Mingle-Dasein: Unverbindliche Halbzustände

Ein Kommentar.

Mingel; Foto; Pixaby

Zusammen Zeit verbringen und trotzdem nicht zusammen sein. Foto: Pixabay

Ein Phänomen, das man unserer Generation Y nachsagt, ist die Beziehungsunfähigkeit. Ob das nun wirklich so ist, ist streitbar. Aber schenkt man der Elterngeneration Glauben, dann gibt es in unserer Generation haufenweise Nicht-Beziehungen und Mingles, die es früher nicht gab.

Natürlich möchte keiner behaupten, es hätte nicht schon früher Liebeleien außerhalb einer festen Partnerschaft gegeben, aber manchmal erscheint es heutzutage, als regiere „Freundschaftplus“ die jungen Leute. Allein schon die Tatsache, dass der Begriff Mingle überhaupt aufgekommen ist. Er geht auf den Hamburger Trendforscher Peter Wippermann zurück und ist eine Wortkreation, die sich aus den englischen Begriffen „mixed“ und „Single“ zusammensetzt. Mingle bedeutet: „Freunde mit gewissen Vorzügen“. Die beteiligten Personen sind zwar offiziell single, aber verweilen miteinander in einem beziehungsähnlichen Zustand. Gerade das unterscheidet sie von ausschließlich sexuellen Arrangements. Denn die Mingles machen vieles, was auch normale Paare tun, wie sich zu unterhalten, auszugehen oder einen kuscheligen Serienabend zu verbringen.

„Ich bin noch nicht bereit“

Das Mingle-Dasein soll unverbindlich sein. Jeder soll seine Freiheit behalten und trotzdem ab und zu Zweisamkeit genießen. Wer sich jetzt in seinem Freundes- und Bekanntenkreis umschaut, wird mit Sicherheit den ein oder anderen Kandidaten finden, auf den diese Art der Beziehung zutrifft, wenn man sie nicht gar selbst erlebt hat.

In Gesprächen mit Freunden wollte ich der Sache auf den Grund gehen und herausfinden, warum sie in solchen unverbindlichen Halbzuständen verharren. Die meistgenannten Begründungen sind: „Ich bin irgendwie noch nicht bereit“, „Mir geht es gut, so wie es ist“ und „Ich möchte mich mehr auf mich selbst konzentrieren.“ Viele haben einen ausgeprägten Freiheitsdrang und wollen sich erst ausprobieren und keine Verantwortung für einen anderen Menschen übernehmen. Aber stimmt das alles so, oder warten sie alle darauf, dass ihnen noch eine bessere Möglichkeit über den Weg läuft?

Mingel 2; Foto; Pixabay

Gemeinsam lachen, quatschen und Sex haben. Foto: Pixabay

Hinzukommt, und das wiegt für mich viel schwerer als alles andere, dass junge Menschen, gerade Studenten, ein sehr unbeständiges Leben führen. Haben sie die Schule verlassen, pendeln sie nicht selten zwischen Heimatort und Studienstadt. Für Auslandsaufenthalte und Praktika müssen sie wieder an andere Orte. Diese Unbeständigkeit sorgt für immer wieder andere Lebensumstände. Da kann es schon mal komplizierter werden, eine Beziehung am Laufen zu halten.

Eine Beziehung ist kein Gefängnis

Trotzdem finde ich, dass mit ein bisschen mehr Respekt vor sich selbst und der anderen Person eine Beziehung ein Wagnis sein sollte, was es sich einzugehen lohnt. Alles andere ist feige, vor allem dann, wenn wirklich Gefühle im Spiel sind und man die andere Person gerne im eigenen Leben hat. Eine Beziehung ist kein Gefängnis und wenn zwei Menschen sich lieben, mehr Gewinn als Verlust.

Und nur mal so nebenbei, wann hat so eine Nicht-Beziehung denn mal geklappt? Auch wenn es abgedroschen klingt, einer will immer mehr. Auch wenn er das vielleicht vorher noch nicht weiß. Man kann so viel Unverbindlichkeit definieren und festlegen, wie man will. Für Gefühle lässt sich kein Vertrag abschließen. Und wenn ich dann mal wieder Freunde auf meinem Sofa sitzen habe, die mir erzählen, sie haben unfreiwillig jemanden verletzt oder wurden verletzt, sage ich wieder: „War das nicht von vorneherein klar?“ Und sie sagen, „ja, war es“ und wir alle machen es trotzdem. Mal gucken was passiert.

 

2 Gedanken zu “Mingle-Dasein: Unverbindliche Halbzustände

  1. Wunderschöne Einleitung. Nur leider am Ende doch die üblichen Parolen. Ich hätte es schön gefunden, wenn du erklärst, wieso du es als feige empfindest, keine Beziehung zu führen, obwohl man sich möglicherweise sogar liebt. Ist es nicht gerade toll, dass Menschen sich endlich mehr auf sich besinnen, sich nicht für einen anderen Menschen aufgeben (was in einer Beziehung natürlich nicht immer der Fall ist) und keine Verantwortung eingehen, wenn sie sich noch nicht bereit dazu fühlen?

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  2. Pingback: Wa(h)re Liebe: Das Wagnis der Zweisamkeit | Vierstimmig

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