Alle großen Titel gewonnen, doch niemanden interessiert es

Ein Kommentar.

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Der Frauenfußball bekommt nur wenig Aufmerksamkeit. Quelle: pixelio.de

Am Sonntag, den 06. August ist die Fußball-Europameisterschaft in den Niederlanden zu Ende gegangen. Der Gastgeber konnte nach einem packenden Finalspiel gegen Dänemark einen 4:2 Sieg feiern und somit zum ersten Mal den EM-Pokal in die Höhe strecken. Viele werden sich jetzt wahrscheinlich denken: „Stopp, es fand eine EM statt?“ Ja, obwohl das ganze Land nicht mit Deutschlandfahnen geschmückt ist und keine großen Public Viewings stattfanden, rollte tatsächlich drei Wochen der Ball über die niederländischen Fußballplätze. Allerdings waren dieses Mal nicht die Herren an der Reihe, die hatten schließlich schon im letzten Jahr ihren großen Auftritt während der Europameisterschaft in Frankreich und auch im kleineren Rahmen während des diesjährigen Confed Cups in Russland. Stattdessen kämpften die Frauen um den EM-Pokal. Und so gut wie niemand hat es mitbekommen. Doch warum ist das so? Warum wird der Frauenfußball so viel weniger wertgeschätzt, als das vor dem Ball Treten der Männer?

Versteht mich nicht falsch, ich mag den Männerfußball. Ich schaue selbst jede Woche gespannt auf das Geschehen in der Bundesliga. Aber ich interessiere mich nicht nur für den Männerfußball, sondern für Fußball im allgemeinen, den Frauenfußball also eingeschlossen. Viele Fußballerinnen sagen selbst, dass ihr Sport mit dem der Männer nicht zu vergleichen ist, es seien eher zwei verschiedene Sportarten. Allein die körperlichen Voraussetzungen sind total unterschiedlich. Dennoch haben beide „Sportarten“ dieselben Regeln und auch die Tore und das Spielfeld haben die gleichen Maße, obwohl die Spielerinnen und Torhüterinnen kleiner und langsamer sind, als ihr männliches Pendant.

Mehr Fußball als Show

Die Fußballerinnen sind etwa ein Drittel langsamer als die Männer und es gibt immer noch viele Nationen, die nicht auf einem hohen Niveau spielen. Doch der Frauenfußball ist in der Entwicklungsphase. Viele Nationen haben das Potenzial erkannt und investieren mehr in die Jugendarbeit, was zur Folge hat, dass diese im internationalen Fußball immer besser werden. Deswegen ist es auch für die deutschen Frauen kein Spaziergang einen Titel zu gewinnen, wie man bei der diesjährigen Europameisterschaft gesehen hat. Des Weiteren haben Forscher der Technischen Universität München festgestellt, dass die Männer bei Fouls wesentlich theatralischer fallen und im Schnitt 30 Sekunden länger liegen bleiben als die Frauen. Gleiches gilt für den Torjubel. Auch bei Auswechslungen lassen sich die Männer, mit 45 Sekunden, rund zehn Sekunden länger Zeit. Wenn man ein Spiel der Frauen sieht, bekommt man oft also mehr Fußball als Show geboten.

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Frauen stehen nach einem Foul eher wieder auf. Quelle: pixabay.com

Außerdem ist die Deutsche Frauennationalmannschaft sehr erfolgreich. Sie sind mit acht Titeln Rekordeuropameister und zweimaliger Weltmeister. Zudem gewannen sie dreimal die Bronzemedaille, im letzten Jahr sogar die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen. Doch kaum einer bekommt etwas von diesen Erfolgen mit, denn die Medien berichten nur selten über den Frauenfußball. Während von dem Männerteam jede kleinste Aussage oder Trainingseinheit eine große Aufmerksamkeit erhält, trainieren die Frauen beinahe unbemerkt. Dies hat sicherlich auch Vorteile, da der Fußball und der sportliche Erfolg damit im Fokus stehen, doch wäre etwas mehr Unterstützung für die Frauen sehr wünschenswert.

Geschlechtsabhängige Bezahlung 

Warum also unterstützen wir Deutschen, gerade bei großen Turnieren, immer nur die Männer? Warum gibt es nicht auch bei den Frauen ein großes „Public-Viewing“ und Deutschlandfahnen, die überall gehisst werden? Auch in anderen Sportarten werden eher die Männer bejubelt. Der Rennsport beispielsweise wird überwiegend von den Männern beherrscht. In der Formel 1 befindet sich keine Frau unter den Hauptfahrern. Es scheint also kein Problem der fußballerischen Leistung zu sein, sondern eins des Weltbildes in den Köpfen. Denn auch abseits des Sports gibt es kaum Frauen in Führungspositionen in diesem Land. Auch die Bezahlung scheint geschlechtsabhängig. Nach einer Studie der Job- und Karriereplattform Glassdoor, verdienen Frauen bei gleicher Arbeit und gleicher Ausbildung 5,5 Prozent weniger als die Männer. Der Unterschied im Fußball ist noch viel größer. Viele Bundesligaspielerinnen müssen neben den Fußball noch arbeiten gehen, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, während die meisten Fußballer in ihrem Geld beinahe schwimmen können. Die Nationalspielerinnen können mit den Einnahmen ihrer Werbeverträge zwar mittlerweile auch ohne Zweitberuf leben, doch für die Zeit nach der Fußballkarriere reicht es nicht. Deshalb studieren sie „nebenbei“. Sie fahren jedes zweite Wochenende in eine andere deutsche Stadt und bereisen die gesamte Welt für Spiele in der Champions League oder für den DFB, trainieren jeden Tag, oft sogar mehrmals täglich, und müssen nebenbei noch für ihr Studium lernen. Die meisten der Frauen machen dies sogar freiwillig. Sie möchten auch intellektuell gefordert werden, nicht nur physisch. Dennoch sind die Unterschiede in der Bezahlung immens. Während der Fußballspieler Neymar für unglaubliche 222 Millionen von Barcelona nach Paris wechselt, ist bei den Frauen Gerüchten zufolge, Mandy Islacker der teuerste Transfer innerhalb der Bundesliga. Sie wechselte in diesem Sommer vom 1. FFC Frankfurt zum FC Bayern München. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau floss „aus München eine Ablöse, die sich fast im sechsstelligen Bereich bewegt“ zum Liga-Konkurrenten. Bei diesen Zahlen kann man sich vorstellen, wie groß auch der Unterschied bei den Gehältern ist.

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Frauen verdienen wesentlich weniger als Männer – auch im Fußball. Quelle: pixelio.de

Dass die Frauen im Gegensatz zu den Männern so viel weniger Geld für das Fußballspielen bekommen, liegt vor allem an der Aufmerksamkeit. Im Schnitt besuchen gerade einmal 845 Fans die Spiele in der Bundesliga. Die Tickets sind dementsprechend billig. Viel Geld kommt dadurch nicht zusammen. Wovon sollen die Spielerinnen dann ein üppiges Gehalt bekommen? Die Lösung scheint einfach: Wenn wir den Frauenfußball mehr unterstützen, verdienen die Spielerinnen mehr Geld, brauchen keinen Zweitjob mehr und können sich hauptsächlich auf den Fußball konzentrieren. Die Leistung der Spielerinnen wird dadurch sicherlich nicht schlechter, die Spiele nicht unattraktiver und wir können jedes Jahr ein großes deutsches Fußballturnier feiern, denn die Welt-und Europameisterschaften beider Geschlechter finden nie im selben Jahr statt.

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