Bis heute haben Frauen umsonst gearbeitet

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Frauen müssen rein rechnerisch 77 Tage länger arbeiten, um das zu verdienen, was Männer bereits 31. Dezember verdient haben. Foto: D. Schneider

Frauen müssen rein rechnerisch 77 Tage länger arbeiten, um das zu verdienen, was Männer bereits 31. Dezember verdient haben. Foto: D. Schneider

Hessen Heute am Equal Pay Day haben Frauen so viel verdient wie die Männer bereits am 31. Dezember des Vorjahres. Dabei haben sie die gleiche Ausbildung oder sogar eine bessere. Vor allem in Hessen sind die Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern gravierend.

Der Equal Pay Day symbolisiert die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Dieses Jahr müssen Frauen umgerechnet bis zum 18. März arbeiten, um das zu verdienen, was ihre männlichen Kollegen bereits am Ende des Vorjahres auf dem Konto haben – 77 Tage „kostenlose“ Arbeit so gesehen.

Wie es um den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied in Hessen steht, zeigt der „Hessische Lohnatlas“, den das Sozialministerium letztes Jahr vorstellte. Demnach verdienen Frauen in einer Vollzeitstelle in Hessen durchschnittlich 14,1 Prozent weniger als ihre Kollegen. Damit geht es ihnen immerhin besser als dem westdeutschen Vergleich, wo es mit einer Differenz von 17 Prozent noch weitaus ungleicher zugeht.

Mit diesen Zahlen arbeitet die Politik aktuell

In der Studie werden die Daten von Vollzeitbeschäftigten berücksichtigt, Teilzeit oder Arbeitslose sind nicht mit dabei (was die Daten noch besorgniserregender macht). Die Datenerhebung hat zwei Jahre gedauert, weshalb sie aus dem Jahr 2015 stammen. Dennoch seien sie aber „nicht veraltet“, wie Ralf Fischer, Pressesprecher der Bundesagentur für Arbeit Limburg-Wetzlar, sagt: „Das sind die Zahlen, mit denen die Politik aktuell arbeitet. Da ändert sich auch so schnell nicht viel und wenn sich etwas verändert, geschieht das flächendeckend. Dann verdienen Männer mehr und Frauen auch.“

Nach Fischer ist das spätere Lohnungleichgewicht schon an den Berufswünschen und der Studienwahl der hessischen Jungen und Mädchen abzusehen: „59 Prozent der Mädchen haben sich 2017 bei der Berufswahl für die zehn beliebtesten von 400 möglichen Ausbildungsberufen entschieden. Darunter befinden sich viele Berufe, die keine oder nur sehr eingeschränkte Aufstiegschancen bieten wie beispielsweise medizinische oder zahnmedizinische Fachangestellte oder Berufe mit mit überschaubaren Einkünften.“

Männer nutzen die Berufspalette besser

Jungs hingegen würden die Berufspalette deutlich besser nutzen und belegen überwiegend technische Studiengänge mit besseren Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten. Frauen würden sich eher bei Geisteswissenschaftlern und Lehrberufen wiederfinden.

In den meisten ländlichen Gegenden in Hessen, wie auch in ganz Deutschland, lassen sich Lohnlücken von bis zu 30 Prozent finden – zum Nachteil der Frauen. Auch dafür hat Fischer eine Erklärung: Da Hessen zu einer hoch-industrialisierten Region Deutschlands gehörte, seien hier viele Männer in technischen Berufen in Hochlohnbereichen unterwegs. Die meisten Frauen arbeiten hingegen im Handel und in den sozialen sowie Gesundheitsberufen. So komme das hohe Lohngefälle zustande.

Die althergebrachte Rollenverteilung ist Mitschuld

„Außerdem sind es überwiegend Frauen, die sich längere Auszeiten nehmen – für Kinder oder die Pflege der Eltern. Das hemmt die Aufstiegschancen, hält die Erwerbszeiten niedrig und führt zu geringerem Lohn“, erklärt der Fachmann.

Wetzlars Gleichstellungsbeauftragte Susanne Redecker hofft, dass auch die Wirtschaft ihre Strukturen überdenkt: „Gerade da wir einen Fachkräftemangel haben, dürfen wir nicht geschlechterspezifisch bezahlen, sondern nach Know-how und Können.“

Im öffentlichen Dienst regelt das Hessische Gleichberechtigungsgesetz die Bezahlung, den Aufstieg, die Arbeitszeit, sowie die Frauen- und Männeranteil. Redecker möchte nicht nur Frauen fördern, sondern auch Männer, so etwa im Erziehungsbereich. „Erst, wenn es eine adäquate Aufteilung gibt, kann es dazu führen, dass der Berufszweig aufgewertet wird.“

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