Mein Social-Media-Verständnis

 

Social Media - Kopie

Social-Media-Plattformen können viel Zeit fressen. Grafik: Melina Seiler/ einzelne Bilder: Pixabay

Wenn ich mein Smartphone entsperre erfolgt meist ganz automatisch die Kontrolle meiner Social-Media-Profile. Hier eine neue WhatsApp-Nachricht, da eine neue Markierung auf Facebook und „huch“ gerade kommt ein neuer Snap rein. Am schlimmsten ist es nach dem Aufstehen, da ich meist länger schlafe als meine Freunde, habe ich morgens immer viele Benachrichtigungen abzuarbeiten. Ich gebe zu: Manchmal geht mir das auf die Nerven. Ich gehe mir aber auch selbst auf die Nerven, weil ich nicht ein bisschen weniger oft zum Smartphone greifen kann. Meine Unfähigkeit, das Ding ein paar Stunden in der Ecke liegen zu lassen, hat zur Folge: egal ob ich gerade bei Netflix eine Serie schaue, oder lerne, es liegt immer in Reichweite.

Mit 16 Jahren keine Sozialen-Medien, ich war eine Ausnahme

Klingt fast, als sei ich der Sklave meines Smartphones. Deshalb habe ich mein Nutzungsverhalten mal hinterfragt und beim Anfang begonnen:

Bis zu meinem 16 Lebensjahr besaß ich bloß eine Emailadresse und ein Handy, das kein Smartphone war. Social-Media-Profile wie auf SchülerVZ, ICQ oder Facebook hatte ich nicht. Damit war ich schon eine Ausnahme. Meine Freunde hatten bereits mit 12 Jahren diverse Profile. Irgendwann mit 16 ½ Jahren änderte sich das bei mir. Ich bekam ein Smartphone und wollte auch Facebook haben. WhatsApp wurde schnell ein wichtiges Kommunikationsmittel, Facebook nutzte ich aber eher selten. Ich schaute ab und zu mal rein, posten tat ich so gut wie nie etwas. Und als dann auch Instagram an Popularität gewann konnte ich damit erstmal überhaupt nichts anfangen. Die meisten Mädchen aus meiner Schule nutzten es scheinbar ausschließlich zur Selbstdarstellung, ein Selfie reite sich an das andere. Meine Freundinnen wurden neugierig, aber ich blieb zunächst desinteressiert. Mit 17 Jahren installierte ich mir die App dann doch aus einem „Langeweile-Moment“ heraus und postete hin und wieder ein paar Bilder aus dem Urlaub oder mit Freunden. So richtig mitgerissen war ich aber immer noch nicht.

Facebook wurde immer wichtiger, um Kontakt zu halten

Erst mit Mitte 18 und dem Beginn des Studiums ging es dann los. Facebook wurde immer wichtiger, um sich mit Kommilitonen zu verknüpfen, aber auch für Workshop-Kontakte aus ganz Deutschland oder noch wichtiger, um mit internationalen Freunden den Kontakt nicht zu verlieren. Je mehr Leute ich kannte, die mich nicht im täglichen Leben begleiten konnten, desto mehr postet ich, um sie daran teilhaben zu lassen. Andersherum habe ich aber auch immer gerne gesehen, was sie so machten. Ein ähnliches Phänomen auf Instagram. Folge ich selbst am liebsten Freunden oder Profilen mit viel Naturfotos, möchte ich auch selber ein bisschen Abwechslung präsentieren. Nur Selfies von mir wären also ein No-Go.

Mehrere Dinge sind mir an meinem Nutzungsverhalten aufgefallen:

  1. Prominente: Wenn ich Prominenten folge, sind es meist meine Lieblingsmusiker oder Schauspieler aus den Serien, die ich gucke. Ich weiß, dass sie prominent sind und würde deshalb, nie mein Leben mit dem vergleichen, was sie von sich preisgeben. Der oft genannte Kritikpunkt, dass das scheinbar „perfekte“ Leben anderer auf Instagram unglücklich macht, kenne ich so nicht.
  2. Studium und Beruf: Ich folge vielen News-Medien, vor allem berufsbedingt und habe auch viele berufliche Kontakte auf Facebook. Grundsätzlich hat meine starke Präsenz auf diesen Netzwerken viel mit meinem Beruf zu tun, so haben viele meiner Posts auch was mit dem Journalismus zu tun. Auch für mein Studium sind Facebook-Gruppen zur Organisation unabdingbar.
  3. Selbstdarstellung: Ich möchte nicht bestreiten, dass das Pflegen von Social-Media-Profilen nicht mit Selbstdarstellung zu tun hat. Aber für mich persönlich ist es wichtig, dass was dort präsentiert wird kein „Fake“ ist. Das heißt ich würde keine Stunde damit verbringen das vermeintlich „perfekte“ Selfie zu machen. Ich würde keine Situationen kreieren, die es so nicht gibt, nur um ein cooles Bild zu schießen. Was natürlich stimmt, ist, dass die Darstellung dort sehr einseitig ist, weil ich oder andere sich natürlich nicht weinend fotografieren oder ihre Misserfolge teilen. Das ist aber keine Lüge, sondern privat. Da ich aber auch gerne Gedichte und Sprüche schreibe und diese auf einer Facebook-Seite poste, finden da negative Erfahrungen und Gefühle Platz.
  4. Nutzen: Mir geht es nicht (nur) um Likes. Aber worum dann? Es geht mir tatsächlich viel um schöne Bilder und bei Menschen, die ich kenne darum zu wissen, was sie in ihrem Leben so machen. Wir lernen im Laufe unseres Lebens so viele Leute kennen, da ist es unmöglich mit allen Kontakt zu halten. Trotzdem freue ich mich auch heute noch zu sehen, was die Leute machen mit denen ich vor ein paar Jahren bei einem Workshop war. Tatsächlich habe ich über Instagram auch schon den ein oder anderen interessanten Kontakt für mein offline-Leben geknüpft und dank Facebook berufliche Kontakte gepflegt, durch die auch gemeinsame Projekte entstanden sind.
  5. Plattformen: WhatsApp ist wie bei den meisten auch mein Favorit zum Kommunizieren, ansonsten nutze ich am meisten Instagram und Facebook. Man sagt Twitter sollte jeder Journalist haben, kommt bei mir bisher allerdings nur selten zum Einsatz. Snapchat habe ich erst seit knapp einem Jahr, da hatte Instagram die Story-Funktion längst übernommen. Auch wenn viele in meinem Alter Snapchat nutzen, glaube ich ist es eher was für die Teenager von heute, ich kann damit nicht viel anfangen. Es gibt noch viele andere Plattformen, aber mir sind schon diese fünf oft zu viel, deswegen möchte ich auch nicht mehr nutzen.

Fazit: Ich bin ein sehr gutes Beispiel für meine Generation, was meine Social-Media-Nutzung betrifft. Ich würde allerdings nicht sagen, dass ich diese Plattformen willkürlich und gedankenlos nutze. Ich würde gerne herausfinden, wie ich es schaffe, dass sie mir weniger Zeit rauben und ich das Smartphone in der Tasche lasse, aber ganz missen möchte ich sie nicht. Ich kann viele Vorteile aus ihnen gewinnen und mich ihnen berufsbedingt ohnehin nicht komplett entziehen.

Ein Gedanke zu “Mein Social-Media-Verständnis

  1. Pingback: Social Media: der Maskenball | Vierstimmig

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