Selamat Detang–Willkommen in Indonesien

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Ein Erfahrungsbericht.

Indonesien. Wenn vier Autos und zwei Rollerfahrer auf eine Dreierspur passen, die erste Frage von Fremden deinem Freund gilt und du dein Liebling zärtlich „Leber“ nennst, dann bist du in Indonesien – oder zumindest auf einer der 17.508 Inseln, die dazu gehören. Ich war für vier Wochen auf fünf dieser Inseln: Lombok, Bali und den drei Gilis zwischendrin. Lest hier, wie ich Indonesien erlebte.

Vielen Menschen scheint Bali ein Begriff zu sein, da die Insel als Urlaubsort gehypt wird. Jeder kennt die Bilder aus den wunderschön angelegten Reiseterrassen und die tausenden Urlaubsbilder auf Instagram, auf denen braungebrannte Mädchen im Bikini mit wehenden Haaren sich auf der Bali-Swing ins tropische Grün schwingen. Dabei wissen nur die wenigstens, wo Bali überhaupt liegt.

„Ich dachte, Bali wäre ein eigenständiges Land“, erzählte mir eine Freundin nach meinem Urlaub, als ich erwähnte, dass es zu Indonesien gehört. Und wo liegt das denn gleich nochmal?

Indonesien

Die Lage Balis in Indonesien. Foto: Google Maps

Hier die Auflösung: Indonesien ist ein Inselstaat in Asien zwischen dem Indischen Ozean und dem Pazifik, nahe bei Malaysia und nördlich von Australien.

Wie schon gesagt, besteht er aus über 17. 500 Inseln, wobei viele nur so genannte Gilis sind, das Indonesisch ist und für nichts anderes steht als „kleine Inseln“. Sie sind meistens nur so groß, dass du sie in wenigen Stunden zu Fuss umrunden kannst. Am bekanntesten sind die drei kleinen Inselparadise, Gili Meno, Gili Air und Gili Trawangan, die wie eine Brücke zwischen Bali und seiner Nachbarinsel Lombok liegen. Gleichzeitig war da auch meine Reiseroute.

Sumatra ist die größte und Java die dicht bevölkertste Insel mit der indonesischen Hauptstadt Jakarta.

Bali

Ich bin so betrachtet von rechts nach links gereist — von Lombok über die kleinen Inseln Gili Air, Gili Meno und Gili Trewangan nach Bali.

Lombok

Lombok ist eine noch sehr ursprüngliche Insel, auch wenn der Bauboom nun auch hier beginnt. Immer wieder siehst du abgesperrte Strände und Baukomplexe, die im Begriff sind in weniger Jahren zu riesigen Hotels und Touristenanlagen zu werden. Schade, denn sie werden direkt am Strand gebaut und zerstören das natürliche Flair der Insel, beengen die weite und einmalige Sicht auf das Meer und verdecken die kleinen Homestays. Homestays sind kleine und kostengünstige Übernachtungsmöglichkeiten bei einheimischen Familien. Für mich der beste Weg, Insel und Mensch kennenzulernen.

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Strand bei Kuta, hier wird ein Urlaubsressort gebaut. Désiree Schneider

So haben meine Freundin und ich gleich am ersten Tag unseren Surflehrer kennengelernt. In der Regel beginnen indonesische Bekanntschaften alle ähnlich:

Hallo, wie geht es dir? Wie heißt du? Gefällt dir Lombok? Hast du einen Freund?

Nachdem man die ersten Fragen beantwortet und die letzte bejaht hat, kann man beginnen sich bei einer Nelkenzigarette und Reiswein oder Bintang (indonesisches Pils) auf einer interessanteren Ebene zu unterhalten. Indonesier sind ein sehr offenherziges und kontaktfreudiges Volk, sie sprechen unverblümt über das, was sie denken und bewegt, doch alles im Rahmen ihrer Würde und des Anstands.

Do you have a boyfrind?

Doch Obacht: weiße Frauen sind bei Indonesiern sehr beliebt, darum beantworte die Frage nach einem „boyfriend“ oder „girlfriend“ stets mit ja, auch wenn es nicht der Wahrheit entspricht. Sobald du den Spitznamen „Hati“ erlangst, was so viel bedeutet wie „Herz“ oder „Liebling“ ist es zu spät und die Kindernamen kommen ins Spiel.

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Arbeit fürdas alltägliche Brot, Reisernte. Foto: Désiree Schneider

Wortbedeutung hati

Dabei hat die Wortbedeutung „hati“ einen interessanten Ursprung. 
Übersetzt heißt es nichts anderes als „Leber“. 
Diese ist nach indonesischen Vorstellungen der Sitz der Gefühle 
und Emotionen, so wie bei uns das Herz. 
Und doppelt man das Wort „Hati-Hati“ bedeutet es so viel wie vorsichtig und 
langsam und begegnet einem auf sämtlichen Verkehrsschildern als Warnung. 
Bei Bintang und Brem, einheimischer Reiswein, müssen die Indonesier 
auch besonders auf ihre Leber achten. 

