Alles unverbindlich: eine Verabredung ist keine Verabredung, wenn man sie absagen kann

Ein Kommentar.

Alles unverbindlich; Foto; Pixabay

Das Smartphone hat unsere Sicht auf Verabredungen verändert. Foto: Pixabay

In der heutigen digitalen Zeit gibt es viele Technologien, die unser alltägliches Leben erleichtern. Eine dieser Technologien ist ohne Frage das Smartphone. Und schon bevor es das Smartphone gab, haben normale „Handys“ unsere Kommunikation enorm erleichtert.

Allerdings hat das Handy unser Verständnis von Verabredungen und Terminen stark verändert. Verabredungen sind grundsätzlich nicht mehr verbindlich, weil man viel schneller miteinander kommunizieren kann. Man kann sie einen Tag oder auch eine Stunde vorher absagen. Und wenn man sie nicht absagt, kann man zumindest fünf Minuten vorher nochmal via WhatsApp ankündigen, dass man sich verspätet. Oder: Man sagt gar nicht erst zu, sondern versteckt sich hinter einem geschriebenen „Vielleicht“.

Vereinbart war vereinbart

Wie muss ein Leben gewesen sein, in dem man Zusammenkünfte persönlich oder zumindest am Festnetztelefon vereinbarte? Wo Geburtstagsfeiern durch Einladungskarten im Briefkasten angekündigt wurden. Wo Facebook uns nicht an Geburtstage und Veranstaltungen erinnerte.

Feste Zeitpunkte und Orte standen fest. Verabredungen wurden fein säuberlich in einen Kalender geschrieben. Heute ist vieles nur spontan, wird mal „grob angedacht“, aber kann sich immer wieder ändern. Früher gab es kein „mal gucken“ oder „mal überlegen“. Vereinbart war vereinbart.

Wir verlernen Pünktlichkeit

Aber was macht das eigentlich mit uns? Ich würde sagen, wir leben im Ungewissen. Wir sind auf einen Cocktail oder fürs Kino verabredet, es kann aber immer noch ganz anders kommen. Wie aufregend! Oder enttäuschend, wenn dann die „Sorry es klappt doch nicht“-Nachricht kommt. Wir verlernen Pünktlichkeit und Verbindlichkeit und gerade das ist im Berufsleben unabdingbar. Und sind wir mal ehrlich, auch in zwischenmenschlichen Beziehungen, kann es nicht schaden. Wie fühlt es sich schließlich an, wenn jemand „vielleicht“ kommt, wenn eine Facebook Zusage wertlos ist oder der Daumen hoch in einer WhatsApp-Gruppe nichtssagend? Eine verbindliche Verabredung oder Zusage drückt auch Wertschätzung aus. Und auch wenn ein bisschen Unverbindlichkeit vielleicht nicht böse gemeint ist, fühlt sich der Gegenüber wohlmöglich vernachlässigt, wenn sie überhandnimmt.

Diese Mentalität spiegelt das „sich nicht entscheiden können“ unserer Generation wieder. Das „nicht Zusagen können“, weil ja noch etwas Besseres kommen könnte. Dass eine Entscheidung zu treffen, auch viel Stress ersparen kann, bedenken die Wenigsten. Wer sich entschieden hat, muss sich nicht bis zur letzten Minute fragen, was der optimale Zeitvertreib wäre. Wer sich entschieden hat, darf Vorfreude haben. Wer sich entschieden hat, muss nicht befürchten, dass alles ins „Wasser fällt“. Und eine Verabredung ist schließlich keine Verabredung, wenn man sie absagen kann.

 

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