Der Weg des Biomülls in 6 Schritten

 

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Ein Gärungsbunker von innen. Foto: Désiree Schneider

Frankfurt. Alles beginnt mit dem Wurf in den Bio-Müll. „Du warst lecker, doch nun Adieu“, sage ich zu den Überresten meines Apfels und schicke ihn auf eine Reise. Zuerst fliegt er durch den Wurf aus dem Handgelenk  in einem geraden Bogen in die braune Tonne. Ich höre noch, wie er auf deren Boden aufschlägt. Doch was kommt als nächstes? Auf welche Reise habe ich ihn geschickt?

  1. Schritt: Die Entleerung der Biotonne

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    Der Biomüll wird alle zwei Wochen abgefahren. Foto: Désiree Schneider

Der Abfalltransport kommt alle zwei Wochen und leert die braune Tonne. Auch die, in der mein Apfelkrotzen liegt. Er liegt nun schon zwei Tage dort und schwitzt zusammen mit den anderen Bioabfällen, die inzwischen noch hinzugekommen sind. Es ist heiß draußen, so langsam fängt die Tonne an unangenehm zu riechen. Am Dienstag holen die Männer der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) endlich die Tonne ab. Alle drei Männer tragen auffallende orangene Warnkleidung und Westen. Alles geht recht schnell. Sie sind ein eingespieltes Team: Einer fährt das Auto, ein anderer schnappt sich die volle Mülltonne und hackt sie in den Hebemechanismus des großen Müllwagens. Der Mechanismus wird automatisch ausgelöst, sobald die Mülltonne die Kontakte des Wagens berührt. So wird der Apfelkrotzen in den elf Tonnen großen Innenraum des Müllautos geschleudert, in dem eine große Schaufel den Müll nach jeder Ladung erneut nach hinten zieht und komprimiert.  Der letzte räumt die leere Tonne wieder beiseite. Oder jeder arbeitet eine Straßenseite ab.

 

Es ist knochenschwere Arbeit: Es ist heiß, der Biomüll stinkt, die Straßen sind zugeparkt, das Fahren schwer und die Tonnen auch. „Ein Behälter kann über 100 Kilo wiegen und manchmal haben wir bis zu 800 an einem Tag, schildert Teamleiter Ahmed Rifi. Er wischt sich den Schweiß von der Stirn, stellt sich hinten auf das Auto und weiter geht die Fahrt.

  1. Schritt: Sortierung des Nass- und Trockenmülls

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    Hier werden die trockenen und nassen Bestandteile des Mülls sortiert. Foto: Désiree Schneider

In der Bioabfallbehandlungsanlage werden die 668 Tonneninhalte dieses Tages in die Annahmehalle ausgeschüttet, darunter auch die Überreste des Apfels. Der sich nun irgendwo in dem Haufen befindet. Die Jungs brechen auf zur zweiten Runde.

Ein Bagger sortiert die Biomüllmasse nach nassen und trockenen Abfällen. Die nassen Abfälle (Küchenabfälle, so auch der Apfelrest) kommen in die Gärung, wohingegen die Trockenen (Gartenschnitt) gleich kompostiert werden.

  1. Schritt: Zerkleinerung

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    Der zerkleinerte Müll wird auf Laufbändern transportiert. Foto: Désiree Schneider

Vorher wird der Biomüll jedoch noch zerkleinert. Die Metalltrommel siebt Plastik und andere Störstoffe heraus und  Überbandmagneturen kümmern sich um störende Metalle. Das Plastik geht zur Verbrennung ins Müllheizkraftwerk. Die Metalle werden auch separat gesammelt. „Da sind oft Löffel und manchmal auch das ein oder andere Fixer-Besteck dabei“, erzählt Betriebsleiter Peter Dumin wissend. Nun bleibt von dem Apfelkrotzen nur noch Apfelbrei übrig.

  1. Schritt: Vergärung/ Kompostierung

Vergärung 

Die feuchten und strukturarmen Küchenabfälle dienen nun als Futter für Mikroorganismen, die ihn zu Biogas (Methangas) und einem Gärrest umwandeln.

