Lokführer im Güterverkehr: Zugfahren aus Leidenschaft

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Der Zugliebhaber im Dienst. Foto: Johannes Ewald

Mannheim. Johannes Ewald (19) kommt bald ins dritte Lehrjahr in der Ausbildung zum Lokführer im Güterverkehr bei der Deutschen Bahn Cargo.  Doch hat er keine Menschen, sondern Transportgut an Bord. Momentan rangiert er in einen kleinen Mannheimer Bahnhof am Hafen Wagen zu Zügen zusammen. Sein Traum wäre es, irgendwann eine einheitliche Bahn zu haben, in der man wieder alles fahren darf, wie es heute nur noch bei manchen Privatbahnen der Fall ist. Doch bis dahin arbeitet er weiter auf sein Ziel des Streckenlokführers hin.

Vierstimmig sprach mit ihm über seine Ausbildung die Leidenschaft zum Zugfahren.

Vierstimmig: Lokführer im Güterverkehr, das ist ja ein außergewöhnlicher und weniger bekannter Beruf.  Wie bist du darauf gekommen?

Johannes: Die Eisenbahn hat mich schon seit meiner Kindheit fasziniert. In meiner Familie und Umfeld gibt es einen Busfahrer, einen Straßenbahnfahrer und einen Eisenbahnfaszinierten. Ich wollte zunächst Landschaftsgärtner werden, was mir dann jedoch nach mehreren Praktika doch nicht mehr so zusagte. Als ich für ein Jahr das Wirtschaftsgymnasium besucht habe, war ich auf die Bahn angewiesen, da kam immer mehr die Leidenschaft zu diesem Beruf auf. Darum habe ich auch aus notentechnischer Sicht das Gymnasium abgebrochen und habe nach einem langen Bewerbungsprozess Schluss endlich den Platz bei DB Cargo bekommen.

 

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Die Aussicht aus einem Führerhaus. Foto: Johannes Ewald

Was lernst du in der Ausbildung?

In der Ausbildung lerne ich das Verhalten im Gleisbereich, die Kunden zu bedienen, lerne die Fahrzeuge und die Strecken kennen und das Fahren im Allgemeinen – also, welcher Hebel macht was, wer sind meine Mitarbeiter, wie bremse ich richtig, was mach ich bei Gefahr. Außerdem, wie man die Züge richtig vorbreitet mit Bremsprobe und Wagenprüfung. Denn vor jeder Zug- und Rangierfahrt müssen die Bremsen auf ihre Tauglichkeit geprüft werden, hierbei muss ich das Anlegen und Lösen der Bremssohlen testen.

 

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Als jojoewald_98 vermittelt der Azubi auuf Instagram viele Eindrücke von seiner Arbeit.

Was macht dir davon am meisten Spaß?

Am meisten begeistert mich natürlich das Fahren.  Das Beste war die erste Fahrt, auf der ich selber fahren durfte! Es war sehr ungewohnt, aber ein schönes Gefühl endlich nach der ganzen Theorie, etwas selbst zu machen. Aber eigentlich finde ich alles ziemlich schön. Vor allem genieße ich die Landschaft, während der Arbeit, egal ob Sommer, Frühling, Herbst, Winter, früh, spät oder nachts.

 

 

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Diese Perspektiven… Foto: Johannes Ewald

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… bekommt nicht jeder zu Gesicht. Foto: Johannes Ewald

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Wie sieht so ein alltäglicher Berufstag für dich aus?

Zu Dienstbeginn melden wir uns bei unserem Disponenten, der uns alle Infos gibt und uns Aufträge erteilt. Wir ziehen uns feste Sicherheitsschuhe und orangene Warnkleidung bestehend Hose, Jacke gegebenenfalls ich ein T-Shirt. Wenn wir uns umgezogen haben, rangieren wir und bedienen unsere Kunden oder fahren auch mal eine Strecke zu Kunden in benachbarten Orten.

 

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„Eine Privatbahn irgendwo im Nirgendwo.“ Foto: Johannes Ewald

Rangieren? Was kann ich mir darunter vorstellen?

Es ist eigentlich nur, Wagen von einem Gleis in das andere zu stellen. Das ist an sich ist keine große Herausforderung. Es wird erst knifflig, wenn die meisten Gleise im Bahnhof voll sind und die Wagen im Zug nicht unbedingt passend stehen oder wenn wegen Bauarbeiten weniger Gleise zur Vefügung stehen. Heißt, ich brauche beispielsweise den dritten Wagen von hinten und den vierten Wagen von vorne.

 

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Kuppeln und Rangieren in Mannheim. Foto: Johannes Ewald

Wem würdest du die Ausbildung zum Lokführer im Güterverkehr empfehlen?

Zuerst einmal allen Eisenbahninteressierten. Man sollte nicht der Unsportlichste sein, da man am Tag schon mehrere Kilometer zu Fuß zurücklegt. Auch die Kupplungen wiegen einiges und einzelne leere Wagen müssen per Hand verschoben werden. Außerdem sollte man ein bisschen Technik begeistert sein, um die Loktechnik zu verstehen. Etwas Kopfrechnen und Dreisatz sind auch gefragt. Aber vor allem sollte man kommunikationsfreudig sein und unregelmäßige Schichten aushalten können. Aber dafür wird man ja mit den tollen Ausblicken belohnt.

Wohl wahr…

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Frühschicht in Ludwigshafen. Foto: Johannes Ewald

Was ist der Unterschied vom Güterverkehr und der Personenverkehr?

Nach der Ausbildung bei DB Cargo ist man nur in Güterverkehr tätig. Im Regio- oder Fernverkehr werden Personen befördert. Die wesentlichen Unterschiede zwischen Cargo, Regio und Fernverkehr sind die Lokomotiven und das benötigte Personal.  Im ICE gibt es einen Lokführer, Zugbegleiter und den Zugchef, sie Reisen quer durch Deutschland. Bei Regio gibt es den Lokführer und gegebenenfalls einen Zugbegleiter und die Zugstrecken sind in einer bestimmten Region eingegrenzt, wohingegen es bei der Cargo im Güterverkehr nur den Triebfahrzeuge-Führer also den Lokführer gibt. Wir haben, was die Strecken angeht, eigentlich eine gesunde Mischung aus beidem, je nach zu erledigendem Auftrag.  Weitere Unterschiede wären die Zuglängen, Gewichte und das Fahrverhalten.

Wie geht es nach deiner Ausbildung für dich weiter?

Nach der Ausbildung habe ich eine Garantie auf Übernahme, vorausgesetzt natürlich, dass ich die Prüfung bestehe und das nicht gerade mit dem schlechtesten Abschluss. Aber es gibt auch verschiedene andere Unternehmen oder Firmen, die auch Lokführer nehmen. Ich kann mich dann weiterbilden zum Stecken-Lokführer, da ich ja nur als Rangierlokführer ausgebildet werde. Außerdem kann ich Gruppenleiter werden, Ausbilder in der Disposition oder in die Diensteinteilung gehen. Ich könnte mich auch komplett umschulen lassen, da die Bahn fast jeden Job anbietet, den man sich vorstellen kann.

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Das sind so viele Möglichkeiten.  Ehrlich gesagt, weiß ich es noch nicht genau. Aber ich möchte meine Ausbildung erfolgreich abschließen und erst mal weiter als Rangierer arbeiten, da ich dort die meisten Erfahrung sammeln kann!

Vielen Dank für das Gespräch!

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