne zu der Methode des „Ghostings“.
Doch nicht nur beim Dating ist dies der Fall. Immer mehr Menschen trauen sich nicht, eine Beziehung persönlich zu beenden. Wo früher immerhin noch eine SMS geschrieben wurde, ist heute Funkstille. Die Absicht des „Ghosts“ ist dabei meist keine schlechte – er möchte der anderen Person einfach nicht vor dem Kopf stoßen oder weh tun, wenn allerdings Gefühle bei der anderen Person im Spiel sind, passiert genau das. Die Person weiß nicht, was passiert ist und macht sich Gedanken. Oft kommen dann auch noch Selbstzweifel hinzu.

 

Einer Freundin von mir ist genau das passiert. Sie führte zuvor eine lange Beziehung, die allerdings in die Brüche ging, weil ihr Freund sie betrogen hatte. „Ich brauchte danach erst einmal eine Weile. Irgendwann war mir aber klar, dass ich mich bereit für eine neue Beziehung fühlte. Ich bin schließlich ein absoluter Beziehungsmensch.“  Also meldete sie sich auf einer Datingseite an. Sie lernte ein paar Männer kennen und traf sich mit ihnen, doch am Ende des Abends stellten beide fest, dass es nicht passt. Ganz anders war es mit einem Mann, den sie nach zuvor vier gescheiterten Versuchen kennenlernte. „Wir schrieben ein paar Wochen einfach nur miteinander. Wir verstanden uns richtig gut und schienen auf einer Wellenlänge zu sein.“ Das erste Treffen hatte dies bestätigt. Nach drei Dates, kam dann allerdings die Enttäuschung. „Er sagte, nach unserem dritten Date, dass er sich eine Beziehung mit mir in Zukunft vorstellen könnte, er aber noch etwas Zeit bräuchte, schließlich lag seine letzte Trennung noch nicht so lange zurück.“ Danach meldete er sich nie wieder. Alle Nachrichten und Anrufe wurden nicht beantwortet. „Zuerst dachte ich, vielleicht hat er gerade viel zu tun. Immerhin ist er ja bei der freiwilligen Feuerwehr. Doch als er nach fünf Tagen immer noch nicht auf meine Anrufe reagierte, fing ich an, mir Sorgen zu machen.“

Wut, Sorge, Enttäuschung, Selbstzweifel

Dass die „Ghosting“-Opfer sich sorgen, ist meist die zweite Phase. Zuerst kommt die Wut, weil die andere Person auch einfach kurz schreiben könnte, dass sie keine Zeit hat, nach der Sorge kommt die Enttäuschung. „Ich habe auf Facebook gesehen, dass er auf neuen Fotos markiert wurde. Ihm war also nichts passiert. Er hielt es einfach nicht für nötig, sich noch einmal bei mir zu melden. Was an sich nicht schlimm gewesen wäre, aber die Tatsache, dass er von einer Beziehung beim letzten Treffen sprach, hat mich ziemlich runtergezogen und ich fing an, mir selbst Vorwürfe zu machen.“ Selbstzweifel sind nach so einem Erlebnis keine Seltenheit. Viele Menschen geben sich selbst für das Fehlverhalten der anderen Person die Schuld. Gerade Personen, die zuvor schlechte Erfahrungen mit anderen Menschen erlebt hatten, suchen die Fehler oft bei sich.

Die Tatsache, dass sich die Opfer selbst die Schuld geben, macht mich wütend. Es ist schlimm genug, abgewiesen zu werden. So ein Erlebnis braucht keiner. Denn solch eine Enttäuschung führt meistens dazu, dass das Opfer eine innere Mauer aufbaut und nur schwer neue Menschen an sich ranlässt. Dies führt wiederum zur Einsamkeit, während der „Ghost“ glücklich und zufrieden sein Leben weiterlebt. All das passiert nur, weil die eine Person zu feige war, die Wahrheit zu sagen. Also, traut euch die Wahrheit auszusprechen! Seid nicht feige! Auch wenn es für die zurückgewiesene Person sicherlich am Anfang verletzend ist, ist es immer noch besser, als in Unwissenheit zurückgelassen zu werden.

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