Generation Beziehungsunfähig: Michael Nasts Zustandsbeschreibung

Generation Beziehungsunfähig; Foto; Melina Seiler

Michael Nast stand mit seinem Buch auf Platz eins der Spiegel-Bestseller-Liste. Foto: Melina Seiler

Der Berliner Autor Michael Nast veröffentlichte im April 2015 auf einem Onlineblog einen Text mit dem Titel „Generation Beziehungsunfähig“. Die Welt berichtete, dass es nur wenige Stunden dauerte und der Server aufgrund vieler Aufrufe zusammenbrach. Nach nur einer Woche sei der Text eine Million Mal gelesen worden. Ein Jahr später folgte dann das Buch mit dem gleichen Titel. Darin fängt Nast, die Probleme und Lebenssituationen der Generation Y so ein, wie sie ihm erscheinen. Er beschreibt sie sehr authentisch und persönlich. Auch wenn er, Jahrgang 1975, nicht mehr dazu gehört, fühlt er sich aber so im Herzen.

Er erzählt von Leuten, die mit dreißig noch in WGs wohnen. Seine Eltern hatten in dem Alter längst ein eigenes Haus und Kinder. Die heutige Generation ist nach Auslandsaufenthalten und Studium gerade mal ein paar Jahre im Job. Vermutlich befristet. Er schreibt davon, dass heute die wenigsten zwischen Beruf und Leben unterscheiden. Beruf sei so viel mehr, hätte den Anspruch Berufung zu sein. Und übernähme dann auch gerne mal das ganze Leben. Platz für mehr sei da nicht.

Denken in Idealzuständen

In unserem geistigen Zentrum kreisen immer wir selbst: Selbstdarstellung auf Sozialen Medien und Selbstoptimierung in allen anderen Bereichen. Nast schlussfolgert: Wenn man alle Symptome eine Beziehungsunfähigkeit auf das System anwendet, in dem wir leben, sind es alles Eigenschaften, die sich das System für eine Gesellschaft wünscht. Damit meint er Egoismus, kompromisslose Selbstverwirklichung, das Denken in Idealzuständen, das Streben nach Perfektion und die Unverbindlichkeit von Freundschaften und Beziehungen. So könnten Menschen für das System bestmöglich funktionieren. Das betriebswirtschaftliche Prinzip des Wachstums hat sich auf unser Leben übertragen.

Nast beschreibt eine Welt von „eigentlich“ und „was wäre, wenn“ Situationen. Er erzählt von Menschen, die unzufrieden sind im Beruf, in Beziehungen zu Menschen oder mit beidem. Der Schlüssel für diese Probleme sei immer ein Kompromiss und sich selbst ein bisschen weniger in den Fokus zu rücken. Aber er räumt auch ein, dass eine Welt, in der es Apps wie Tinder gibt und die einem somit vorgaukelt, man hätte unendlich viele Optionen, diese Erkenntnis schwer sein kann.

Beobachtungen aus seinem Umfeld

Wenn man das Buch liest, hat man das Gefühl, mit einem Kumpel ein Bier zu trinken und über das Leben zu philosophieren. Nast beschreibt viele Beobachtungen aus seinem persönlichen Umfeld, aber schließt sich selbst auch nicht aus. Im Gegenteil, er analysiert und reflektiert auch die Muster seines eigenen Lebens. Zweifelt, hinterfragt und erkennt. Auch wenn am Ende irgendwie alles klar zu sein scheint, es sich anfühlt, als hätte jemand tief in uns hineingehört und wir jetzt klarer sehen und man am liebsten sofort etwas ändern möchte, ist es doch eher so, wie nach dem gemeinsamen Abend auf ein Bier. Am Ende geht jeder ins Bett und wacht am nächsten Tag auf, wie er war.  Aber, wenn wir nach dieser Zustandsbeschreibung die Kraft ins uns selbst finden, können wir selbstbestimmt handeln und uns von einem angeblichen vorbestimmten Muster der Generation Y lösen, schließlich sind wir alle Individuen.

 

 

 

Ein Gedanke zu “Generation Beziehungsunfähig: Michael Nasts Zustandsbeschreibung

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