Virtual Reality und Augmented Reality in der Industrie 4.0

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Dem VR-Markt steht eine verheißungsvolle Zukunft bevor. Foto: Pixabay

Lino studiert berufsbegleitend „Journalismus und Unternehmenskommunikation“. Nebenbei arbeitet er in München und entwirft VR und AR-Modelle für Industrieunternehmen. Im Interview erzählt er Vierstimmig, wie Virtual und Augmented Reality in der Industrie ihren Einsatz finden und welche Zukunft das Fernsehen erwarten könnte.    

Vierstimmig: Bevor wir nun über deine Arbeit mit Virtual Reality und Augmented Reality sprechen: Was ist das überhaupt und wo liegt der Unterschied? 

Lino: Augmented Reality bedeutet nichts Anderes als „erweiterte Realität“.  Wenn ich durch eine Brille gucke, sehe ich ein virtuelles Objekt in meinem jetzigen Umfeld, so wie bei Google Glass. Durch sie sehe ich die Straße vor mir und die virtuelle Route des Navis. Die Virtual Reality hingegen hat nichts mit der Realität zu tun. Schaue ich durch eine VR-Brille, bin ich in einer komplett virtuellen Welt. Darum sind AR-Brillen auch teurer und aufwendiger. Sie müssen den Raum scannen und Dinge erkennen und beispielsweise wissen, dass es ein Tisch ist, der vor einem steht, um sie in ihrer Darstellung richtig wiederzugeben.

Wie bist du das erste Mal richtig mit VR und AR in Kontakt getreten?

Ich habe während meines Auslandsemesters in Shanghai ein Praktikum bei der Film- und Fernsehproduktionsfirma Comberry gemacht. Die produzieren unter anderen TV-Beiträge für Galileo im Ausland und verkaufen sie dann an Pro7. Da es eine meiner Hauptaufgaben während des Praktikums war, quasi 500 Galileo Beiträge durchzuschauen und die interessantesten und ausdrucksstärksten Bilder als Screenshots für die Webseite herauszusuchen, wusste ich, welche Themen schon alle behandelt wurden. So war ich der Ultra-Guru und Ansprechpartner für Bilder und Beiträge. Und dadurch, dass ich mich nun so gut mit den Beiträgen auskannte, sollte ich bei dem Pitch für ein neues TV-Projekt für Galileo helfen und mir überlegen, welche Beitrage für das Start Up eyecandylab am geeignetsten sein könnten.

 Was war die GalileoAugmentedRealityProduktion genau?

Es geht um eine neue Art des Fernsehens. Du konntest dir eine AR-App auf dein Smart Phone herunterladen. Hast du sie geöffnet und Galileo auf dem Fernsehen angemacht, musstest du dein Handy auf den Fernseher richten. Dann hat sich der Fernsehbeitrag auf dein Smart Phone übertragen und erweitert. Du hast so gesehen einen Mehrwert durch das Telefon bekommen. Du hast auf deinem Handy dann Zusatzinformationen angezeigt bekommen wie 3D-Modelle, Infotafeln, interaktive Grafiken oder die Musik, die gerade im Hintergrund lief — ein richtiger Mehrwert.

Und woran arbeitest du derzeit?

Momentan mache ich hauptsächliche Projektmanagement für Visualisierungslösungen und Produktvisualisierungen, hauptsächlich für die Industrie im B2B Bereich. Das bedeutet, dass sich meist die eher konservative Industrieschiene in Zeiten von Industrie 4.0 auch Social Media mit auf die Fahne schreiben will.

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Jedes Auge bekommt eine eigene Perspektive für ein möglichst scharfes Bild in der Virtual Reality. Foto: VISARD.com

Sie wollen auch nach außen — vor allem auf dem Weltmarkt — modern wirken und die großen Industriemaschinen an den Verkäufer bringen.

Wie funktioniert das?

Meistens mit einer App, in der die großen Maschinen komplett visualisiert werden. Die ganze Maschine ist dann digital dargestellt. Als Beispiel: Der Kunde arbeitet in der Pharmaindustrie, die einen sehr hohen Kontrollstatus hat. Er arbeitet regelmäßig mit Spritzen, die zu hundert in den riesigen Blisterpackungen verpackt sind. Das sind diese Packungen, in der auch Tabletten drin sind, die man dann einfach rausknicken kann. Doch bevor die Spritzen in die Blisterpackung kommen können, muss das Reagenzglas jeder einzelner auf Risse und seine Unreinheiten inspiziert werden. Dafür ist eine Maschine zuständig, die durch einen Laser die Reagenzgläser überprüft und bis zu 40.000 auf einmal überprüfen kann, bevor sie in die Blisterverpackung kommen. Die Maschine hat einen großen Einlauf und ein Karussell, in dem die Gläser von einem Laser gecheckt werden. Danach gehen sie sofort raus und werden verblistert, das geht alles wahnsinnig schnell. Und genauso, wie du mich jetzt anguckst, würden die Kunden bei meiner Beschreibung auch schauen, deswegen visualisieren wir den ganzen Vorgang.