Heitere Menschen mit ehrlichen Absichten

Zu dem indonesischen Fragenrepertoire gehören auch noch Fragen wie: Wo warst du bisher? Wo willst du noch hin? Wo kommst du her? Warst du schon surfen/tauchen/schnorcheln?  Gefällt es dir? Der Fragenkatalog begegnet dir mehrmals am Tag, er scheint zur Standardausstattung im Gespräch mit Touristen zu gehören. Doch dabei merkst du schnell, dass die Menschen ihn nicht nur herunterbeten, sondern ehrliches Interesse an dir bekunden. Sie stellen Nachfragen und behalten sich sogar deinen Namen und ein paar Infos. Wenn du dir dann noch ihren Namen behältst oder etwas hervorbringst, dass ähnlich klingt, wirst du mit einem breiten Lachen belohnt.

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Unser einheimischer Surflehrer verständigt sich wortlos. Foto: privat

Die Menschen auf Lombok leben in den einfachsten Verhältnissen und teilen dennoch vieles mit dir. Es bereitet ihnen augenscheinlich Freude, ihre Kultur zu teilen und freuen sich über ehrliches Interesse. Viele Indonesier sprechen oder verstehen Englisch, manchmal sogar Spanisch und Deutsch, es ist also leicht mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Doch auch wenn sie keine andere Sprache beherrschen oder nicht sprechen können, bleiben einem Hand und Fuß, um den Gedanken Ausdruck zu verleihen. Ich spreche aus Erfahrung: Wir haben Surfen gelernt, wortwörtlich ohne Worte.

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Auf Lombok und Bali gibt es mitunter die besten Surfspots der Welt. Foto: privat

Und es hat geklappt!

Auf Lombok beginnt der Morgen früh, nämlich pünktlich zum Sonnenaufgang, wenn die Moscheen den morgendlichen Muezzin ausrufen. Denn auf Lombok sind im Gegensatz zu Bali mehr als 90 Prozent der Bevölkerung islamisch. Heißt aber nicht, dass der Tag auch früh endet. Die Sonne geht im August zwar schon um 18 Uhr unter, doch dafür beginnt das Nachtleben nach den spektakulären Sonnenuntergängen. Und die Indonesier wissen, wie man richtig feiert: am Meer, mit Lagerfeuer am Strand, Salz in den Haaren und Despacito in den Ohren.

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Achtung: Die Sucht nach Sonnentuntergängen ist beständig. Foto: Désiree Schneider

Gilis

Nach dem Verkehrschaos auf Lombok, sollte es mal etwas ruhiger werden. Wir steuerten die Gilis an, auf denen keine motorisierten Fahrräder zugelassen waren. Einzige Fortbewegungsmittel: Kutsche, Fahrrad oder zu Fuß. Sie sind alle klein und haben eins gemein: Korallen, türkisfarbenes Wasser, schier endlosen Strand, traumhafte Sonnenuntergänge und Schaukeln. Doch variieren sie untereinander sehr.

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So klein ist Gili Meno. Foto: Désiree Schneider

Gili Meno, auch Honeymoon Island genannt, ist die kleinste der drei Inseln. Die Insel hat nur wenig Unterkünfte und Restaurants und ist sehr ruhig, hier triffst du auf nur wenige Menschen und hast oft ganze Strandabschnitte für sich alleine. Traumhaft schön. Die Insel ist in einer Stunde zu Fuß umrundet.  Die Abende habe ich gerne in einem Pavillon eines Warungs mit einem frischen Smoothie oder einer Kokosnuss verbracht und die verliebten Pärchen beobachtet.

Ein Bild auf der Pärchenschaukel durfte natürlich nicht fehlen.

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Ein beliebtes Fotomotiv. Foto: privat

Gili Trawangang, auch bekannt als Gili T und die Party-Insel. Der Name hält leider nicht, was er verspricht. Gili T ist die wohl Touristischste und Größte der drei Inseln und die einzige, die etwas Infrastruktur aufweisen kann.  Von daher lohnt es sich ein Fahrrad auszuleihen und die Wege quer durch die Insel zu befahren.

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Den Tag ausklingen lassen. Foto: Désiree Schneider

Achtung: die „neusten“ Modelle haben zwar Gangschaltung, sind aber abgenutzt und ohne Federung, mein Gesäß hat selten so weh getan. Tagsüber kannst du hier super schnorcheln und mit etwas Glücke eine Runde mit den Schildkröten schwimmen. Während die eine Seite der insel ruhig ist, ballen sich die Geschäfte, Unterkünfte und Bars am Hafenanleger, hier finden die „Partys“ statt. Die erste Nacht war super, live Reggae-Musik im Sama-Sama-Club, ein paar starke Cocktails und zwielichte Gestalten, die dir „magic Muschrums“ andrehen wollen — da es auf den Inseln keine Polizei gibt. Doch der zweite Abend war leider genauso und der dritte ebenso, die zwei Clubs legen abendlich stets die gleiche Musik auf, die ich nach wenigen Stunden wiederholt und auch die Live-Sängers haben nur ein Programm. Nach der 20. Runde „Despacito“ rief die Stille meines Bettes nach mir.

