Sascha Grammel: Er findet es lustig – sein Publikum auch

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Sascha Grammel und sein Adlerfasan Frederic in der Barclaycard Arena. Foto: Melina Seiler

Der bauchredende Puppen-Comedian Sascha Grammel wird mit einem Aufzug auf die Bühne transportiert und steht dann in einer bunten Kulisse, die den Ort seiner Kindheit darstellen soll. Links von ihm ein Süßigkeitenladen, hinter ihm die wechselnden Kulissen für seine Puppen und rechts von ihm das Reisebüro Grammel Tours. Er ist mit seinem dritten Bühnenprogramm „Ich find’s lustig“ auf Hallentour und reist durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Zweimal macht er Halt in Hamburg. Am Sonntag und Montag spielten er und seine Puppen dort in der ausverkauften Barclaycard Arena.

Er verrät seinem Publikum, dass mehr als die Hälfte seines Programms neu ist, obwohl es letztes Jahr schon im TV lief. Seine Show sei zu vergleichen mit einem Luftballon, weil es Leichtigkeit vermittelt. In jeder Stadt sucht er im Publikum ein „Wort des Tages“, das er dann ins Programm einbaut. Dafür springt er direkt mal von der Bühne, wird aber von seinem Vorhaben abgelenkt, weil er in der dritten Reihe einen leeren Platz entdeckt. Die Besucherin daneben erklärt ihr Vater sei leider krank geworden. Grammel findet es aber zu schade, dass ein Platz in der dritten Reihe nicht belegt ist und macht sich auf der Suche nach einem Interessenten. Die Frau neben dem leeren Platz hätte nichts gegen einen gutaussehenden Mann, Grammel kommt aber mit einem Kind zurück. Für die Frau auch in Ordnung, aber dann möchte sie doch ein Geburtstagslied gesungen haben und so stimmt die ganze Barclaycard Arena ein Ständchen an. Nachdem das erledigt ist, erfolgen dann doch ein paar Vorschläge für ein Wort. Ein Hamburger schlägt ganz begeistert „G20“ vor und es folgt großes Gelächter. Grammel merkt an, es solle doch eher ein lustiges Wort sein und sucht weiter. Ein Security-Mann vor der Bühne, dem Grammel das Mikrofon vor die Nase hält, ruft „Vollpfosten“. Vollpfosten wird es und Saschas Puppen lieben es, ihn immer wieder als solchen zu bezeichnen.

Das magische Auge Iris beobachtet das Publikum

Angefangen mit dem Adlerfasan Frederic Freiherr von Furchensumpf. Beim Fiebermessen öffnet Grammel immer wieder den Mund und macht lautstark „aaaaaaah“, um Frederic zu zeigen, was dieser machen soll. Der kommentiert aber lieber Grammels Mundgeruch: „Warst du beim Griechen?“ Etwas, was auch den andern Puppen später auffällt. Sascha Grammels Lieblingswitz wollen sie allerdings alle nur einmal hören. „Kommt ein Mann zum Arzt und sagt: ‚Ich glaube ich bin eine Motte.‘ Sagt der Arzt: ‚Dann sollten sie zum Psychiater gehen.‘ Sagt der Mann: ‚Ich weiß, aber bei ihnen war noch Licht an.‘ Alle Lachen, am meisten vermutlich Sascha Grammel. Nach diesem wundervollen Witz wühlen er und Frederic in dessen Zauberkiste, und unterhalten sich dann mit einem Stück Käse, das von nun an, an passenden und unpassenden Momenten der Show immer wieder ein langgezogenes „neeeee“ dazwischen ruft. Das magische Auge Iris darf kurz das Publikum beobachten, ehe es wieder in der Kiste verschwindet und Frederic mit einem Zaubertuch bedeckt wird. Er empört sich: Wenn das Ding nicht bei Drei von meinen Kopf ist, zähle ich bis vier.

Im nächsten Showteil “Bauchreden für besonders Doofe“ dreht sich alles um die Sockenpuppe Außer Rüdiger. Eine Stimme aus dem off, eine „Live CD“, kommentiert dabei Außer Rüdigers Entstehung und dessen Vorlieben.

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Grammel bei seiner Fackelshow.