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Der Mischer von Innen. Foto: Désiree Schneider

  1. Mischer: Nun wird der Apfelbrei verdünnt. Die vorbearbeitete Biomasse mit ausreichend Wasser bei circa 55 Grad Celsius gemaischt. Der Vorgang ist voll automatisiert. Die Masse wird gemischt und der Schubboden gibt immer mehr Abfall hinzu bis die optimalen Werte erreicht sind: 70 Prozent Wasser und 30 Prozent Trockenmasse. Die Mischung stinkt bestialisch.
  2. Gärungsbunker: Hier gärt die Biomassen-Flüssigkeit bei 65 Grad Celsius für zwei Wochen. Es entstehen Kompost und Methangas. Das Wasser enthält die unzähligen Mikroorganismen und wird in den Prozess zurückgeführt. und Von dem Apfel ist inzwischen nichts mehr zu sehen.

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    Die Blockheizkraftwerke laufen mit LKW-Motoren. Foto: Désiree Schneider

  3. Blockheizkraftwerke: Angetrieben von einem LKW-Motor. Durch die Verbrennung des Biogases werden Strom und Wärme erzeugt (Kraft-Wärme-Kopplung). Da die Bioabfallbehandlungsanlage nur 1/3 der Wärme selbst braucht, geht der Rest an den Nachbar Samson AG und die überschüssigen 55 Prozent Strom gehen ins Netz. Mein Apfelkrotzen speist also das Frankfurter Stromnetz.

Kompostierung

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Dieser Rottetunnel zur Kompostierung wurde heut Morgen frei. Foto: Désiree Schneider

Der fertige Gärrest stinkt nach Ammoniak und wird mit den frischen  Bioabfällen gemischt und für zwei Wochen luftdicht in einem der 18 Rottetunnel gelagert. Dabei erreicht die Kompost schon nach drei Tagen 65 Grad Celsius, die auch gebraucht werden, um alle Schädlinge wie Salmonellen abzutöten. Am hartnäckigsten sind hierbei die Tomatensamen. Luft wird über Düsen am Boden zugeführt und lockert den Kompost auf. Die Abluft wird entstaubt und durch einen Biofilter gereinigt. So riecht die Luft aus dem Kamin der Bioabfallbehandlungsanlage nicht verrottet, sondern vielmehr nach feuchtem Waldboden.

  1. Schritt: Dekompaktierer

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    Plastik, das der Dekompaktierer nach der Kompostierung noch aus der Erde herausssiebt. Foto: Désiree Schneider

Die verrottete und durch die Hitze verklumpte Biomasse wird mit dem Dekompaktierer wieder aufgelockert und erneut werden  die hartnäckige kleine Folienschnipsel mit der Windsichtung abgeföhnt. Da sie viel Volumen haben, aber leicht sind, lassen sie sich mit Luft von der Biomasse föhnen. „Wenn das läuft, dann schneit es hier“, schmunzelt Peter Dumin, der Leiter der Bioabfallbehandlungsanlage. Kann man sich schon fast schön vorstellen, wenn es nicht so traurig wäre. Doch das passiert, wenn Müll nicht richtig getrennt wird. Es bleibt nun nur noch gröbere Holzstücke über, die wieder zurück in den Rottetunnel verfrachtet werden, bis auch sie komplett abgebaut sind.

  1. Schritt: Kompost

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    Der fertige Kompost. Foto: Désiree Schneider

Der fertige Kompost kann nun noch mit anderen Mineralien aufgearbeitet werden. Von meinem Apfelkrotzen ist keine Spur mehr zu sehen.  Nun ist haben die Überreste des Apfels nicht nur zur Strom- und Wärmegewinnung beigetragen, sondern sind feiner sauberer Kompost, wie andere Äpfel  aus den 23.400 Tonnen Biomüll der Frankfurter Haushalte. Ein guter Nährboden für zukünftige Apfelbäume.

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Von dem Apfel ist nichts mehr zu sehen. Foto: Désiree Schneider

Ein Gedanke zu “Der Weg des Biomülls in 6 Schritten

  1. Pingback: Müllabfuhr: unterwegs mit den Jungs | Vierstimmig

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