„Nicht verzagen, Oma fragen“

Oma mit Handy

Menschen im Alter ab 65 Jahren nutzen in Deutschland zunehmend das Internet. Foto: Pixabay

Auch Omas können mit dem Computer umgehen! Diese Oma entdeckt die wahre Vielseitigkeit der Computernutzung und ihre praktische Anwendung. Und gibt ihrer Enkelin schon bald wertvolle Internet-Tipps.

„HSE 24 Home Shopping ist sogar nach Sendeschluss erreichbar, man kann Karten alleine spielen und der Bildschirm hat eine Uhr, wird aber dennoch nie die Armbanduhr ersetzen.“ Das sind Erkenntnisse, die meine Oma kurz nach ihrem ersten Computerkurs gewonnen hat.

Sie ist eine sehr moderne Frau. Neugierig, immer auf Trab und besitzt ihren eigenen Computer mit WLAN-Zugang und Drucker, direkt daneben steht das Telefon. In manchen Punkten der Computernutzung steht sie uns, Digital Natives, in nichts nach, ist gar effizienter in ihrer Nutzung, behaupte ich.

Die Folgen des Online Preisvergleichs

So sind für Oma Spontaneinkäufe schön längst out. Und somit für mich auch. Sie vergleicht Preise nun online. Die Butter bei Aldi Süd ist günstiger als bei Kaufland, die Tagesangebote bei QVC rentabler als bei HSE24 und die Bestellung ist kostenlos. Passt es nicht, sendet man es einfach zurück. Ein Anlass, mich regelmäßig trotz verschiedener Kleidergeschmäcker neu einzukleiden. Und das ist alles rund um die Uhr möglich!

Weder Dragn’Drop noch Copy und Paste verunsichern Oma. „Das ist doch wie Rezepte sammeln: ausschneiden und einkleben, nur ohne Tesa.“ Sie besitzt auch ein eigenes E-Mail-Account und ändert regelmäßig zum Schutz ihre Zugangsdaten. Geht das Passwort mal verloren, kein Problem, jeder kennt es.

Ihre Lieblingsbeschäftigungen am Computer sind, bunte Urlaubsbilder zu drucken, die Onlinewelt zu durchstöbern und Mails zu versenden. Außerdem ist und bleibt sie ungeschlagen im Solitär-Spiel, seitdem sie herausgefunden hat, wie man seinen Zug rückgängig machen kann ohne die Spielebilanz zu verschlechtern. Ihr Rekord: 318 gewonnene von 318 gespielten Spielen.

Grußkarten bekomme ich wie immer viele von Oma, aber nicht mehr nur aus dem Urlaub, sondern inzwischen wöchentlich, seitdem sie hat den elektronischen Brief entdeckt hat. Nun weiß ich täglich wie es ihr geht, was die Nachbarn so treiben und wie schnell die Blumen in ihrem Garten wachsen, was dennoch meinem Telefon keine Auszeit gönnt.

Google Earth: die Überwachung der Nachbarn

Bleibt nur die Frage, wie Oma ihr Interesse an den Nachbarn befriedigt: Beobachtet sie diese traditionell vom Fenster oder der Terrasse aus, auf der man im Liegestuhl liegend eine klare Sichtlinie über den Teich und das Blumenbeet auf die umliegenden Häuser hat, oder doch lieber über Google Earth?

Sofort hat sie den eigentlichen Sinn dieses praktischen Instrumentariums erkannt, Google Earth dient zur Überwachung der Nachbarn. „Damit sieht man sogar die Nachbarn hinter der Hecke. Siehste, der Willi hat umgebaut. Ich hör doch‘n Bagger jeden Morgen um sechs.“

Bilderordner für Urlaube sind eine praktische Sache und man kann die Haushaltsführung auf Word dokumentieren, nur leider keine Rechnungsbelege beilegen, weshalb sie diese gesondert abheftet. Da haben die Microsoftentwickler noch etwas Innovationsbedarf.

Praktische Alltagskniffe

Doch bleiben die Omas auch sonst ungeschlagen. Sie bringen Ruhe und Gelassenheit in unseren wirren Alltag, indem sie die einfachsten Dinge praktisch zu lösen wissen. Fernab von allen technischen Computerkenntnissen beherrschen sie die Technik des Ideenreichtums. Das Enkelchen will den Abend zum Essen ausgehen, schön elegant mit einer schwarzen engen Hose und einem cremefarbenen Blazer. Doch siehe da, die Hose hat einen roten Farbkleks! Totaler Farb-Fauxpas. Die Panik lässt nicht lange auf sich warten, sie ist mal wieder kurz vor knapp und hat nur eine schwarze Hose im Schrank, nun ruft Oma auch wieder an. Die Rettung.

Mit ihrem Tipp den Farbfleck einfach mit einem schwarzen Stift zu übermalen, löst sie das Problem und rettet den Abend. So schnell hätte auch kein Home- oder Onlineshopping eine neue Hose liefern können.

„Nicht verzagen, Oma fragen“

In solchen Situationen sollte man nicht verzagen und Oma fragen, wie Oma selbst zu sagen pflegt. Ein fehlender Ohrstecker kann zum Beispiel durch ein Stück Radiergummi ersetzt werden oder du hast einen Fleck an der Wand? Häng ein Bild drüber. (Warnung: Sieht nur nach geraumer Zeit aus wie ein missglücktes Tetrisspiel). Das spielt Oma übrigens auch seit neuestem auf dem Computer.

Wie schon erwähnt, ist meine Oma sehr neugierig. Sie entdeckt gerne neue Internetseiten durch Doppelklick und ruft an, um von ihrem Fund zu berichten. Oder dann, wenn der Computer „kaputt“ ist, als nach 10 Minuten Postbotengespräch der Bildschirmschoner schwarz aufleuchtete.

Doch möchte ich meine Oma mal anrufen, geht dies ausdrücklich nicht nach dem Abendessen: Sie ist beschäftigt, schaut die Tagesschau des Vortages online nach. Die Online Mediatheken hat sie zu Beginn des Jahres entdeckt. Mit freudiger Überraschung öffnet sie ihr erstes Tagesschau Video vom 16.12.2015, einem längst vergangenen Tag, und schaut uns mit großen Augen an: „Das können die alles speichern?“

Du hast einen Rewe-Kaufpark direkt um die Ecke

Obwohl ich wegen des Studiums umgezogen bin, ist Oma dennoch vollkommen informiert. „Verhungern tust Du mir nicht, du hast einen Rewe Kaufpark direkt um die Ecke, sind auch nur 6 Minuten zu Fuß, sagt Google Maps. Ach, und ´ne schöne Straße, in der du wohnst.“

Seitdem ich nicht mehr so oft zu Hause bin, kann ich leider nicht mehr alle anfallenden Computer- und Internetfragen beantworten, aber Oma weiß sich auch so zu helfen. Beim letzten Telefonat heute Morgen erklärte sie mir stolz: „Strg++ vergrößert das Bild, sodass ich auch ohne Brille lesen kann. Und: „Ach so, deine Schuhe sind da. Ich habe dir schicke Schuhe von QVC bestellt. Waren im Tagesangebot.“ Da sie meine genaue Schuhgröße nicht kannte, erwarten mich nun drei Paar schwarze Stiefeletten zu Hause. Typisch Oma.

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