Auch der mehrarmige Außerirdische Herr Schröder darf in diesem Programm nicht fehlen. Dieser ist gerade Zahnarzt geworden und wirbt: “Vom Milchzahn bis zum Vollgebiss Dr. Schröder hilft Gewiss“. Seine Sternschnuppe Ursula ist Sprechstundenhilfe und macht nebenbei ein Praktikum als Zahnfee. Über Grammels Frisur kann er sich aber auch gut aufregen und merkt bei einer Untersuchung ebenfalls dessen Mundgeruch an. Außerdem will er ihm auch immer wieder ein Los verkaufen, da er ebenfalls Losverkäufer ist. Er und Grammel leisten sich immer wieder einen sehr ironischen Schlagabtausch und kreieren einen Running Gag. Immer wieder sagen sie „nicht im geringsten“ oder „außer an Pfingsten“. Eigentlich völlig bescheuert, aber mit jedem mal tatsächlich witziger. Es wundert auch keinen mehr, dass sie einen Zahnarttermin für Pfingsten vereinbaren.

Seine Katze Mieze ist eigentlich ein Fisch

Zum „och wie süß Moment“ kommt es danach, als die niedliche und naive Schildkröte Josie aus ihrem Panzer gekrochen kommt. Sie feiert ihren 114 Geburtstag und weil sie sich an ihren allerersten Geburtstag noch so gut erinnern kann, wird es gleich noch süßer, als Grammel diese Szene mit der Babyschildkröte zeigt.

Nach eineinhalb Stunden Programm folgt die 30-minütige Pause. Danach zeigt Grammel seinem Publikum, wie sein Kindheitstraum in Erfüllung ging und er endlich eine Katze zu Weihnachten bekam. Seine Katze Mieze ist eigentlich ein Fisch und laktoseintolerant, aber sagt ihm das nicht, weil er sich ja so sehr eine Katze wünschte. Am Ende enthüllt er dann doch: Ich bin ein Einhorn. Ist ja logisch.

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Grammel geht wie er gekommen ist: mit dem Aufzug. Foto: Melina Seiler

Der Hamburger Professor Doktor Peter Hacke kommt grade vom Friseur. Er trägt jetzt lange Spagetti auf dem Kopf. Seine Frau findet das allerdings weniger lustig. Ganz im Gegenteil zu Sascha Grammel. Der immer wieder begeistert seine Jacke öffnet, damit man den Aufdruck seines T-Shirts lesen kann „ich find’s lustig“. Sehr gutes Statement, so oft wie er lacht, hätte es kaum jemand ahnen können.

Kurz vor Ende steht Grammel ohne Puppen, dafür aber mit Fackeln auf der Bühne. Er zeigt seine Fackelshow, bei der er die brennende Stäbe eindrucksvoll durch die Luft dreht. Der Witz dabei? Im Gespräch mit jeder Puppe hatter er zuvor erwähnt, dass diese Fackelshow nicht stattfinden würde.

Flachwitze und simple-dämliche Gespräche

Wie rund und stimmig sein Programm ist, zeigt Sascha Grammel als er am Ende wieder mit Frederick auf der Bühne steht und so den Anfang wieder aufgreift. Mit dabei ist allerdings auch dessen Bruder Fredolin. Und alle anderen auch, zumindest ihre Stimmen ertönen immer wieder, die der Bauchredner in sich vereint. Grammel zeigt auch, dass er gut mit roten Fäden ist, er beginnt zwar immer wieder neue Szenen mit den jeweiligen Puppen, hat aber seinen Mundgeruch nach Griechischem Essen, seine Vorliebe für das Wort Pfingsten, seine hässliche Frisur und den Aufdruck seines T-Shirts immer wieder miteinbezogen. Seine Show lebt von vielen Flachwitzen und simple-dämlichen Gesprächen, die gerade durch ihre perfekte Dosierung und Positionierung zeigen, was für ein guter Entertainer dieser Sascha Grammel ist. Und nachdem alle Leute in der Barclaycard Arena stehen und begeistert Beifall klatschen, wird es anrührend. Grammel erklärt, warum er das alles macht. Statistisch gesehen würden Erwachsene am Tag nur 15 -mal lachen, ganz im Gegensatz zu Kindern, das wolle er ändern. Er ist für mehr kindliche Leichtigkeit und lässt deswegen symbolisch einen Luftballon steigen. Denn wie sagte er Anfang so schön? Seine Show ist wie ein Luftballon.

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