Roadtrip Teil 3: Schwimmen im Bodensee, Wandern in den Voralpen und Schockmomente in München

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Ein typisch allgäuer Gericht: Kässpatze. Foto: Désiree Schneider

Möggers/München. Die nächsten vier Tage unseres Roadtrips waren entspannt und dennoch sehr abwechslungsreich. Unser Weg führte uns an den Bodensee. Dort verbrachten wir drei Tage lang etwas abseits im voralpinen Österreich in einem kleinen Apartment, wanderten, schwammen im See und besichtigten die Städte rund um den Bodensee. Am vierten Tag fuhren wir über Schloss Neuschwanstein weiter nach München – hinein in den vollkommenen Massentourismus.

Der Bodensee ist wunderschön – und wie ich mich auf drei Tage Entspannung freute. Wir kamen von der westlichen Seite zum See und fuhren an der ganzen deutschen Uferseite entlang. Unseren ersten Zwischenstopp machten wir am Schloss und Kloster Salem, dem Sitz des früheren Zisterzienserordens. Mittags erreichten wir Friedrichshafen, die zweitgrößte Stadt am Bodensee nach Konstanz.

Kaum waren wir aus der Tiefgarage im Stadtzentrum (wir sind einfach der Parkplatzbeschilderung auf unserem Weg in die Stadt gefolgt) getreten, umschwärmte uns das süddeutsche Flair dieser Kleinstadt: süße Fachwerkhäuser, hölzerne Fensterläden und Geranien.

Zeppeline in Friedrichshafen

Friedrichshafen ist für sein Zeppelinmuseum bekannt.  Schon sahen wir auch den ersten Zeppelin in der Luft – wahrscheinlich ein Rundflug über den Bodensee, das wird als touristisches Highlight angeboten. Und ich lernte, dass Zeppelin auf Englisch plimp heißt. Was für ein süßes Wort.

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Der Hafen von Friedrichshafen. Foto: Désiree Schneider

Bei der Hitze wollten wir aber nicht in das Museum auf, sondern an den See. Wir liefen die Uferpromenade entlang und suchten nach einer Abkühlung. Die fanden wir auch recht schnell: Eis und eine Bademöglichkeit. Baden mitten in einer Stadt mit der Fußgängerzone im Rücken? Klingt nicht sehr verlockend, hatte ich auch noch nie gemacht, doch das kühle Nass vertrieb mein unbehagliches Gefühl.

Wandern und Entspannen in Österreich

Über Nacht blieben wir die nächsten drei Tage in einer kleinen Ferienwohnung (wunderschön!) mit Schlafzimmer, Küche und Bad in Möggers, einem 534-Seelen-Dörfchen im Vorarlberg,  ungefähr 900 Meter über dem Meeresspiegel und 20 Minuten kurvenreiche Autofahrt bergaufwärts  über die österreichische Grenze.

Hier hätte ich ewig bleiben können. Hier, wo die Menschen so herzlich waren, ich morgens die Fensterläden öffnete, um das Sonnenlicht hereinzulassen, unsere Gastmutter uns morgens Brötchen mit frischer Marmelade vor die Tür stellte und die Menschen dich mit einem lachenden „Griaß di“ begrüßten.

Von Möggers aus unternahmen wir Tagesausflüge. Wir wanderten ein Stück des Höhenwanderweges bis nach Scheidegg, blickten auf die Hauptstadt von Vorarlberg, Bregenz. Um auf den Berg Pfänder hoch zu laufen, war es schlichtweg zu heiß.

In unserem Apartment fanden wir Prospekte mit Reisempfehlungen für interessante Museen und Ortschaften, unter anderem eine Hexenausstellung in Ravensburg, ein Steinzeit-Dorf-Experiment und ein Pfahlbaumuseum von rekonstruierten Pfahlbauten aus der Bronze- und Steinzeit in Unteruhldingen direkt am Bodensee.

Pfahlbaute aus der Bronzezeit

Das klang nach einem vielversprechenden Trip, wäre die Hexenausstellung nicht temporär und schon vor zwei Jahren gewesen und das Steinzeitdorf am ganz anderen Ende des Bodensees. So haben wir immerhin Ravensburg erkundet, in Lindau im Bodensee gebadet und uns das Pfahlbauten-Dorf angeschaut, welches übrigens wirklich empfehlenswert ist.

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Das Pfahlbautenmuseum in Unteruhldingen. Foto: Désiree Schneider

Das Museum beherbergt ein kleines, nachgestelltes Dorf mit Pfahlhäusern, welches man besichtigen kann. In den Räumen ist das Leben der Menschen aus der frühen Bronze- und Steinzeit szenisch und lebensecht nachgestellt.

Achtung Maut!

Da man im Österreich auch als Pkwfahrer Mautgebühren für das Benutzen der Autobahn zahlen muss und wegen meines rückständigen Navigationssystems haben wir davon abgesehen, Österreich näher zu erkunden.

Am vierten Tag brachen wir Richtung München auf, weg vom schönen Bodensee und Österreich hin zur Großstadt. Meine Erwartungen waren groß, ich habe bisher nur Gutes über die Stadt gehört.  Wir machten einen Zwischenstopp bei Schloss Neuschwanstein. Mein amerikanischer Freund sollte eine ordentlich schöne Burg sehen und ich selbst war auch noch nicht dort.

Den Gedanken verwarfen wir aber gleich bei unserer Ankunft wieder. Es war zwar kein Wochenende, doch Ferienzeit. Autos und Busse schlängelten sich die Straße hoch zum Schloss. Dafür haben wir das malerische Örtchen Füssen begutachtet.

München, das Desaster schlechthin

Nach 240 Kilometer und fünf Stunden Fahrt wegen diverser Staus und Baustellen kamen wir endlich in München an. Erwartungsvoll stiegen wir in die Straßenbahnlinie Richtung Hauptbahnhof. Von dort wollten wir zum Marienplatz laufen, den erreichten wir jedoch nie. Am Hauptbahnhof ausgestiegen, offenbarte sich München uns von seiner unschönsten (doch natürlich auch realen) Seite: Menschenmasse, Hektik, Gedränge, Armut. Uns kam ein Mann mit den Händen über die Straße laufend entgegen. Dort wo einst seine Beine waren, befanden sich zwei Stümpfe so lang wie der halbe Oberschenkel mit Zeitungspapier umwickelt.

Mein Kumpel bekam es mit der Angst zu tun. (Ich weiß, solch ein Anblick sollte niemanden verschrecken, doch mit der Gesamtatmosphäre und all diesen unbeteiligten Menschen und aufdringlichen Bettlern, war es äußerst unangenehm.) Mit Hilfe Google Maps bahnten wir unseren Weg Richtung Marienplatz, durchs Wohngebiete etwas abseits der überlaufenen Straßen.

Dann wurde es dunkel und ein plötzlicher Regenschauer brach über uns herein. So sonnig wie es all die Tage war, hatten wir natürlich keine Jacken, geschweige denn einen Regenschirm dabei und der nächste Unterstand war nicht in Sicht. Damit war die Stadterkundungstour vorbei. Nach 45 Minuten München und nass bis auf die Knochen gingen wir zum Hotel zurück. Erschöpft, enttäuscht, demotiviert.

München, ich gebe dich nicht auf. Auch wenn unsere erste Begegnung nicht erfreulich war, werde ich dich noch einmal besuchen.

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