Ein seelischer Striptease: über die beste Freundschaft

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Vierstimmig-Autorinnen Melina und Désiree sind bekloppte beste Freundinnen. Foto: Privat

Was ist eine beste Freundschaft? Zwei Bekloppte auf der gleichen Wellenlänge. Woran erkennt man sie? Du teilst (fast) alles mit dieser Person und kannst sie nicht mehr aus deinem Leben wegdenken. Was macht sie aus? Sie wertet andere Freundschaften nicht ab. Es sollte generell keine Hierarchie unter wahren Freunden geben, da jede zwischenmenschliche Beziehung anders und einzigartig ist. Eine beste Freundschaft ist jedoch außergewöhnlich und zeichnet sich vor allem durch einen besonderen Aspekt aus: Selbstlosigkeit.

Sie ist schön, sie ist wertvoll, sie ist unbezahlbar: die Freundschaft mit deinem oder deiner Besten. Stundenlange Telefonate, totphilosophierte Lebenssituationen, gefolgt von hitzigen Debatten und meistens einvernehmlichen Oh- und Ah-Momenten. (Man kann ja nicht immer gleicher Meinung sein, das ist langweilig 😉). Mit ihm oder ihr würdest du sogar deine letzte Packung Nudeln, deine Pizza, Oreo-Kekse oder deine Erdbeeren teilen. Er oder sie kennt dich einfach in- und auswendig. Seelisch nackt. Vielleicht auch körperlich. Und ihr könntet eure Sätze gegenseitig beenden, weil ihr wisst, was der andere antworten würde. Du hast einen solchen Menschen in deinem Leben? Dann lasse ihn nicht mehr gehen!

Freundschaft ist Arbeit

Eine solche Freundschaft kostet wie jede andere auch viel Zeit und Energie. Sie braucht Zuwendung und Pflege wie eine Blume. Anders als die Familie ist eine Freundschaft eine freiwillige persönliche Beziehung, die man sich selbst aussucht. Doch sie kann genauso schnell verpuffen, wie sie sich angebahnt hat. Gut miteinander klarzukommen, reicht nicht aus, um eine stabile Beziehung auszubauen, ist jedoch ein Anfang. Die besten zwischenmenschlichen Beziehungen wachsen daraus, so sagt man, wenn der erste Eindruck der Person zu Unrecht negativ oder äußerst fragwürdig war.  Diese Faustregel kann ich nur bestätigen.

Was braucht es also, um eine Beziehung zu pflegen?

Kontakt, Wertschätzung, Respekt und Gegenseitigkeit

Ein mehr oder minder regelmäßiger Kontakt ist das A und O. Den Freund oder die Freundin nicht in seiner Nähe zu haben, ist kein Ausschlusskriterium für eine beste Freundschaft. Dafür wissen beste Freunde einfach zu viel von einem, sodass sie neue Lebenslagen alleine aus deinen Beschreibungen clever beratschlagen und gut einschätzen können, ohne sie selbst erlebt zu haben. Es muss weder die tägliche WhatsApp noch das wöchentliche Stundentelefonat sein, um Kontakt zu halten. Aber der Kontakt sollte nicht nur aus einer Notlage heraus, sondern aus reinem Interesse an der anderen Person entstehen.  Manchmal muss man dennoch den Tröster, Kummerkasten oder seelischen Mülleimer spielen und sein Gegenüber aufmuntern – selbst, wenn der schlechte Tag 72 Stunden hat. Eine beste Freundschaft hat aber eine ebenso enge Basis wie die Verwandtschaft zu Geschwistern oder der Familie. Es kann sogar eine Seelenverwandtschaft entstehen.

Dein bester Freund oder deine beste Freundin genießen zwar einen sehr hohen Stellenwert in deinem Leben, wissen aber gleichsam, dass nicht alle deine Freunde auch ihre Freunde sein müssen.

Zudem verurteilen sie dich nicht, sagen dir aber dennoch offen und ehrlich ihre Meinung, auch wenn diese mal nicht so schön ausfällt. Die gegenseitigen Meinungen werden wertgeschätzt, selbst wenn keiner der Ratschläge eingehalten wird. Es kann ordentlich krachen, aber nach einem Streit verträgt man sich schnell wieder, da miteinander zu reden ja viel schöner ist. Zu einem Streit gehören immer zwei: Gegenseitiger Respekt ist hier das Stichwort und die Basis aller Unternehmungen. Sie sind immerhin abgesehen von den Eltern die einzigen, die dir so richtig in den Arsch treten und dich herausfordern dürfen! Denn sie glauben an dich, stehen zu dir und sind deine größten Unterstützer.

Genauso verrückt sein

Zu guter Letzt eine der wichtigsten Eigenschaften, die eine beste Freundschaft auszeichnen sollte: Beste Freunde feiern deine Ecken und Kanten und freuen sich über deine Erfolge. Sie sind selbstlos und nicht nur auf der gleichen Wellenlänge mit dir, sondern genauso bekloppt wie du.

P.S.: Um gleich auf die Frage zu antworten, ob man mit seinem besten Freund oder seiner besten Freundin intim werden sollte: Nein. Wieso auch? Meiner Meinung nach können Freundschaften Plus die Vertrauensbasis einer besten Freundschaft beeinträchtigen. Denn unter Freunden gibt es keine Exklusivität, in einer Partnerschaft schon. Sobald Intimitäten im Spiel sind, geht es für mich in Richtung Partnerschaft, egal wie diese sich auch gestalten mag.

 

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