Roadtrip Teil 4: Heimweg über das KZ Dachau, Heidelberg und Würzburg

Würzburg

Würzburg von oben. Foto: Désiree Schneider

Heidelberg/ Würzburg. Auf dem Heimweg von München Richtung Heidelberg, hatte ich mal wieder die falsche Autobahnausfahrt erwischt. In der Gegenrichtung stauten sich die LKWs kilometerlang. Deshalb nahm ich unseren Falschweg mit Gelassenheit: „Es ist ja nichts Neues und so lange wir nicht in diesen Stau geraten, halb so wild“, dachte ich mir. Bis mir bewusst wurde, dass die Richtung des Staus aber auch unsere Richtung war und das Navi mich genau darauf zu lotste.

In der Langsamkeit des Staus haben wir jedoch das Hinweisschild auf das Konzentrationslager (KZ) Dachau bemerkt, dem wir einen spontanen Besuch abstatteten. Der Eintritt in die Gedenkstätte ist kostenfrei, es ist ein Stück Kultur und Zeitgeschichte, die sich jeder ansehen kann und sollte. Zu sehen sind die Dienstgebäude der SS, der Appellplatz, das ehemalige Lagergefängnis, rekonstruierte Baracken, die zwei Krematorien (Verbrennungsöfen) und die Außenmauer mit Sicherheitstüren.

Es ist kaum etwas im Vergleich zu dem Eindruck, den Auschwitz bei dem Besucher hinterlässt, dennoch Gänsehaut pur, wenn man bedenkt, welche Gräueltaten hier verübt worden sind. Es ist ein Teil der deutschen Geschichte, für den die neuen Generationen nicht mehr verantwortlich gemacht werden sollten, der aber auch nicht in Vergessenheit geraten darf. Darum war ich froh zu sehen, wie viele Schulklassen und Reisegruppen diesen Ort besucht haben.

Heidelberg, eine der schönsten Städte Deutschlands

Gut gelaunt über unsere historisch wertvolle Spontanaktion fuhren wir weiter nach Heidelberg. Sie gilt als eine der schönsten Städte Deutschlands. Zurecht. Das Schloss, der Neckar mit der alten Brücke, die Altstadt, die umliegenden Berge und Weinstöcke ergeben ein wunderschönes Gesamtbild. Der Blick vom Philosophenweg über Neckar, Altstadt und Schloss ist in vielen Gemälden verewigt. Das Heidelberger Schloss ist wunderschön.

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Das Schloss Heidelberg thront über der Stadt. Foto: Désiree Schneider

Wir haben aber auf eine Besichtigung des Schlosses verzichtet, da es inzwischen schon später Nachmittag war und man für die Besichtigung einen ganzen Tag einplanen sollte. So haben wir zumindest die Aussicht über die Stadt genossen. Das Schloss erreicht man durch einem 15-minütigen Fußmarsch von der Altstadt aus oder mit der Bergbahn am Nordhang des Königstuhls – hätten wir das bloß vorher gewusst.

Der Kornmarkt in der Altstadt mit der ehemaligen kurfürstlichen Apotheke, dem Haus Ritter und der Heiliggeistkirche war leider Teil einer riesigen Baustelle. Um den Abend ausklingen zu lassen, waren wir zur Abwechslung indisch essen. Wir haben tatsächlich einen lecker indischen Fast-Food-Laden gefunden (!).

Das Problem mit der Übernachtung

Damit war unser Glück jedoch erschöpft. Die Nacht hatten wir in einem Motel etwas außerhalb von Heidelberg gebucht. Den Check-In sollte wir an einer Maschine erledigen. Eine Rezeption gab es nicht. Nun wurde mein Buchungscode aber nicht angenommen, ich suchte alle Unterlagen und E-Mails durch bis mir auffiel, dass ich das Motel für das morgige Datum gebucht hatte! Wir waren also ohne Unterkunft.

