Unisex-Toiletten, nicht nur eine Debatte für Transsexuelle

Ein Kommentar.

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Unisex-Toiletten gibt es leider noch viel zu selten. Foto: Pixabay

In Deutschland bin ich mit geschlechtsgetrennten öffentlichen Toiletten aufgewachsen. Das gab es schon im Kindergarten und der Grundschule. Gerne habe ich mich mit den Mädels auf dem Gymnasium auf die Damentoilette verzogen, um wichtige Dinge fernab von Jungsohren zu besprechen. Hinterfragt habe ich das lange nicht. Bis zu dem Moment, als Transsexuelle und Intersexuelle in mein Bewusstsein rückten. Dass diese sich oft in einer Toilettenproblematik befinden, ist längst bekannt, aber noch nicht geändert.

Dabei betrifft diese Toilettenproblematik im Alltag ja nicht nur transsexuelle und intersexuelle Menschen. Es betrifft oft auch Familien. Sei es das Elternteil, das mit dem eigenen Kind des anderen Geschlechts aufs Klos geht oder gar der Vater, der den Wickeltisch benötigt, der in den meisten Fällen im Frauenbereich liegt.

Einge große Sinnlosigkeit

Als ich neulich am Busbahnhof an der Toilette anstand, war ich die fünfte Frau in der Reihe, die vor einer einzelnen für Frauen ausgezeichneten Toilette stand. Neben uns lag unbenutzt die Männertoilette. In diesem Fall gab es nicht mal einen Vorraum zu den Toiletten. Hinter dem Geschlechtssymbol an der Tür befand sich wirklich nur ein kleiner Raum mit dem WC. Ich hätte gerne die andere unbenutzte Toilette aufgesucht, denn das ist was sie war, einfach nur eine Toilette, doch die Toilettendame beobachtet uns argwöhnisch und bestand auf die Benutzung der Damentoilette.  Selten habe ich so eine große Sinnlosigkeit erlebt.

Im Übrigen sind Behindertentoiletten sowie Bahn- und Flugzeugtoiletten ja auch für beide Geschlechter, dort wird nicht nochmal unterschieden. Es ist natürlich eine Kosten und Platzfrage und doch ist Fakt: dort stört es auch niemanden.

In New York schon verpflichtend

Es wird Zeit für ein bisschen mehr Flexibilität und ein Aufbrechen der Geschlechtergrenzen. Immerhin wurde in Berlin dieses Jahr die Diskussion dazu, ob es in allen Behörden nur Unisex-Toiletten geben soll, schon mal angestoßen.

In New York  gibt es seit diesem Jahr allerdings schon verpflichtend in allen öffentlichen Gebäuden geschlechtsneutrale Toiletten. Dort muss sich keiner mehr für eine Toilette und damit für ein Geschlecht entscheiden.

Wenn man das nicht möchte, wäre ja auch immer noch ein dreiteiliges Toilettenmodell möglich, damit die geschlechtergetrennten Toiletten als Schutzräume beibehalten werden, so wie es die TU Darmstadt vorschlägt.

Übrigens, im alten Rom war der Toilettengang ein Gemeinschaftsakt, bei dem auf den Latrinen auch wichtige Dinge besprochen wurde. Es geht also noch schlimmer.

 

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