Roadtrip Teil 1: Irgendwo in Köln und Maastricht und dazwischen

Ein Erfahrungsbericht.

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Man muss sie nur lesen können: Karten bieten oft mehr Orientierung, als blindlings einem Navigationssystem zu folgen. Foto: Désiree Schneider

Maastricht. Die schönsten Orte entdeckt man unbeabsichtigt – meistens, nachdem man sich erst einmal ordentlich verirrt hat. Dass der Weg dorthin voller Momente der Orientierungslosigkeit und Verwirrung jedoch eher einer totalen Verzweiflung und einem menschlichen Systemausfall gleichkommt, als einer einer romantischen Sinnsuche, darüber schreibt kaum einer. Was passiert also, wenn sich ein Amerikaner und eine Deutsche ohne jeglichen Orientierungssinn auf einen achttägigen Roadtrip durch Deutschland und angrenzende Länder begeben? Sie verzweifeln, hoffen und finden dabei die schönsten Orte.

Roadtrip: Weg und Planung

Wenn der Kumpel schon extra aus Amerika anreist, will man ihm auch möglichst viel von der eigenen Heimat zeigen und selbst etwas sehen. Der Roadtrip selbst war schon lange geplant und längst überfällig, da wir uns seit drei Jahren nicht mehr gesehen hatten. Dementsprechend groß war die Euphorie und der Plan, möglichst das Beste aus den zwei gemeinsamen Wochen zu machen.

Also legten wir einen relativ straffen Zeit- und Routenplan fest, mit dem wir den Südwesten Deutschlands und die angrenzenden Nachbarländer bereisen wollten – immer entlang der deutschen Grenze mit Abstechern und Tagestrips in die Niederlande, nach Luxemburg, Belgien, Frankreich, Österreich (und Liechtenstein). Wieso Liechtenstein in Klammern steht? Weil es am Ende doch nicht geklappt hat, da wir die Mautgebühren vergaßen.

Der erste Tag: Köln und Maastricht

Unterwegs waren wir mit dem Auto, Übernachtungen haben wir vorab und während unserer Reise über AirBnB und booking.com gebucht. Es waren meistens günstige Hotels, kleine Appartments oder nette Quartiere, da wir selbst Studenten sind und nur ein geringes Budget zur Verfügung haben. Dennoch war uns unsere Privatsphäre wichtig, weshalb wir von Hostels und 20-Bettzimmern absahen, die sich in Mitteleuropa  fast in der gleichen Preisklasse bewegen.

Wir übernachteten meist außerhalb der Großstädte, da es dort wesentlich günstiger war und es meist keine bezahlbaren Parkmöglichkeiten über Nacht in der Stadt gab. So sind wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln in den Dschungel der Stadt gefahren oder haben Tagesausflüge gemacht, für die wir nur ein entsprechendes Parkhaus finden mussten. Das stellte sich jedoch bereits in Köln, unserem ersten Zwischenstopp auf dem Weg nach Maastricht, als schwer genug heraus.

Parkplatz-Horror in Köln

So machten wir uns motiviert, mit zwei kleinen Trolleys voller Wechselwäsche, einem Sixpack Wasser und einem veralteten Navigationssystem auf den Weg von Hessen nach Köln, NRW. Ich bin schon oft in Köln gewesen und kenne mich etwas aus, bin jedoch noch nie selbst in die Stadt hineingefahren. Wir wollten den Kölner Dom besichtigen und  die Stadt vom Domdach aus bewundern. Es ist immerhin die zweithöchste Kirche Deutschlands! Wir folgten den Schildern Richtung Stadtzentrum und vertrauten auf das städtische Parkleitsystem – ein Fehler.

Die Anzeigen der noch verfügbaren Parkplätze waren ausgeschaltet. Wir klapperten alle Parkhäuser ab: besetzt, ausgebucht, voll.  So langsam wie wir fuhren, hielten wir den Verkehr auf und bogen dutzende Male falsch ab, weil die Straßenführung sich änderte und andere Autofahrer keinen Platz machten für Spurenwechsel oder Wendemöglichkeiten.

Als wir dann an dem drittgrößten Gotteshaus der Welt ankamen, war es von so vielen Touristen umringt, wie sich früher bestimmt die Pilger versammelt haben, um die Gebeine der Heiligen Drei Könige zu bestaunen. Asiaten, Kameras und Selfiesticks dominierten das Bild vor dem gotischen Architekturwerk. Da waren sogar die WDR-Studios von außen wesentlich entspannter. Ein Blick genügte und wir wussten: weiter nach Maastricht! Leider war es wegen der Parkplatzsuche schon zu spät für einen Halt in Aachen.

Maastricht – die Vorteile eines ungeplanten Festivals

Kurz hinter der deutschen Grenze liegt die malerische Studentenstadt Maastricht. Kopfsteinpflaster, krumme Häuschen, enge Gassen und Straßenkunst. Das Stadtzentrum ist gut zu Fuß zu erkunden. Die Stadtmauern geben eine Orientierung. Da Maastricht bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine befestigte Stadt war kann man heute noch die starken Stadtmauern, die Befestigungsanlage, Überreste mittelalterlicher Bauten und die Katakomben sehen (sehr empfehlenswert!).

Übernachtet haben wir in einem Ibis Budget Hotel in der Nähe von Stein. Von dort sind es nur 20 Kilometer mit dem Auto bis in die Stadt. Kostengünstige Parkplätze gibt es in der ganzen Stadt, die meiner Meinung nach auch wesentlich leichter zu finden sind, als die in Köln. Bei unserem Glück wurde jedoch an genau diesem Abend ein großes Musik-Festival im Herzen Maastrichts veranstaltet, weshalb sämtliche Wege und der Marktplatz gesperrt waren.

Wer nicht auf langes Parkplatzsuchen, ausgefallene Parkplatzleitsysteme und unerwartete Straßensperren wegen eines Festivals steht, sollte sich im vorherein lieber ausführlichst über die zu besuchenden Orte informieren. Ich habe diese Spontanität genossen und konnte den Umständen des Festivals viel Positives abgewinnen. So konnten wir  immerhin für den vergünstigten Festivalpreis in der Tiefgarage direkt im Zentrum parken. Ansonsten war auch nicht viel in der Stadt los und wir hatten auch noch etwas gratis Musik beim Flanieren und Abendessen. Gegen große Touristengruppen wie am Kölner-Dom haben wir jedoch keine Lösung gefunden. Entweder nimmt man sie in Kauf oder macht kehrt und nutzt seine Zeit anderweitig.

Diese Nacht sehnte ich mich nach meinem Bett wie lange nicht mehr. Die gewonnene Kraft brauchten wir auch, denn am nächsten Tag in Trier streikte das Navi. Dazu mehr im nächsten Blogbeitrag.

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