Influencer: So viel Arbeit steckt wirklich dahinter

Ein Interview.

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Die zehn Monate alte französische Bulldogge Anabell genießt viel Aufmerksamkeit. Foto: Privat

Schnauze voraus, kurz gefolgt von zwei dunkelbraunen Kulleraugen. Eine kleine schwarze französische Bulldogge — alleine, spielend mit anderen Hunden, sitzend, liegend, schlafend— nimmt das Instagram-Profil Frenchianabell ein.  Belohnt werden die Bilder mit bisher über 4.500 Followern und Werbegeschenken für Frauchen und Hund. ‚Einfaches Geschäft‘ könnte man denken. Vierstimmig sprach mit Caro, der Besitzerin von Anabell und angehenden Influencerin, über Strategie, Zeit und Aufwand, die hinter einem jeden Influencer-Profil stecken.

*Die Ansprache ‚wir‘ beinhaltet Besitzerin Carolin und Hund Anabell als Team.

Vierstimmig: Wie wird man Influencer?

Caro: Um Influencer zu werden, erstellt man sich einen Instagram-Account, steckt viel Zeit und Arbeit rein. Lädt viele Bilder hoch, verlinkt andere auf die Bilder oder in die Kommentare, sodass sie auf dich aufmerksam werden. Dabei musst man sich auch die richtigen Hashtags aussuchen, wie zum Beispiel den #l4l (likeforlike), damit du überhaupt erst einmal Follower generierst. Je häufiger man den gleichen Hashtag benutzt, desto höher wird man auch in der Suchfunktion für ihn gelistet. Benutzt man jedoch zu allgemeine Hashtags wie #hund, wirst du lediglich von einer Deutschsprachigen Community gefunden und nicht zwangsläufig ganz oben erscheinen.

Also eigentlich wirst du es, indem du eine große Anzahl Follower generierst, egal wie.

Wie hat es bei dir angefangen?

Eigentlich war es eine Schnapsidee. Ich wollte Instagram als ein Tagebuch für Anabell nutzen, damit ich Bilder habe, die ich mir immer wieder anschauen kann. Doch nachdem wir ein paar Likes bekommen haben und ich gesehen habe, dass andere sich dafür interessieren, hat das Ganze Fahrt aufgenommen. Irgendwann wird man süchtig danach.

Am Anfang, im April, haben wir* noch Storytelling betrieben. Wenn wir wohin gefahren sind und beispielweise in Hannover angekommen sind, haben wir die Städte verlinkt. Durch populäre Hashtags erreicht man mehr Leute. Und wir haben stundenlang nach speziellen Hashtags gesucht wie #bulldog und haben Leute mit ähnlichen Interessen gesucht, dabei wurden wir teilweise von Instagram für eine halbe Stunde gesperrt. Die dachten wohl wir wären ein Bot. Nach drei Wochen hatten wir circa 8.000 Leute, denen wir gefolgt sind und nur 1.000 Follower.

Woher weißt du, welche Methode am besten funktioniert, um die Reichweite zu erhöhen?

Wir probieren es einfach aus und experimentieren etwas. Als beispielsweise Real Madrid gegen Atletico Madrid gespielt hat, haben wir ein relativ schlecht gemachtes Foto hochgeladen. Doch es hat geklappt, durch die neuen Hashtags erreicht man auch andere Zielgruppen als ausschließlich Hundeliebhaber.

Wie viel Arbeit steckt dahinter?

Du musst folgen, entfolgen, kommentieren und nach Influencern suchen. Wenn etwas viele Likes hat, schaue ich mir an, wer das geliked hat, und wie viele Follower die haben. Dabei suchen wir nach Influencer-Accounts ab 80.000 Followern, schreiben sie auch an und schicken ihnen Bilder. Insgesamt haben wir bestimmt über 340 Stunden in einem halben Jahr darein investiert.

Wie viele antworten euch dabei?

Schwer zu sagen, so 1 von 40. Das kann schon frustrierend sein. Aber ich mache weiter, weil die Bilder von Anabell so schön sind.

Wie erhöht ihr eure Followerzahl?

Wir suchen Influencer mit großer Reichweite, von denen wir gefeatured werden können wie beispielweise Frenchies1. Das Profil hat 5 Millionen Follower und bietet in der Profilbeschreibung an, dass man den Hashtag #frenchies1 unter sein Bild schreiben soll. Dann kann es auch passieren, dass sie dein Bild in ihrem Profil hochladen und dich verlinken. Damit wird ihr Hashtag gefördert und Leuten, denen das Bild gefällt, klicken eventuell auf dein Profil und folgen dir auch. Wir haben auch einmal ein Gewinnspiel gemacht, in dem wir Leckerlis und eine Hundeleine verschenkt haben. Dazu musste man nur das Bild liken und teilen und kommentieren, wie das nächste Foto aussehen sollte. Das hat unsere Followerzahlen auch stark angehoben.

Dann gibt es auch Apps wie FollowerPlus, die hatten wir bisher immer genutzt. Damit kannst du beobachten, wie viele Follower du hast, seit wann und wer dir nicht mehr folgt. Diesen Profilen kannst du dann auch entfolgen.

Ihr entfolgt dann manchen Profilen auch wieder?

Ja. An sich versuchen wir die Zahl der Profile, denen wir folgen, herunterzuschrauben. Denn es ist wichtig, die Relation von Beiträgen und die Anzahl deiner Follower mit denen, die du folgst, im Auge zu behalten. Folgst du genauso vielen, wie dir folgen, dann ist es nur nach dem Prinzip „follow for follow“. Das ist eher eine Gefälligkeit als Interesse und keine wirkliche Reichweite. Dann bist du auch für Unternehmen uninteressant.

Und die Unternehmen schreiben euch dann einfach an?

Ja, entweder du schreibst jemanden an, von dem du gesponsert werden willst oder andersherum. Die meisten Unternehmen schicken dir jedoch eine Anfrage und bitten dich, einen Rabattcode zu teilen. Den kann man in einen Beitrag oder die Insta-Story packen. Je nachdem wie viele das Produkt und dem Code bestellen, den du bewirbst, bekommst du Geld oder Prozente oder etwas Kostenloses.

Wann gab es bei euch die ersten Werbeanfragen?

Bei uns ging es ab 3 .500 Follower los. Da schrieb uns jemand an und wollte Annabell ein Leckerli-Packet schicken. Inzwischen lehne ich die Futterangebote ab, das ist zu viel Futter, als dass der kleine Hund alles fressen könnte.

Habt ihr einen aktuellen Kooperationspartner?

Unser jetziger Kooperationspartner ist Adidas. Ende Juni hatten wir ein Bild gepostet, auf dem meine Adidas Schuhe mit entsprechendem Hastag zu sehen sind, da kommentierte ein Adidas-Profil das Bild. Ich durfte mir zwei Paar Schuhe aussuchen. Die darf ich behalten als Entlohnung dafür, dass Adidas die Bilder mit den Schuhen beliebig nutzen darf.

Was sind eure Ziele?

Wir wollen bis Ende des Jahres 10.000 Follower haben.

Wie wollt ihr das schaffen?

Ich treffe mich bald mit einem B-Promi , sie hat auch eine junge französische Bulldogge. Wir wollen zusammen Bilder machen, um gemeinsam unsere Followerzahl steigern zu können. Ansonsten brauchen wir vor allem viel Zeit und müssen uns etwas einfallen lassen.

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