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Der Sonneuntergang ist auf allen drei Gilis traumhaft. Hir mit Blick auf Bali. Foto: Désiree Schneider

Gili Air: Mein absoluter Favorit, die Insel bündelt die Vorteile der beiden anderen Gilis und macht sie zu meinem Highlight. Sie ist nicht überlaufen, doch bietet mehr Unternehmungen und Programm als Gili Meno. Gili Air hat zudem Sandstrand und reine Korallenstrände und bietet sich super zum Schnorcheln und Tauchen. Faszination Korallenriff.

Bali

Wenn ich vorher schon dachte, der Verkehr auf Lombok sei chaotisch, toppt Bali das alle Male. Die einfachste indonesische Verkehrsregel lautet: Der schnellste zuerst. Gleich gefolgt von: Du bist für alles verantwortlich, was vor dir passiert.

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Bei meinem Roller waren Tachoanzeige und Blinker kaputt. Foto: privat

Grundlegend kann jeder, wirklich jeder in Indonesien Roller fahren — egal, ob du erst zehn Jahre bist, überhaupt einen Führerschein hast oder mal eben deinen halben Hausrat transportieren musst— so wie geschätzt 80 Prozent der Menschen dort. Es ist auch das günstigste Fortbewegungsmittel. Die Leihgebühren für einen Tag liegen bei circa sechs Euro und zwei Liter Tankfüllung kosten umgerechnet 1,50 Euro. Dennoch ist wirklich erstaunlich, wie die Indonesier Roller fahren und was sie alles schaffen zu transportieren, wie reibungslos alles verläuft und wie schnell man sich dem anpasst.

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Wenn man langsam fährt, entdeckt man spannende Sachen am Wegesrand. Foto: Désiree Schneider

Es ist alles gut, solange nichts passiert, aber fährt jemand von dem Straßenrand auf die Fahrbahn und schneidet dich, bist du schuld, wenn du nicht richtig aufgepasst hast. Ich habe für mich herausgefunden, die einfachste Möglichkeit in dem Straßenverkehr zu überleben ist, nie stehenzubleiben — egal, ob als Fußgänger oder Verkehrsteilnehmer.

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Ausblick vom Gunung Agung. Foto: Désiree Schneider

Bali lebt vom Reisanbau und Tourismus, dementsprechend überlaufen ist es zu der Hauptsaison von Mai bis Oktober auch. Wir haben versucht die touristischsten Orte zu meiden und uns wie in Lombok etwas an die ruhigen Gegenden zu halten. Also hat es uns gleich nach unserer Ankunft auf den Gunung Agung, der höchste Berg Balis verschlagen, einen noch aktiven Vulkan. Nachdem wir auf Lombok schon überlegten den Mount Rinjani, einen 3700 Meter hohen Vulkan, zu besteigen, doch nicht dazu kamen, haben wir spontan ein Sunrise-Trekking gebucht.

Kurzgefasst:

  • Fünf Stunden Aufstieg und vier Stunden Abstieg
  • mein Ansporn: erst Sonnenaufgang, dann das Bett
  • Mein Mantra: Es gibt nur einen Weg

 

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Doch der Sonnenaufgang war die Strapazen es wert. Foto: Désiree Schneider

Entspannter waren dann die Besichtigungen der hinduistischen Tempelanlagen, hier war vor allem der Wassertempel Tirta Gangga mein absoluter Liebling und die Wandrungen durch die Reisfelder. In Bali haben wir weniger auf eigene Faust unternommen als viel mehr Tagestouren gebucht, da man ohne Roller nicht weit kommt. Doch auf den haben wir nach einer einmaligen Fahrprobe bewusst verzichtet. Unsere Reise hat uns im Süden Balis gehalten. Wie auf jeder Reise hat man viel zu wenig Zeit sich alles anzuschauen und dem, was man sieht gerecht zu werden. Darum kann ich nur sagen: Indonesien, ich komme wieder!

Bali-Empfehlungen:

Anmerkung:

  1. Wer die Gilis und Bali besuchen will, darf keine körperlichen Selbstzweifel mit sich bringen oder hat sie spätestens danach. Es ist das Mekka für heteronormative, westliche Schönheitsideale: endlos Beine, knappe Bikinis und muskelbepackte Beachboys.
  2. Das indonesische Schönheitsideal entspricht nicht dem Westlichen. Frauen wollen sich nicht bräunen, sondern heller werden. Also passt auf bei dem kauf von Sonnencemes oder Körperlotionen, sie beinhalten einen „whitening effect“.

 

 

 

Ein Gedanke zu “Selamat Detang–Willkommen in Indonesien

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