Weihnachtliche Küsse unter dem Mistelzweig

Mistelzweig, von Melina Seiler

Der Mistelzweig ist eine beliebte Weihnachtsdekoration: Foto Melina Seiler

Der Brauch des Küssens unter dem Mistelzweig hat sich in vielen Teilen der Welt verbreitet. Das Wintergrün mit Bändchen zu schmücken und als Weihnachtsdekoration aufzuhängen, ist hierzulande nicht mehr wegzudenken.

Die Mistel hat die Menschen schon immer fasziniert. Über diese Pflanze gibt es viele Mythen, bei denen das Küssen zunächst noch nicht im Mittelpunkt stand. Die Kelten sprachen der Mistel Zauberkraft zu und das antike Griechenland glaubte an besondere Heilkräfte. Die Germanen waren der Ansicht, dass sie die Menschen beschütze. Sie trugen Armbänder aus Misteln oder brachten Mistelzweige über den Türen zum Schutz gegen Hexen oder Geister, Feuer oder Blitzschlag an. Außerdem versprach die Pflanze Gesundheit, Fruchtbarkeit, Mut und Glück. Noch heute gibt es Mistelpräparate in der Naturheilkunde.

Waffenstillstand in Skandinavien

Die weißbeerige Mistel gehört zur der Familie der Santalaceae und  ist ein immergrüner Halbparasit, der kugelförmig in Baumkronen wächst. Mit seinen Wurzeln entzieht er dem Wirt Nährstoffe oder Wasser, betreibt aber selbst Fotosynthese.

Der Brauch des Küssens unter dem Mistelzweig in der Weihnachtszeit, der den Paaren verspricht ein Leben lang zusammen zu sein, entwickelte sich erst später. Der Ursprung ist nicht eindeutig geklärt. Der Brauch könnte auf einen Waffenstillstand in Skandinavien zurückgeführt werden, indem aus einem Friedenskuss ein Liebeskuss wurde. Er könnte aber auch durch ein griechisches Fest zur Ehren des Gottes Saturn entstanden sein.

Mistelzweife wurden Kusskugeln genannt

Das Küssen kann ebenso auf einer Legende beruhen. Es heißt, dass die Mistel die heilige Pflanze von Frigga der Göttin der Liebe war. Der böse Gott Loki stellte aus dem Zweig der Mistel eine Pfeilspitze her und übergab sie Hoder, dem blinden Wintergott. Dieser tötete damit Friggas Sohn Balder. Die Mutter konnte ihn wieder zum Leben erwecken, indem sie Tränen vergoss, die sich in die weißen Beeren der Mistel verwandelten. Aus Freunde küsste Frigga jeden Menschen, der unter einem Mistelzweig vorbeiging. Die Legende besagt, dass Menschen, die unter einem Mistelzweig stehen kein Schaden zugefügt wird, denn sie werden als Zeichen der Liebe geküsst.

In England wurden die Beeren des Mistelzweigs im 18. Jahrhundert  „Kusskugeln“ genannt. Eine junge Frau, die in der Weihnachtszeit unter einem solchen Zweig stand, durfte einen Kuss nicht ablehnen. Der Kuss konnte für Liebe, Freundschaft oder Wohlwollen stehen. Damit sich die Küssenden heiraten können, wurde in England  der Mistelzweig in der zwölften Nacht nach dem Kuss verbrannt. In Kannada verspricht der Kuss unter dem Mistelzweig zusätzlich Glück und ein langes Leben. In Frankreich findet der Brauch erst am Neujahrstag Anwendung.

Bei uns wird die Mistel seit dem 19. Jahrhundert als Weihnachtsschmuck genutzt und ist als Türdekoration sehr beliebt. Das Sammeln bedarf allerdings einer Genehmigung, weil die Pflanze unter Naturschutz steht.

 

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