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Ausblick auf das Heidelberger Schloss. Foto: Désiree Schneider

Da das Motel sah schon von außen ziemlich heruntergekommen aussah und es erst sieben Uhr war, entschieden wir uns kurzerhand schon nach Würzburg durchzufahren. Gesagt, getan. Wir buchten über booking.com ein Hotel in der Nähe von Würzburg und fuhren los. 2 ½ Stunden und 160 Kilometer später kamen wir völlig übermüdet durch die Dunkelheit, Stau und Starkregen an – eine Viertelstunde nach der angegebenen Check-In-Zeit.

Jede Buchung zweifach prüfen!

Auch hier wollte der Check-In-Automat nicht funktionieren. Ich fand die Reservierungsnummer nicht, nur die Buchungsnummer. Völlig entnervt betätigten wir den Notrufschalter. Ein noch entnervterer Hotelbesitzer kam zu uns raus gewatschelt und steckte sich eine Zigarette an. Im Vorbeigehen sagte er: „Sind Sie Frau Schneider?“ Ja, antwortete ich. Er steckte sich die Kippe an und ging vor die Tür. „Wir sind ausgebucht.“

Zuerst konnte und wollte ich ihm nicht glauben, wir hatten inzwischen 23 Uhr. Ich hielt es für einen schlechten Scherz, den ich aufgrund meiner Müdigkeit nicht mehr verstand. „Ganz Würzburg ist ausgebucht. Ist Bundesgartenschau. Werden wohl nichts mehr finden. Die Vermittlerwebseite hatte falsche Daten von uns. Ich habe heute Nacht kein Bett mehr frei. Müssen Sie sich wohl durchtelefonieren.“ Reizender Mann.

Und es geht weiter…

Also mussten wir durch den Regen zurück zum Auto, dort telefonierten wir uns also durch die Hotels. Die Unterkünfte unserer Preisklasse waren wirklich alle belegt, allein in einem erstklassigen Hotel im Herzen Würzburgs war etwas frei. Das brauchte unser restliches Reisebudget auf. 80 Euro pro Person pro Nacht, ohne Frühstück.

Würzburg Menschen

Auf Erkundungstour in Würzburg an unserem letzten Tag. Foto: Désiree Schneider

Habe ich schon erwähnt, dass wir müde waren? Denn dadurch fuhren wir einmal am Hotel vorbei und merkten es erst, als das Navi uns zurück zu dem ausgebuchten Hotel lotste, welches als letztes Ziel im System eingespeichert war. Kurz vor Mitternacht checkten wir endlich ein und fielen in die besten Hotelbetten, die wir auf unserer Reise bisher hatten.

Nach dieser Nacht stand die Entscheidung fest: Wir kürzen unseren Roadtrip ab und treten den Heimweg an. Die nächsten drei Nächte, die wir in Würzburg in einem schönen Ferienhaus verbringen wollten, hatte ich nämlich für den falschen Monat gebucht.

Universitätsstadt Würzburg und Festung Marienberg

An unserem letzten Tag schauten wir uns Würzburg an. So hatten wir diesmal ja eine wunderbar zentrale Lage, zwar für einen unverschämten Preis, das mussten wir jedoch ausnutzen, um uns die Altstadt und die Festung anzuschauen. Diese thront auf der anderen Mainuferseite gegenüber der Altstadt.

Anlässlich der Bundesgartenschau – weshalb die meisten Hotels ausbucht waren – wurde die temporäre Ausstellung „Der Garten in der Kunst – Die Kunst im Garten“ in der Marienfestung gezeigt. Das Museum selbst ist einen Blick wert. Es ist umfangreich und zeigt mit ausgestellten Gemälden, Skulpturen, Rüstungen und Einrichtungsgegenständen die verschiedenen Epochen der Festung und das Leben ihrer Bewohner. Die ältesten Teile der Festungen stammen aus 704 n. Chr. Die Burganlage stammt aus dem 13 Jahrhundert. Die Burg selbst ist von Weinreben umsäumt. Von der Anhöhe hat man einen wunderbaren Blick auf die alte Universitätsstadt mit ihren Kuppeln, Türmen und Brücken.

 

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