Self-Publishing – „Mal eben ein Buch veröffentlichen“

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Als ich Mitte Juli bei meinem Praktikum beim Hamburger Abendblatt die Zeitung aufschlug, sah ich einen Bericht über zwei 17-jährige Jungen, die bereits ein Start-up-Unternehmen gegründet hatten und Bücher via Self-Publishing veröffentlichten. Da dachte ich mir: Das kann ich auch. Zumindest das mit dem Buch, schließlich schwinge ich seit der Grundschule den Stift und sämtliche Texte habe ich bereits verfasst. Was so einfach klang, war allerdings sehr aufwendig. Der Weg bis zum veröffentlichten Buch brauchte zwölf Schritte.

  1. Self-Publishing-Anbieter auswählen

Zunächst einmal informierte ich mich im Internet über verschiedene Self-Publishing-Anbieter. Die drei wohl bekanntesten sind Epubli, BoD (Books on Demand) und Amazon Kindle Direct Publishing. Sie alle funktionieren nach dem Prinzip „Druck On Demand“. Das bedeutet, dass es keine Auflage des Buchs gibt, sondern, dass es jedes Mal, wenn es jemand bestellt, einzeln gedruckt wird. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, das eigene Buch als eBook zu veröffentlichen.  Wie ich im Laufe meiner Recherchen erfuhr, empfiehlt es sich immer, sein Buch gedruckt und digital zu veröffentlichen, da man so eine größere Zielgruppe abdeckt. Ich musste mich also zum ersten Mal in meinem Leben mit dem eBook auseinandersetzen. Aber dazu mehr in Schritt elf. Das Ergebnis meiner Recherchen ergab, dass sich alle drei Self-Publishing-Anbieter nur in kleinen Details unterscheiden.

  1. ePubli verstehen

Ich entschied mich für ePubli und als nächstes musste ich den Verlag erstmal verstehen. Das ist zum Glück sehr leicht. Die Benutzeroberfläche ist sehr verständlich gestaltet. Nach der Anmeldung mit der E-Mailadresse kann man quasi direkt sein Buch veröffentlichen, man braucht dazu nur eine PDF-Datei. Aber so weit war ich natürlich noch lange nicht.

  1. Titel und innere Struktur

In meinem Fall hatte ich bereits fertige Prosatexte von denen ich auch einige schon auf meiner Facebook-Seite veröffentlicht hatte. Was fehlte, war ein Konzept, eine innere Struktur, die diese einzelnen Texte in einen gemeinsamen Kontext setzt. Deshalb habe ich mir überlegt wie ich sie inhaltlich in Kategorien ordnen kann. Relativ schnell kam ich dann auf „verliebt, verwirrt, verrucht, verzweifelt“ und begann die einzelnen Texte einzuordnen. Allerdings blieben einige Texte über, die nirgendwo so recht reinpassten und ich realisierte, dass sie eher von Erkenntnissen handelten und fügte die fünfte Kategorie „verstanden“ hinzu. Wesentlich komplizierter fand ich die Suche nach einem passenden Buchtitel. Einen ganzen Tag lang saß ich auf dem Sofa und schrieb haufenweise Wortkombinationen auf und verwarf sie wieder. Immer wieder dachte ich mir „zu unpräzise, zu langweilig, zu unverständlich, zu allgemein oder zu banal“. Bis ich irgendwann die Eingebung bekam. Einfach so. „Kopf. Stein. Pflaster.“ Drei Worte, die inhaltlich so gut passen. Der Kopf, weil meine Texte von meinen Gedanken handeln, Stein, für Schwere und Komplikationen – Steine, die sich in den Weg legen – und Pflaster für Heilung. Und vereint ist es das Kopfsteinpflaster.

Nach ein paar Stunden Arbeit hatte ich dann bei Word das Manuskript erstellt. Zum Glück gab es für die richtigen Einstellungen bei ePubli eine Formatvorlage. Trotzdem musste ich mir über gleichmäßige Abstände oder Absätze Gedanken machen. Wo machen sie Sinn und wo nicht? Wesentlich aufwendiger als das ist allerdings das Korrektorat oder sogar das Lektorat. Ich bin ganz ehrlich, eigentlich empfiehlt es sich das von einem Profi durchführen zu lassen. Ich als Studentin kann mir das aber leider nicht leisten, deswegen habe ich mich anders beholfen. Berufsbedingt habe ich zum Glück einige Freunde und Bekannte, die gut mit Worten umgehen können. Orthografie und Interpunktion sind für sie keine Fremdworte. Deswegen haben ein paar Journalisten und ehemalige Deutschlehrer von mir dabei geholfen, die Texte von Fehlern zu befreien. Diese Phase hat sich tatsächlich über viele Wochen hinweggezogen, da jeder Korrektor Zeit und Ruhe brauchte, um das ganze Buch zu lesen.

  1. Cover

Cover

Währenddessen habe ich mich mit einer anderen sehr wichtigen Sache auseinandergesetzt: dem Buchover. Man sagt zwar „Never judge a book by its cover”, aber dennoch ist es genau das, was oft passiert. Das Auge liest mit. Deswegen ist es mir auch sehr schwer gefallen, etwas Passendes zu finden. Letztendlich entschied ich mich dafür, die Graffitiwand zu nehmen, vor der ich mich für Autorenfotos hatte fotografieren lassen. Das schräge Design ist an die Gestaltung meiner Homepage angepasst.

