Der Weg in die Zukunft ist nicht immer gradlinig – und das ist gut so

Nicht jeder weiß sofort, wie er sich die eigene berufliche Zukunft vorstellt. Foto: Pixabay

Nicht jeder weiß sofort, wie er sich die eigene berufliche Zukunft vorstellt. Foto: Pixabay

Nach dem Schulabschluss stehen jungen Menschen viele Möglichkeiten offen. Sie können eine Ausbildung beginnen, ins Ausland reisen, um dort ein Jahr als Au-pair zu verbringen oder Work and Travel zu machen oder mit dem Studium beginnen. Aber auch dann kann man sich immer noch umentscheiden und nach der Ausbildung ein Studium beginnen oder die Studienrichtung wechseln. Wir stellen euch junge Erwachsene vor, die nicht im traditionellem Sinne in ihre Zukunft starten, sondern Findungsschwierigkeiten haben oder vorher noch wichtige Erfahrungen sammeln möchten. Was für Beweggründe sie haben, erzählen sie euch hier:

Anne L. (21), Au-pair 2015/16

Nach dem erfolgreichen Bestehen des Abiturs habe ich mich dazu entschieden, vor dem Studium noch ein freiwilliges soziales Jahr zu absolvieren. Ich wusste zwar bereits, dass ich Grundschullehrerin werden wollte, aber war mir noch nicht 100 prozentig sicher. Daher entschied ich mich, für ein Jahr nach England zu gehen, um mehr Zeit zu haben und um über meinen späteren Werdegang nachzudenken. Außerdem wollte ich nicht mein ganzes Leben in Schulen verbringen, daher tat mir die Veränderung ganz gut.

Ursprünglich wollte ich zehn Monate in England bleiben. Die Familie, die ich vorher durch das Internet kennen gelernt hatte, schien auch ganz nett zu sein. Allerdings habe ich mich privat auf den Weg nach England gemacht und fuhr nicht mit Hilfe einer Organisation dorthin. England an sich gefiel mir gut. Auch die Kinder, um die ich mich kümmern sollte (vierjährige Zwillinge und ein 13 Jahre altes Mädchen) waren sehr nett und ich konnte mir weiterhin vorstellen, als Lehrerin zu arbeiten.

Das Problem war jedoch, dass meine Gastfamilie zu der Zeit mitten in einem großen Umzug steckte, bei dem das neue Haus von Grund auf renoviert werden musste. Außerdem war ich das erste Au-pair der Familie und als die Mutter plötzlich ihren Job verlor, kam es zu Spannungen innerhalb der Familie. Daher verließ ich die Familie bereits sieben Monate später.

Man kann aber sagen, dass ich die neuen Erfahrungen sehr begrüßt habe und dass sie mir vielleicht für meinen späteren Berufswunsch von Nutzen sein können. Außerdem finde ich das Land an sich sehr spannend und auch die neuen Sprachkenntnisse haben sich zurück in Deutschland bezahlt gemacht. Ich würde vielleicht sogar einen weiteren Au-pair-Aufenthalt in Betracht ziehen, wenn die Familie besser zu mir passt.

Verena S. (24), Sachbearbeiterin in der Buchhaltung:

„Ich wusste nach dem Abitur überhaupt nicht, was ich machen soll. Nachdem es nicht so einfach war etwas im Bereich Medien und Werbung zu finden, habe ich mich für eine Ausbildung zur Industriekauffrau entschieden und hatte gehofft so ins Marketing zu rutschen. Ich arbeite zwar nun nicht im Marketing, sondern in der Buchhaltung, aber das gefällt mir sehr gut. Ich mache im Moment eine Weiterbildung zur Bilanzbuchhalterin und hoffe, dass dadurch zukünftig weitere Aufgabenbereiche für mich hinzukommen.“

Victoria K. (24), Studentin Maschinenbau:

„Ich wusste überhaupt nicht, was ich nach dem Abschluss machen soll, deswegen hatte ich mich für ein Jahrespraktikum in einem Wirtschaftsbetrieb entschieden, um einen Einblick in die Unternehmensstruktur zu bekommen. Ich studiere nun seit zwei Jahren Maschinenbau. Mein Traumjob wäre im Bereich Forschung und Entwicklung, besonders reizt mich der Fachbereich Robotik. Dort sehe ich mich in wenigen Jahren.“

Jacqueline R. (23), Industriekauffrau und duale BWL-Studentin:

„Ich wusste nach der Realschule nur, dass ich in die Wirtschaft und einen Bürojob erlernen wollte. Ich habe mein Wirtschaftsabitur gemacht und dadurch wusste ich sicher, dass ich ein duales Studium im Bereich BWL anfangen möchte, um Theorie und Praxis gleichzeitig zu erlernen. Das war die richtige Entscheidung, mein Job ist vielseitig und jeden Tag aufs Neue spannend. Ich hoffe, dass ich in zehn Jahren eine Position mit Verantwortung bekleide. Aber mir ist vor allem wichtig, dass ich weiterhin Spaß an der Arbeit habe, gerne hingehe und nette Kollegen um mich habe.“

Kirsten B. (25), Sachbearbeiterin im Controlling und BWL-Studentin:

„In der Schule war ich planlos und habe zwischen einem Studium in sozialer Arbeit, Biologie, BWL und zeitweise auch Jura geschwankt. Da ich mir so unsicher war, habe ich ein Praktikum im BWL-Bereich gemacht und mich für eine Ausbildung als Industriekauffrau entschieden. Es war die richtige Entscheidung, nicht direkt studieren zu gehen. Ich arbeite nun im Controlling, was ich mir vorher überhaupt nicht vorstellen konnte. Nebenberuflich studiere ich BWL, das gefällt mir sehr gut und ich weiß auch, dass ich in dem Bereich arbeiten möchte. Ich werde im Finanzbereich bleiben, möchte aber noch unbedingt meinen Master machen.“

Text: Melina Seiler und Vera Brüssow

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