5 Gründe, warum ich mir Tattoos stechen lasse

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Das Motiv ist ein Design des Tätowierers. Foto: Luisa Bill

Tattoos erfreuen sich immer größerer Beliebtheit und wachsender Akzeptanz. Kein Wunder, der Trend geht derzeit auch zu immer kleineren und feineren Tattoos, die man leicht verbergen kann anstelle großflächiger Tribals oder Arschgeweihe der 90er, für die sich viele beim Älterwerden dann vielleicht doch schämen. Dennoch gibt es Menschen, die einem immer wieder mit totalem Unverständnis konfrontieren und entsetzt sind, wie man seinem Körper so etwas antun kann. Hier sind meine Gründe, weshalb ich Tattoos (auch an mir) liebe.

Ich habe vier Tattoos, alle sind aus unterschiedlichen Gründen entstanden: um die Lebensphilosophie einzufangen, als Erinnerung, ein Freundschaftstattoo und eines aus reiner Spontanität, einfach weil das Motiv schön war, ohne tieferen Grund.

Meine Gründe, mir ein lebenslanges Motiv unter die Haut bringen zu lassen:

  1. Selbstbestimmung, das Gefühl sein eigener Herr zu sein: Ein Tattoo ist etwas, das dir keiner nehmen kann. Es ist eine Entscheidung, die nur du triffst und deren Konsequenzen nur du alleine tragen kannst. Für manche ist das erste Tattoo auch ein Schritt ins Erwachsenenleben und in die Unabhängigkeit, manchmal auch eine Art rebellischer Handlung, die besagt „Ich bin anders“ und „Ich kann das“ – so auch für mich. Viele lassen sich Tattoos ja auch nach einer Veränderung oder einem positiven Wandel stechen, so wie andere sich eine neue Frisur zulegen. Für sie fungiert es meistens als Belohnung und als Abschluss eines Lebenskapitels und erinnert sie an das, was sie durchlebt haben.  Damit komme ich auch gleich zum zweiten Punkt, der Erinnerung.
  2. Tattoos können als Erinnerung dienen. So kann man ein Andenken an verstorbene Menschen, Haustiere oder längst vergangene Zeiten immer bei sich tragen.  Eines meiner Tattoos erinnert mich an meinen Hund, mit dem ich aufgewachsen bin.
  3. Individualität und Selbstverwirklichung: Danach haben Menschen schon immer gestrebt. Die Naturvölker haben bereits vor hunderten von Jahren ihre Körper modifiziert, sich tätowiert oder ihre Haut mit Ziernarben geschmückt. Zumeist, um eine Gruppenzugehörigkeit auszudrücken. Heute ist es nicht anders. Menschen lassen sich Motive und Schriftzüge auf die Haut bringen, die ihre Lebensphilosophie, Religion oder ihren Glauben widerspiegeln. Es ist eine Form seine Werte nach außen zu kommunizieren und für alle darzulegen und sich als Träger gleichzeitig daran zu binden. Unsere heutige Welt strebt zunehmend nach Individualisierung und Tattoos werden immer ausgefallener, um sich von anderen abzuheben. Meine tätowierten Schattenvögel und die Feder symbolisieren für mich beispielsweise Freiheit. Etwas, wonach ich strebe und die ich jedem zugestehen möchte.
  4. Sich selbst verschönern. Es ist eindeutig Ansichtssache, ob man sich mit Tattoos selbst verschönert oder eher verstümmelt. Ich glaube, man muss einfach der Typ dafür sein, Tattoos zu tragen. Ich finde mich hübscher mit meinen Tattoos und das strahle ich auch aus. Sie können den Charakter eines Menschen unterstreichen und so ästhetisch wirken. Auch können Tattoos wunderschöne Cover Ups für Narben oder Pigmentstörungen sein. Wenn ihr mit so einem Gedanken spielt, solltet ihr euer Vorhaben jedoch erst mit eurem Arzt und eurem Tätowierer absprechen.
  5. Tattoos sind Kunst. Für mich kommen schöne Tätowierungen auf Körpern verewigten Kunstwerken gleich. Darum lege ich auch darauf Wert, meine Tattoos entweder selbst zu entwerfen und zu zeichnen (zwei sind aus eigener Feder) oder dass der Tätowierer mir seine eigene Kunst tätowiert. Grund dafür ist natürlich auch, dass ich keine Copy-Cat-Tätowierung will und die Urheberrechte von niemandem  verletzten möchte. Aber vielmehr: Je freier der Künstler in seinem Schaffen ist, desto schöner wird das Endergebnis. Und ich bevorzuge, die persönliche Note des Tätowierers mit im Tattoo zu haben, so wie man es auch auf einem Gemälde sehen würde.

Gegenseitiger Respekt

Auch wenn man selbst keine Tattoos mag, kann man anderen ihre Freude daran lassen. Ja, ein Tattoo ist eine Entscheidung fürs Leben. Ja, die gesundheitlichen Langzeitfolgen sind dennoch nicht erforscht und auch die Haut altert. Darum sollte es auch wohl überlegt sein.  Doch das ist ja gerade das Schöne, dass jeder mit seinem Körper machen kann, was er möchte, er sich jedoch immer über die Konsequenzen bewusst sein muss. Wer nun ein großes Tribal auf dem Rücken hat, dass sich jedes Mal zeigt, wenn man sich bückt oder die Hose etwas tiefer sitzt oder eine Tätowierung im Gesicht hat, wird von anderen Menschen gemustert. Es sind Blickfänger. Diese Stellen ziehen Blicke auf sich und können von manchen als provokant erachtet werden.

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Verheilte und selbst entworfene Freundschaftstattoos und gleichzeitig Erinnerung an die liebsten Haustiere. Foto: Privat

Darüber muss man sich aber im vorhinein bewusst werden. Ich sehe es auch nicht als die Aufgabe eines Tätowierers, mit jedem Kunden die Stellenwahl des Tattoos auszudiskutieren. Diese Denkarbeit muss man schon selbst erledigen.

Ein Blick muss nicht immer bösartiger Natur sein

Manche Menschen starren auch nur, um einen tättoowierten Schriftzug zu entziffern oder betrachten sich eine Arbeit etwas genauer. Das muss nicht einmal ein abwertendes Starren oder ein Blick bösartiger Natur sein. Von diesem Standpunkt aus, braucht es mehr Respekt und vor allem Akzeptanz von beiden Parteien.

Starrt nicht zu lange auf Tattoos und sagt gerne mal etwas Nettes, falls euch welche besonders gut gefallen. Und an alle Tattooträger, seid euch bewusst, was eure Tattoos und ihre Platzierungen aussagen können und wie sie auf Menschen wirken und ihr werdet wissen, mit welchen Reaktionen ihr in der Öffentlichkeit eventuell rechnen könnt. Im Gegenzug werden Skeptiker nun vielleicht die möglichen Gründe von Menschen, sich tätowieren zu lassen, etwas besser verstehen. Oder zumindest aktzeptieren.

Ein Tattoo ist eine bewusste Entscheidung

Ich liebe jedes einzelne meiner Tattoos und es werden sicherlich noch ein paar hinzukommen. Wenn du dir ein Tattoo stechen lassen willst, solltest du wissen, was du willst. Denn, wenn du hinter deinen Tätowierungen stehst und sie mit Stolz trägst,  machen sie dich schöner.

 

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