Setzt Bildung Grenzen oder öffnet sie Türen?

Bild zu ;Setzt Bildung Grezen oder öffnet Türen; von Desiree Schneider gezeichnet

Zu viel des Guten? Zeichnung: Désiree Schneider

Niemand weiß es besser als ein Student: Nur wer sich bildet, kann im Leben etwas erreichen. Zumindest sagt man es so.

Schon die Großeltern predigten: „Man lernt nie aus im Leben“. Und das ist auch richtig so. Es gibt keinen Stillstand. Wir machen jeden Tag neue Erfahrungen, aus denen wir lernen. Auch in der Schule wurde man ermahnt ja schön aufzupassen, wenn man später mal etwas werden wolle. Doch manchmal erscheint es wie ein Kampf: Schule, Ausbildung, Studium, hier ein Lehrgang, da eine Fortbildung. All diese Bildung für einen guten Job, um Geld zu verdienen. Schnell sieht man sich gefangen in einer Spirale von Arbeit und dem Druck sich weiterzubilden, um dem sich ständig verändernden Arbeitsmarkt angepasst zu sein. Schließlich muss man seinen Anforderungen entsprechen. Aber profitiert man nicht auch persönlich? Schließlich ist man im Vorteil, wenn man über Wissen verfügt, das andere nicht besitzen. Es öffnet Türen, die anderen dann verschlossen bleiben.

Wer will schon freiwillig unmündig und unwissend sein?

Schon zur Zeit der Aufklärung erkannte man die Bedeutung der Vernunft. Der Philosoph Kant definierte: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ Nur durch Einsatz des Verstandes sei dies möglich. Die Epoche steht für das Bestreben neues Wissen zu erwerben, um Unklarheiten zu beseitigen, Fragen zu beantworten und Irrtümer aufzudecken. Es geht um den individuellen und gesellschaftlichen geistigen Emanzipationsprozess, aus dem ein selbstbestimmtes Individuum hervorgeht. Und all das funktioniert eben nur durch den Einsatz des Verstandes in Verbindung mit Bildung und Wissen. Wer will schon freiwillig unmündig und unwissend sein? Außerdem braucht ein demokratisches Land mündige, aufgeklärte Bürger.

Heute mehr denn je, in Zeiten in denen Organisationen wie Pegida viel Zuspruch erhalten. Und schließlich ist Wissen ja Macht! Kein deutscher Bürger sollte sich auf unserem Rechtsstaat ausruhen, sondern sich gezielt auf verschiedensten Wegen bilden. Kann zu viel Bildung auch einschränken? Wo liegen die Grenzen? Unser Entscheidungsprozess muss viele Informationen miteinbeziehen. Wenn man allerdings dadurch verlernt spontan zu sein und intuitiv zu handeln, wird es problematisch. Es ist dann gerade in Alltagssituationen schwierig, denn man braucht kein Studium, um einzukaufen. Jeder kennt außerdem die sogenannten Fachidioten, die außerhalb ihres Spezialgebietes weltfremd erscheinen. Oder diese Karrieretiere, die bei ihrem schnellen Aufstieg auf der Karriereleiter vor lauter „Lernerei“ keine Sozialkompetenzen erworben haben.

Keiner kann alles wissen oder können.

In diesen Fällen kommt es, wie bei allem im Leben, auf die richtige Balance an. Keiner sollte sich einschränken lassen, sondern den Ausgleich zulassen. Oft führt die ausschließliche Fixierung auf Weiterbildung und Job aber auch zu Überanstrengung. Das bekannte Phänomen dieser Zeit nennt sich Burnout. Diese Menschen sind erschöpft und sehen den Sinn ihrer Tätigkeit nicht mehr. Sie sehen sich mit Fragen konfrontiert, wie für wen sie lernen oder arbeiten. Für sich selbst oder nur für Geld? Soweit sollte es natürlich nicht kommen.

Arbeit und Bildung darf nicht als Minderung der Lebensqualität gesehen werden. Deshalb muss ausreichend Freizeit sichergestellt werden und nach Möglichkeit Lern- und Arbeitsinhalte, die den persönlichen Interessen entsprechen, denn dann können sie als Bereicherung empfunden werden. Und auf gar keinen Fall darf ein Zwang entstehen. Wissbegierig und arbeitshungrig zu sein ist nur solange gut, wie es einem selbst damit gut geht und man auch nicht vergisst: Keiner kann alles wissen oder können. Wenn wir also wissen, dass wir nichts wissen, wissen wir im Grunde alles. Schon Sokrates hinterfragte so, was er zu wissen meinte. Wer weiß, dass er nichts weiß, weiß mehr, als der, der nicht weiß, dass er nichts weiß.

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