Die neue Art der Gastronomie will hoch hinaus

Rollercoaster

Das Rollercoaster-Restaurant in Hamburg hat viele verschieden Schienensysteme, die jeweils zu einem der Tische führen. Foto: Michèle Loos

In einem Restaurant essen gehen und die Ruhe genießen, ist Schnee von gestern. Die Gäste wollen Entertainment, auch in der Gastronomie. Deshalb gibt es nun Achterbahn-Restaurants und Drohnen-Cafés.

Im neuen Jahrtausend sind immer mehr technische Neuheiten entstanden. Heutzutage gehört nicht nur der Laptop zum Alltag, sondern auch das Tablet oder Smartphone. Die Welt ist durch diese Technik immer mehr miteinander vernetzt. Auch die Kommunikation verläuft überwiegend über diese Geräte. Viele Familienmitglieder schreiben sich beispielsweise lieber eine WhatsApp-Nachricht, als im Raum nebenan das persönliche Gespräch zu suchen. In der Gastronomie hat sich dahingehend ebenfalls viel verändert. Die Bestellungen werden nicht mehr mit einem Stift auf einen Zettel aufgeschrieben und in die Küche gehangen, sondern auf elektronischem Wege über einem Bildschirm mit Touchfunktion zu den Köchen geschickt. Auch hier entfällt also die direkte Kommunikation mit dem Küchenpersonal und Wege werden gespart.

Gastronomie zukünftig ohne Personal?

Noch einen Schritt weiter gehen die Entwicklungen in den Niederlanden. Dort arbeiten Studenten der Universität Eindhoven an dem weltweit ersten Drohnen-Café. Drohnen können mittlerweile unter anderem Fotos und Videos aus der Luft erstellen, Pakete ausliefern und bei Rettungseinsätzen unterstützen. Nun sollen sie auch noch Kellner ablösen. Informationen der Universität Eindhoven zufolge sind die Drohnen mit einem Greifarm ausgerüstet und können so Gläser, Tassen und Becher transportieren und auf dem Tisch der Gäste abstellen.

Das Drohnen-Café hatte bereits einen Testlauf in Amsterdam. Drei Tage lang konnten sich Gäste von fliegenden Kellnern mit dem Namen Blue Jay bedienen lassen. Blue Jay kann mit Hilfe von eingebauten Kamerasensoren Gesten der Gäste erkennen. Wenn ein Gast also etwas bestellen möchte, macht er es mit einem Handzeichen deutlich. Daraufhin kommt die Drohne angeflogen und der Gast kann seine Bestellung aufgeben. Die fliegende Servicekraft übermittelt die Bestellung dann an eine weitere Drohne. Diese führt den Auftrag umgehend aus. Der fliegende Kellner kann bis zu vier Getränke gleichzeitig servieren. Somit kann die Drohne nur fast die Arbeit eines Kellners ersetzen, denn ein Kellner kann mehr als nur vier Getränke servieren.

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Drohnen ersetzen Kellner im zukünftigen Drohnen-Café. Foto: pixabay.co

Trotzdem ist diese Entwicklung eventuell schon ein Fingerzeig für die Zukunft. Die Technik wird immer fortschrittlicher, weshalb viele Aufgaben, die Menschen bisher übernehmen, in Zukunft von Maschinen übernommen werden können. Doch ohne Personal wird es vermutlich niemals gehen. Jeder weiß, welche Tücken die Technik oft aufweist. Es funktioniert nicht immer alles, wie es soll. Somit werden zumindest Techniker im Café anwesend sein müssen.

Kunden wollen Action bei der Bestellung

Nicht nur Drohnen-Cafés bringen Entertainment für die Gäste. Beliebt ist es jetzt auch, sich in einem Rollercoaster-Restaurant sein Essen an den Tisch fahren zu lassen. Rollercoaster bedeutet auf Deutsch so viel wie Achterbahn. Das kann man auch wörtlich nehmen, denn das Essen fährt über ein Schienensystem durch das Restaurant. Bestellen kann man bequem vom Tisch aus. Über eine digitale Speisekarte kann man seine Bestellung direkt zur Küche senden. Dort bereiten Köche die Gerichte frisch zu. Die fertige Bestellung wird dann in einem kleinen Topf serviert, auf die Schienen gesetzt und nach unten geschubst. Der Gast kann der Achterbahnfahrt des Essens von seinem Platz aus zuschauen und das Essen schließlich am Tisch entgegennehmen. Für den ganz großen Spaß kann sich der Topf mit einer brennenden Wunderkerze den Weg durch das Schienensystem bahnen – egal ob für einen besonderen Anlass oder einfach nur so.  

