Anfang 20, aber mit Hobbys einer alten Frau

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Selbstgemachte Schwarzwälder-Kirsch Cupcakes. Foto: privat

Jeder hat mindestens eins und genießt es sich Zeit dafür zu nehmen: das Hobby. Manche mögen es ruhig und entspannt, für andere hingegen kann es gar nicht zu actionreich und energiegeladen sein. Vera berichtete bereits über ihre Leidenschaft zum Wandern, die für eine Mitzwanzigerin eher untypisch ist. Auch ich habe ein nicht ganz so alltägliches Hobby für eine dreiundzwanzig Jährige – ich liebe das Kochen und Backen.

Learning by doing

Viele halten das Kochen für ein notwendiges Übel, schließlich wollen sie ja nicht verhungern. Dabei soll es dann am besten so schnell und einfach wie möglich zugehen. Möglichkeiten sich schnell etwas zu kochen oder sich irgendwo etwas Essbares zu holen, gibt es mittlerweile genügend. Und auch ich mag es ab und zu mal nicht zu kochen und stattdessen mit Freunden oder der Familie essen zu gehen. Ich mag es allerdings auch, mir am Wochenende die Zeit für ein aufwendigeres Gericht zu nehmen oder ein ganz neues Rezept auszuprobieren. So ist es auch mit dem Backen. Ich stöbere liebend gern nach neuer Inspiration und probiere dann einfach aus. Entweder es klappt, oder eben nicht. Bisher hat alles irgendwie geklappt. Auch wenn nicht jede Torte, jeder Kuchen oder jeder Cupcake einen Schönheitspreis hätte gewinnen können – geschmeckt hat es am Ende immer.

Schon in der Kindheit habe ich in der Küche gestanden. Zu Beginn war ich meiner Mutter sicherlich keine große Hilfe, doch von Mal zu Mal habe ich dazu gelernt. Also konnte ich ab der Pubertät auch schon viele Handgriffe allein machen und brauchte meine Mama nur noch für mehr oder weniger nützliche Tipps an meiner Seite. Die Gerichte, die meine Mutter schon immer für uns gekocht hatte, wollte ich alleine kochen können. Doch um die richtige Menge der Zutaten herauszufinden, braucht man Erfahrung. Die hat meine Mutter.  Nur leider war es für sie immer schwer mir die genaue Menge zu nennen. Auf die Frage: „Wie viel Salz kommt an das Essen?“ bekam ich immer dieselbe Antwort meiner Mutter: „Ich mache das immer nach Gefühl“. Was soll man als blutiger Anfänger mit so einer Antwort nur anfangen? Also musste bei den ersten Versuchen oft nachgesalzen werden. Heute habe auch ich ein Gefühl für das Salzen während des Kochens entwickelt. Wie viel Gramm genau an die einzelnen Gerichte kommen, werde auch ich wahrscheinlich nicht an meine Kinder weitergeben können. Da heißt es eben: „Learning by doing“.

Kopf aus, Backofen an

Ich werde oft gefragt, warum ich als junge Frau gerne koche und backe. Für mich bedeutet es Entspannung – meistens jedenfalls. Wenn ich unter Zeitdruck stehe oder generell ganz gestresst bin und ich dann noch etwas kochen oder sogar backen muss, kann es auch für mich ziemlich nervig sein. Wenn ich allerdings genügend Zeit habe und auch wirklich Lust dazu, wirkt es für mich entspannender als ein Bad zu nehmen. Ich kann ziemlich schlecht entspannen, wenn ich nichts tue. Ich bin eben typisch Frau. Meine Gedanken kreisen dann um alles, was mich beschäftigt oder was ich noch erledigen muss. Beim Backen oder Kochen hingegen, kann ich den Kopf ausschalten und mich von meiner Kreativität oder einem Rezept leiten lassen. Andere Gedanken finden dann keinen Platz. Und das Beste daran ist, man hat am Ende immer etwas Leckeres gezaubert. Selbst wenn ich für andere backe, ist es eine Win-win-Situation. Ich bin entspannt und meine Mitmenschen können glücklich ihren Lieblingskuchen schlemmen. Wenn da nicht das anschließende Spülen wäre, was die Entspannung wieder etwas aufhebt.

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Eine (äußerlich) nicht ganz perfekt gelungene Kinderpingui-Torte, die allerdings trotzdem lecker schmeckte. Foto: privat

Wenn ich längere Zeit nichts gebacken habe, fehlt mir das. Als ich Anfang dieses Jahres ein paar Monate in England verbracht hatte, konnte ich zwar jeden Tag kochen, aber nicht backen. Dafür fehlten mir sämtliche Utensilien in der spärlich eingerichteten Küche. Das nötigste zum Kochen kaufte ich mir nach und nach. Irgendwann war die Sehnsucht nach dem Backen so groß, dass ich mir doch noch eine Backform, große Schüssel und die Zutaten besorgte. Ich hatte dann zwar keinen Mixer, sondern musste mit dem Schneebesen selbst alles vermengen, aber auch das hat gut geklappt und riesigen Spaß gemacht. Am Ende war es sicherlich nicht der leckerste oder der schönste Käsekuchen, den ich jemals gebacken habe, aber er hat mich und meine Mitbewohnerinnen glücklich gemacht. Das ist es, was am Ende zählt.

 

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