  1. Autorenfotos

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Auch hier habe ich gespart und mir von einem Kumpel helfen lassen, der Hobbyfotograf ist. Wir haben einen Sonntag genutzt und an sehr verschiedenen Locations in Hamburg Fotos gemacht. Am besten gefallen hat uns dann eine Graffitiwand.

  1. Homepage

Auch hier steckt zunächst einiges an Recherchearbeit dahinter, einen passenden Webhosting-Anbieter zu finden. Zum Glück konnte ich bei der endgültigen Entscheidung auf die Erfahrung eines guten Freundes zurückgreifen, der mir auch bei der Einrichtung geholfen hat. Sobald WordPress heruntergeladen war, konnte ich mich dort selbst bei der Gestaltung austoben. Zusammen mit dem schrägen Homepage-Design und dem Autorenfoto, ist dann die endgültige Entscheidung für das Buchcover und dadurch auch für die Visitenkarten entstanden.

  1. Impressum

Die rechtliche Auseinandersetzung mit dem Thema Impressum hatte es auch in sich. Die Informationen dazu, wie ein Impressum auf einer Homepage und im Buch auszusehen hat, waren zwar schnell beschafft, allerdings gab es dabei ein wesentliches Problem. Man muss die Adresse, unter der man gemeldet ist, angeben. Diese ist in meinem Fall aktuell noch im Haus meiner Eltern. Deren Adresse möchte ich aber nicht öffentlich machen. Also musste ich mich um eine alternative Möglichkeit bemühen, die legal ist. Es war fast unmöglich, dazu online verlässlich Antworten zu finden, deswegen suchte ich Hilfe bei einem Anwalt – meinem Medienrechtsprofessor. Glücklicherweise fanden wir eine Lösung.

  1. Zeichnungen

An irgendeinem Punkt des Arbeitsprozesses dachte ich mir, dass es mir gut gefallen würde, wenn mein Texte mit Zeichnungen unterstrichen werden. Zusammen mit meiner besten Freundin überlegte ich mir Motive, die gut passen würden. Sie hat diese dann mit ihrem Zeichentalent umgesetzt. Anschließend mussten die Bilder allerdings erstmal digitalisiert werden und der Hintergrund transparent gemacht werden. Wieder war ich auf Hilfe angewiesen, dieses Mal auf Photoshop-Kenntnisse meiner Freunde.

  1. Probeexemplare

Bis hin zum finalen Buchexemplar bestellte ich mir auch mehrere Probeexemplare. Ich musste mich zwischen glänzendem oder mattem Cover entscheiden und zwischen weißem oder crem-weißem Papier. Gedruckt sieht alles nochmal anderes aus. Absätze wurden neu gesetzt oder die Zeichnungen in neue Positionen geschoben. Jeder Self Publisher sollte damit rechnen, dass er ein paar Probeexemplare bestellen muss, bevor die finale Version feststeht.

  1. eBook

An dieser Stelle muss ich mich als altmodisch outen. Ich besitze keinen eReader und habe mich damit auch noch nie in meinem Leben beschäftigt. Deswegen war es mir auch neu, dass eBooks im sogenannten ePub Format sein müssen (außer bei Amazon). Ich wusste nicht, dass es dort keine voreingestellten Seiten mehr gibt und dass man nicht beeinflussen kann, wie groß jemand den Text liest und wo sich dann Absätze bilden. An der Erstellung der ePub-Datei wäre ich tatsächlich verzweifelt und es brauchte eine ganze Woche intensive Beschäftigung, bis es mir gelang.

  1. Self-Publishing Guide – Marketing

Mehr als drei Monate sind vergangen, seit ich beim Hamburger Abendblatt die Zeitung aufschlug und beschloss ein Buch zu veröffentlichen. Mehr als drei Monate brauchte ich für Schritt 1 bis 12 (schließlich arbeite ich auch die ganze Zeit und erledigte es abends und am Wochenende in meiner Freizeit). Ende Oktober konnte ich mein Buch dann endlich veröffentlichen und es auf meinen Social-Media-Kanälen bekannt geben. Aber das ist nur der Anfang eines neuen Prozesses, der ebenso lang werden wird, wie dieser. Denn was jetzt ansteht, ist das Marketing. Die Grundsteine sind gelegt. Jetzt muss ich Kontakt zu Journalisten, Buchläden und Büchereien suchen. Ich muss Buchblogger anschreiben, Foren suchen und eine konstante Social Media Präsenz zeigen. Ich muss meine Leser auffordern, Rezensionen zu schreiben und vielleicht sogar irgendwann eine Lesung halten. An dieser Stelle ist der Self-Publishing Guide von ePubli auch sehr hilfreich und gibt viele Tipps für die Umsetzung. Er unterstützt Autoren bei jeglichen Arbeitsschritten.

 

Ein Gedanke zu “Self-Publishing – „Mal eben ein Buch veröffentlichen“

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