Roadtrip Teil 2: Kulturstadt Trier und Kulinarisches in Straßburg

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Am dritten udn vierten tag unseres Roadtrips waren wir in Trier und in Straßburg. Foto: Désiree Schneider

Trier/Straßburg. Der zweite Tag unseres Roadtrips wurde noch chaotischer. Von Maastricht aus ging es nach Trier. Unterwegs wollten wir noch einen Abstecher in die Stadt Luxemburg machen, was jedoch eher in einer desaströsen Rundfahrt endete. So kamen wir jedoch durch Belgien, Luxemburg, Frankreich, das Saarland und die wunderschöne Weinregion entlang der Mosel.  Die dritte Nacht verbrachten wir an der deutsch-französischen Grenze und besuchten Straßburg, eine wunderschön bunte und leckere Stadt.

Die Irrfahrt in Luxemburg: Es regnete in Strömen und übermüdet wie wir waren, fanden wir wieder einmal keinen Parkplatz. Außerdem lotste uns das Navigationssystem ständig im Kreis, bis ich die Geduld verlor und einfach eine andere Richtung einschlug. Dadurch landeten wir allerdings in einem Neubaugebiet, welches natürlich nicht auf den alten Karten des Navis verzeichnet war. Laut diesem befanden wir uns nämlich mitten auf einem Feld und steuerten auf eine blaue Fläche zu, was wohl vor dem Bau ein See oder anderes Gewässer gewesen war. Nass sind wir nicht geworden, doch einen Parkplatz haben wir auch nicht gefunden. Die Irrfahrt entfernte uns immer weiter vom Stadtzentrum und von jeder Autobahnauffahrt. Nach mehr als einer Stunde orientierungsloser Erkundungsfahrt und unzählbar vielen frustrierten Seufzern und wutentbrannten Flüchen fanden wir das blaue Schild wieder, eine hoffungsvolle Verheißung.

Ich bog rechts ab, fädelte mich zwischen die LKWs ein und beschleunigte. Wir waren endlich auf der Autobahn (!), wenn auch in der falschen Fahrtrichtung.

Trier, eine der schönsten historischen Städte Deutschlands

Nach dreieineinhalb Stunden und mehr als hundert Kilometer Umweg zeigte die Anzeige nur noch 153 Kilometer bis nach Trier – nur noch knappe zwei Stunden Fahrt und Vorfreude pur. Trier ist für mich eine der schönsten Städte Deutschlands. Auch der Weg dorthin war schön. Wir fuhren bewusst abseits der Autobahn und Schnellstraßen und kurvten durch die Weinbaugebiete, um die Landschaft zu genießen. Weinreben, soweit das Auge reicht und sanfte Hügel, in deren Schoß die Mosel fließt.

Trier zählte zu den größten Metropolen des römischen Reiches und ist auch heute noch ein geschichtliches Zentrum der Antike. Durch die Mosel wurde es zu einer wichtigen Handelsstadt, die mit dem Schiff erreichbar einen wichtigen Dreh- und Angelpunkt in der römischen Infrastruktur darstellte.  Viele Bauten aus dem Imperium Romanum sind heute noch zu sehen: das Amphitheater, die Barbarathermen, die Kaiserthermen, die Thermen am Viehmarkt und natürlich die Porta Nigra, Triers Wahrzeichen. Die Führung durch das relativ übersichtliche Amphitheater ist nett inszeniert und eine Überlegung wert, eine Erlebnisführung durch die Porta Nigra gehört jedoch zum Pflichtprogramm. Der Stadtführer als römischer Soldat verkleidet – ganz im Stil von Asterix und Obelix – nimmt die Gruppe mit auf eine lebendige Zeitreise zurück in die Blütezeit der Porta Nigra 170 nach Christus. Sehr empfehlenswert.  Schwarz verfärbte sich die Porta Nigra (Schwarzes Tor) übrigens erst später, als der Sandstein zu verwittern begann.

Auf dem Weg zur Porta Nigra durch das Stadtzentrum – es ist alles fußläufig nahe beieinander – überquert man den Kornmarkt und den Hauptmarkt, zwei wunderschöne Marktplätze gesäumt von reich verzierten Handelshäusern. Vom Hauptmarkt aus hat man auch Zugang zum Judenviertel und der Judengasse, zu Stadtkirche und zum Dom.

Übernachtet haben wir auch hier nicht in der Stadt, sondern etwas abseits in einem gemütlichen Hotel mit Blick auf die Weinberge. In Trier kann man übrigens auch sehr schön zelten oder campen.

Mit der Tram von Kehl nach Straßburg

Am vierten Tag nächtigten wir in einem Vorort von Kehl, die Stadt ist direkt mit einer Brücke und einer Tramlinie mit Straßburg auf der französischen Seite verbunden. Eine Distanz, die schnell überwunden ist. „Komm lass uns nach Frankreich shoppen gehen“, höre ich zwei Mädchen miteinander sprechen, bevor sie sich auf dem Weg zur Tram machen. 20 Minuten mit der Straßenbahn und du befindest dich in einer anderen Welt, wo eben noch alle Deutsch sprachen, verstehe ich auf einmal kein Wort mehr außer Je suis une baguette. Das wahrlich, ich weiß, keinen Sinn ergibt, doch mir in Erinnerung geblieben ist – ein Scherz der Mitschüler, sich einen Spaß mit den Lateinern zu erlauben. Gut, dass mein Kumpel französisch spricht und ich mit meinen drei Worten gar nicht erst um die Ecke kommen muss.

Frankreich ist bekannt für seine gotischen Bauten, allen voran die Notre Dame in Paris. (Dass dieser Name nicht exklusiv ist und noch viele andere sakrale Bauten in Frankreich so heißen, habe ich erst auf einer vergleichenden Postkarte gesehen.) Auch in Straßburg steht ein Münster aus dem 12. Jahrhundert. Der Baustil des Sandsteingebäudes, die Westfassade und das blumenartige Fenstermotiv (Rosette) über dem Eingang erinnern mich tatsächlich in die Pariser Notre Dame.

Französisches Baguette, deftige Crêpes und belgische Waffeln

In Deutschland schätze ich körniges und dunkles Brot und in Frankreich Baguettes. Keiner weiß so gute Baguettes zu machen wie die Franzosen und das schmeckt man schon die wenigen Kilometer nach der Grenze. Ich will Straßburg nun nicht nur nach dem Essen beurteilen, aber das war eigentlich das, was wir den ganzen Tag taten: uns durchprobieren. Französische Pommes, deftige Crêpes gefüllt mich Ziegenkäse und Pilzen (nicht nur die süße Variante mit Zucker oder Nutella, die es auf unseren Märkten und Rummelfesten gibt), ofenfrisches Baguette und auch belgische Waffeln.

Mit der Beute an Köstlichkeiten suchten wir uns ein schönes, schattiges Plätzchen und bewunderten La Petite France, das mich auch an ein kleines Venedig mit französischem Charme erinnerte und beobachteten die Menschen – Frauen ohne BH, unrasierte Achseln und Beinen, lockere, bunte Sommerkleidung, in der Öffentlichkeit stillende Mütter und Menschen in allen Formen, Farben und Größen. Einfach nur schön. Nach der kulturreichen Stadt Trier hat dieser „ruhige“ Tag gutgetan. Und obwohl wir kein Museum oder Gebäude außer der Kathedrale besucht haben, fühle ich mich, als hätte ein Stück des Straßburger Lebens kennengelernt.

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