Madeira Teil 2 — Osttour

Steilküste und Wellen

Starker Wellengang an der Steilküste – das zeichnet die Ostküste aus. Foto: Vera Brüssow

Madeira. Über Madeiras Hauptstadt Funchal habt ihr bereits im letzten Beitrag einiges erfahren. Doch neben der Großstadt gibt es noch viele kleine Städte, die einen Besuch Wert sind. Dabei sollten vor allem die Berge (picos) nicht vergessen werden. Eine Tour in den Osten der Insel ist mit warmer Kleidung zu empfehlen. 

Drei Busausflüge hatte ich vorab gebucht. Eine Nordtour inklusive der Korbschlittenfahrt in Monte (zu lesen in Beitrag Teil 1), eine Tour zur Ostküste und eine zur Westküste. Dass es an der Ostküste kälter sein kann, davor warnte Busfahrer Paulo auf der Nordtour: „Bitte eine Jacke mitnehmen und lange Hosen anziehen.“ Gefordert, getan. Er sollte Recht behalten. Erster Halt auf der Osttour war Camacha. Das Korbflechterdorf liegt in 700 Metern Höhe. Wir wurden mit dem Bus vor eine große Korbflechterei gefahren, die bekannt dafür ist, auch die Korbschlitten herzustellen. Sonst bietet Camacha neben zwei Kirchen nicht viel. Eine Gedenktafel auf dem Marktplatz erinnert daran, dass hier 1875 das erste Fußballspiel auf portugiesischem Boden stattfand.

Korbschlitten in Camacha

Auch die Korbschlitten werden in Camacha hergestellt. Foto: privat

Von Camacha aus ging es weiter auf den höchsten Berg der Insel, den Pico do Arieiro. Die Straßen auf Madeira sind abenteuerlich, steil und vor allem kurvig. Wer hier fährt, der darf keine Angst vor Höhe und Kurven haben, da sich die Straßen die Berge hinauf und hinab schlängeln. Je höher wir kamen, desto kälter und nebliger wurde es. Auf der Bergspitze waren es nur noch vier Grad.

„Frio“ – das ist die Ostküste

Aufgrund des Nebels gab es auch nicht viel zu sehen, doch an klaren Tagen soll „die Sicht fantastisch“ sein, wie Paulo berichtete. Er muss es wissen, er arbeitet seit Jahren als Busfahrer und fährt Touristen auf unterschiedlichen Touren über die Insel. Auf dem 1800 Meter hohen Pico do Arieiro stiegen wir trotz Nebel und Kälte aus. Paulo ergänzte: „Wenn es hier schneit, kommen ganze Busse mit Kindern, damit sie hier spielen können.“ Also ich wollte ursprünglich der Kälte Deutschlands entfliehen und fand genau diese auf dem Berg wieder. Schnee gab es zwei Tage nach meinem Besuch hoch oben übrigens wirklich, zum Glück sah ich diesen nur auf der Webcam.

Pico do Arieiro

Mit 1810 Metern der höchste Berg der Insel, der Pico do Arieiro. Foto: Vera Brüssow

Nach dem eisigen Besuch der Picos ging es weiter zum Ribeiro Frio, der Name „Frio = kalt“ war hier Programm. Nur sieben Grad zeigte das Busthermometer im Lorbeerwald. Ribeiro Frio ist für die Forellenzucht bekannt. Im frischen Gebirgswasser tummeln sich die Fische. Die Zuchtbecken wurden 1960 angelegt, jedes Jahr wachsen dort fast 10.000 Forellen heran. Um die Zuchtbecken herum ist ein wunderschöner Lorbeerwald angelegt, der zu Wanderungen einlädt und viele Pflanzen beheimatet. Über enge Straßen fuhr uns Paulo nach Santana. Seine Sprüche prägten sich nachhaltig ein. „Yuppie, Yuppie“ oder „Looki, Looki, Paparazzi-Stop“ waren dabei seine Lieblingsausdrücke. Doch auch sein „Doppel-Wow“, bei dem wir Fahrgäste also doppelt staunen mussten, bleibt unvergessen.

Forellen im Ribeiro Frio

Fast 10.000 Forellen wachsen jährlich im Ribeiro Frio. Foto: Vera Brüssow

Santana ist bekannt für seine bunten Strohhäuser. Die noch knapp einhundert erhaltenen Häuser stehen unter Denkmalschutz, da doch nicht alle Bewohner des Bauerndorfes so viel Wert auf die Erhaltung legen, hat die Gemeinde einige Häuser für die Touristen herausgeputzt.

Bunte Häuser unter Denkmalschutz

Neben Souvenirshops gibt es noch eine Touristeninformation und einen Blumenhäuser. Auch zwei Wohnhäuser können besichtigt werden. Ein sehr kleines Haus beinhaltet einen Eingangsbereich, der als Wohn- oder Schlafraum genutzt wird, eine kleine Küche und ein kleines Badezimmer. Ein Besitzer eines kleinen Hauses legte Wert darauf, dass sein Haus als das einzig wahre in Erinnerung bleibt: „Mein Haus ist Original, der Rest ist Kommerz.“ Damit hatte er nicht ganz Unrecht. Das Bauerndorf, in dem es auch eher frisch war, legt viel Wert auf Tagestouristen.

Santana

Bunte Strohdachhäuser stehen in Santana unter Denkmalschutz. Foto: Vera Brüssow

Porto da Cruz ist vor allem wegen des lokal produzierten Rums ein Begriff. Die kleine Stadt beheimatet eine Rumbrennerei, die als Touristenanziehungspunkt gilt. Die Produktionsstätte kann besichtigt werden. Im Shop gibt es Rum und Schokolade zu probieren und zu kaufen. Doch auch ein wunderschöner Strandabschnitt überzeugt, denn eine Landzunge teilt den Küstenabschnitt in zwei Teile. Die Praia da Lagoa lädt im Sommer zum Baden ein. Rechts der Felsspitze liegt ein kleiner Hafen mit wenigen Fischerbooten.

Rum in Porto da Cruz

In einer kleinen Brennerei in Porto da Cruz wird Rum hergestellt. Foto: privat

Madeira und seine Berge, davon gibt es wirklich einige auf der portugiesischen Urlaubsinsel, gerade für Wanderer sind diese sehr beliebt. Doch sie gelten auch als tolle Aussichtspunkte, wenn das Wetter mitspielt. Unsere letzten Station der Osttour sollte demnach also wieder ein Berg sein.

Mal wieder ein Berg

Der Pico do Facho liegt zwischen der ehemaligen Hauptstadt Machico und dem Fischerort Canical. Der Aussichtspunkt bietet einen weiten Blick über das Tal von Machico bis hin zum Flughafen und über die Landspitze São Lourenço. Bei Sonne pur, denn die äußere Spitze der Ostküste wird von viel Sonne heimgesucht, hatten wir eine wunderschöne Aussicht und einen sonnigen und warmen Abschluss der Osttour.

Pico de Facho

Blick vom Pico do Facho auf Machich und den Flughafen im Hintergrund. Foto: Vera Brüssow

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