Auszug aus dem Leben eines Tollpatsches Teil 1

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Lieber kopflos durchs Leben, als ohne Kopf. Foto: Pixabay

Ich war kaum zwölf Jahre alt würde ich nun gerne schreiben, dabei war es erst vorgestern und würde auch nicht rechtfertigen, was mir passiert ist…

Und zwölf ist so eine schöne Zahl mit einem kleinen Zahlendreher kommen wir auf mein wirkliches Alter. Ja, es stimmt. Damit es keine Missverständnisse gibt: Ich bin 21 Jahre jung. Und naja, auch mit 21 kann ich froh sein, dass mein Kopf angewachsen ist. Wer weiß, wo ich den schon überall vergessen oder liegen gelassen hätte. Rein biologisch betrachtet ist es natürlich auch gut, dass er angewachsen ist. Wir leben ja nicht in der Welt des Fast Kopflosen Nick und der „Jagd der Kopflosen“. Doch nun zu dem, was mir wiederfahren ist.

Es trug sich wie folgt zu:

Nichtsahnend fuhr ich mit dem Zug von Frankfurt nach Hause. Wie jeden anderen Tag während meines Praktikums auch. Es braucht gute zwei Stunden von der Redaktionstür bis zur Türschwelle meines Elternhauses. Ich habe den Tag früh begonnen und schwelgte bereits in Feierabendstimmung, also demensprechend müde und froh, dass ich den Zug eine Stunde früher nach Hause nehmen konnte als sonst. Da erreichte mich die verheißungsvolle WhatsApp-Nachricht meiner Mutter: Heute Abend Grillen bei Oma und Opa. In Ordnung. Das kam überraschend für mich und für meine Eltern anscheinend auch. Ich wäre planmäßig um 18 Uhr zu Hause gewesen und wollte mich dann noch kurz frisch machen, bevor ich zu meinen Großeltern um den Block ging. Ich war den Tag über für eine Reportage in einer Abfallentsorgungsanlage für Biomüll und roch unangenehm. Doch soweit durfte es nicht kommen. Die Deutsche Bahn hat nämlich den Zugfahrplan nicht im Griff. Ich trudelte erst um sieben, eine Stunde später, im heimischen Bahnhof ein.

Jeder muss eine Stärke haben, meine ist die Tollpatschigkeit

Also lief ich ohne Umwege direkt zu meinen Großeltern, da das Grillen nun ja schon im vollen Gange war. Laut der neusten WhatsApp-Mitteilung gab es jede Minute Essen. Ich könnte also noch pünktlich sein. Durch die Verspätung sogar nahezu perfekt, genau als das Essen auf den Tisch kam. Das Gegrillte war auf den Punkt genau durch, die Salate gemischt und das Baguette stand schon auf dem Tisch. Alle hatten Hunger. Wir tranken, speisten und lachten. Bei meiner Ankunft steckte mir mein Vater noch schnell, dass meine Großeltern heute Hochzeitstag hatten. Ah, das könnte die Erklärung für das spontane gemeinsame Grillen sein. Obwohl, das hatten sie die vorigen Jahre noch nie gemacht, irgendwie groß gefeiert oder dergleichen. Handelte es sich etwas um einen runden Jahrestag? Das Wetter hätte auch nicht Anlass zur Freude sein können, es regnete schon den ganzen Tag. Nichtsdestotrotz gratulierte ich ihnen.

Erst nachdem alle Teller leer geputzt waren und der Kuchen aufgetischt wurde, fiel es mir wieder wie Schuppen von den Augen, wie man so schön sagt. „Frank, du hast heute Geburtstag, oder?“ Es war wahrlich ein gedanklicher Vorhang, der sich lichtete.

Mein Onkel wurde 50! Dabei habe ich mir die letzten Tage so sehr den Kopf nach einem passenden Geschenk zerbrochen. Er wollte nicht unter der Woche feiern und hat die Verwandtschaft auf den Samstag eingeladen. Zumindest war ich die Erheiterung des Abends, auch für das Geburtstagskind. Das war das wohl bessere Geburtstagsgeschenk, welches ich natürlich auch nicht dabeihatte.

Erwähnte ich bereits, wie froh ich bin, dass mein Kopf angewachsen ist?

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