Und das sieht man dann auf der App?

Genau. Mit der App funktioniert das Handy wie eine Brille. Mit der Visualisierung machen wir Dinge und technische Abläufe sichtbar, die man sonst nicht sieht, wie einen Laser. So versteht der Kunde das Produkt besser. Betrachtest du als Kunde dann die Maschine durch die App oder eine VR-Brille, bist du in der Maschine drin und kannst sie selbst erkunden. Mir wird das Bild von dem, was du gerade sieht auf, auf dem Tablet gespiegelt. So kann ich dir etwas von der Maschine zeigen und dir Anweisungen geben mal nach links oder rechts zu schauen. Ich bin somit die Schnittstelle zwischen dem Kunden und dem Vertrieb.

Eine Röntgen-Darstellung der Maschinen gewährt dem Betrachter einen Einblick in ihr Innenleben. Foto: VISARD.com

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Eine Röntgen-Darstellung der Maschinen gewährt dem Betrachter einen Einblick in ihr Innenleben. Foto: VISARD.com

Wozu kann man die VirtualReality noch alles gebrauchen?

Die meisten Kunden nutzen sie, um sie für betriebsinterne Schulungswecke zu nutzen. Es ist die einfachste Art eine komplexe Maschine und ihr Arbeitsverhalten nachzuvollziehen, als sie auseinander zu nehmen oder plane zu studieren. Extern kann sie auch für Messen genutzt werden. Denn Messepreise sind utopisch und die komplette Palette einer Produktionsfirma auszustellen, ist unmöglich. Auch der logistische Aufwand vom Transport der tonnenschweren Maschinen ist viel zu hoch. So kann man die wichtigste Maschine ausstellen, die gezeigt werden soll und den Rest darstellen, indem man eine VR-Brille zum Testen mitbringt.

Was macht dann noch einmal den Unterschied zur AR in der Praxis?

AR kann man super für Reparaturen verwenden. Man braucht keinen Experten mehr von München nach China fliegen lassen, sondern kann ihn einfach dazu schalten. Jemand anderes kann sich eine VR Brille aufziehen, die Maschine wird gescannt und der Experte kann von wo auch immer aus Anweisungen geben, wie bei einer Gebrauchsanleitung.

Wie erstellt ihr VR Apps?

Wir erstellen dem Kunden ein Angebot und konzeptionieren es mit ihm zusammen, welche Teile im Bild statisch, also unbeweglich bleiben und welche animiert werden sollen. Dann gehe ich hin und mache mit 360-Grad-Kameras möglichst viele und genaue Bilder und Filme von der Maschine zu ihren Abläufen, die wir animieren wollen. Am besten ist es, Wiederholungen — sogenannte Loops — zu erkennen. Das erleichtert vieles. Aus dem Bild- und Filmmaterial erstelle ich dann die Grafiken, dazu muss ich jedes Bild rendern. Je weniger Sekunden ich rendern muss, desto weniger Arbeit habe ich.

Zu dem Video- und Filmmaterial bekommen wir noch Modelldaten und Zeichnungen. Dann bauen wir die Maschine in einem 3D-Programm visuell nach. Das ist ultra-aufwendig und sehr teuer, aber am Ende echt geil. Im Nachhinein müssen wir noch das „Rigging“ machen, also einstellen, wie sich die Maschine bewegt. Wie weit sie zum Beispiel den Schwenkarm ausfahren kann, ohne dass er bricht oder in welche Richtung sich die Schranktür nur öffnen kann. Knete hat zum Beispiel kein Rigging, sie ist ohne Grenzen in alle Richtungen dehn- und formbar.

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Augmented Reality erweitert die physische Realität um digitale, erklärende Zusatzinhalte. Hier erhält man einen Einblick in die Maschine. Foto VISARD.com

Siehst du in den Technologien die Zukunft, beziehungsweise auch deine Zukunft?

Für die Industrie und das Fernsehen auf jeden Fall. Doch mich selbst sehe ich eher in der Produktneuentwicklung, weniger in der Koordinierung. Ich will kreativer arbeiten. Ich könnte mir vorstellen, in einem Developer-Team zu arbeiten und das zu machen, was ich vorher bei meinem Praktikum auch gemacht habe: Nach Ideen suchen, aus denen man Mehrwert generieren kann.  Sodass du bei einem Fußballspiel dein Handy rauspacken kannst, es mit der App vor den laufenden Fernseher hältst und dann sagst: „Tracke Ronaldo“. Dann würdest du seinen Spielverlauf angezeigt bekommen, sein Gesicht, Gewicht und die Funktion des Spielers neben deinem Fernseher gezeigt bekommen. Das hätte einen echten Mehrwert für den Zuschauer. Die Sender kämpfen ja schon mit ihren Quoten, weil Fernsehen nur noch als Nebenbeimedium genutzt wird und eh jeder am Handy hängt. So würde es aktiv miteingebunden werden. Es könnte ein neues, zukünftiges Fernsehmodell sein.

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