Prototyp-Restaurant in Nürnberg

Das erste Rollercoaster-Restaurant weltweit wurde im April 2007 in Nürnberg eröffnet. 245 Sitzplätze verteilen sich dort im Innen-und Außenbereich. 160 Plätze befinden sich im Innenbereich. Die restlichen sind draußen in einem Biergarten zu finden. Das Restaurant ist mit einem Edelstahlschienensystem ausgestattet. Technische Besonderheiten sind mehrere Multispiralen und ein integrierter Looping, wie die Betreiber auf ihrer Website schreiben. Die Firma „HeineMack“ entwickelte das Schienensystem, mit dem das Essen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 30 Kilometer pro Stunde durch das Restaurant fährt. Dieses System wurde weltweit patentiert. Nach der Eröffnung erlang das Konzept des Rollercoaster- Restaurants die Aufmerksamkeit der internationalen Presse. So berichteten beispielsweise die Sender BBC und CNN über das Restaurant. Aufgrund des großen Erfolgs entstanden schnell weitere Restaurants in anderen Städten Deutschlands und auch weltweit. Mittlerweile ist das Restaurant in Nürnberg jedoch für die Öffentlichkeit geschlossen und wird nur noch als Test-und Schulungsrestaurant genutzt.

Standorte in Deutschland

Der heutige Geschäftsführer der Standorte Hamburg und Dresden, Christian Steinbach, wurde nach dem immer größer werdenden Erfolg, auf das Restaurant in Nürnberg aufmerksam. „Ich habe 2008 von dieser Idee das erste Mal gehört und habe dann in Nürnberg den Pilot-Betrieb besucht“, berichtet er auf der Internetseite des Dresdener-Restaurants. Sein Sohn war so begeistert, dass er seinen Vater fragte, weshalb er denn nicht auch so ein Restaurant haben würde. Daraufhin – und nach Gesprächen mit den Betreibern in Nürnberg – setzte der Gastronom die Idee tatsächlich in die Tat um und investierte eine Million Euro in den Standort Hamburg. Im August 2010 eröffnete er schließlich das Restaurant, welches für bis zu 210 Personen Platz bietet. Da dieser Standort nur eine Etage umfasst, befinden sich im hinteren Teil 17 kleine Fahrstühle. Diese bringen die Schlitten mit den Speisen in fünf Metern Höhe, bevor sie dann nur durch die Schwerkraft angetrieben bei den Gästen ankommen. Im Mai 2011 eröffnete Steinbach einen weiteren Standort in Dresden. Das Restaurant hat eine Glaskuppel und erinnert dadurch an ein Planetarium.

Das weltweit erste Rollercoaster-Restaurant in einem Freizeitpark wurde im April 2011 im Europapark Rust eröffnet. Das Restaurant ist zwar das kleinste in Deutschland, ist jedoch weltweit das erste gewesen, welches zwei integrierte Loopings hat. Auch die höchsten Liftsysteme sind hier verbaut, da das Gebäude nicht nur zweistöckig, sondern auch offen und zeltartig ist.

Wichtige Vorbereitungen

Doch bevor ein neuer Standort eröffnet werden kann, muss erst einmal viel getestet werden. Dies dauert in etwa drei Wochen. Die Köche kochen die Gerichte immer wieder, um heraus zu finden, wie groß die Portionen für die kleinen Töpfe sein dürfen. Außerdem probieren sie aus, wie das Gericht in dem Topf am besten angerichtet wird, damit es in einem optisch guten Zustand bei dem Gast ankommt und der Topf nicht aus dem Schlitten fliegt. In der Testphase passiert das immer mal wieder, weil ein Topf nicht richtig in dem Schlitten befestigt wurde. Zur Eröffnung sind diese Prozesse aber in der Regel optimiert. Wäre dies nicht der Fall, könnte die Achterbahnfahrt der Gerichte zu einem echten Sicherheitsrisiko werden, da die Töpfe auf die Köpfe der Gäste fallen könnten. Von solch einem Vorfall ist bisher allerdings glücklicherweise noch nichts bekannt.

Ganz ohne Personal geht jedoch auch im Achterbahnrestaurant nichts. Servicekräfte begleiten die Gäste nicht nur zu einem Tisch, sie erklären auch die Technik. Da die Kunden ihre Bestellungen in einem Tablet selbstständig auswählen müssen, wird der Bestellvorgang zunächst simuliert. Wenn die finale Bestellung dann eingetippt wurde und alle Wünsche geordert wurden, bekommt die Servicekraft auf ihrem Smartphone das Signal, dass es losgehen kann. Alle Bestellungen werden dann so zubereitet, dass sie hintereinander über das Schienensystem zum Gast gelangen. So können alle Gäste am Tisch gleichzeitig ihr Essen genießen.

Die Technische Fortschritte und die daraus resultierenden Ideen ermöglichen also ganz neue Erlebnisse in der Gastronomie. Das Rollercoaster-Restaurant erlang bereits weltweite Aufmerksamkeit. Wenn das erste Drohnen Café dauerhaft eröffnet, ist es gut möglich, dass auch dieses nicht einzigartig bleiben wird und viele weitere Cafés folgen.

 

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