Die Feierwütigen und ich

Auf der Mallorca-Party Frankfurt

Ein Erfahrungsbericht.

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Die Ballermann- Stars und Sternchen der Malle-Party. Foto: Désiree Schneider

Frankfurt. Was mache ich bloß hier?

Der Boden bebt. Die tanzenden Fußpaare wirbeln Staub auf. Alles ist von einem braunen Nebel umhüllt. Ich sehe aus wie nach drei Wochen Mallorca-Sonne, bin ja auch auf einer Mallorca-Party. Der Staub findet seinen Weg überallhin. Nasse Köper drängen sich um mich, verklebt vom Schweiß und Bier. Mia Julia steht auf der Bühne. Die kleine blonde Mallorca-Queen hebt die Hände und ruft „Frankfurt ihr seid geil!“ Die Mädchen schreien, die Männer grölen voll Euphorie. Gleich platzt mein Trommelfell, alles andere als geil. Und von oben regnet es Bier.

Definitiv nicht geil.

Samstagabends: die perfekte Zeit in der Woche einmal auszugehen. Men Lieblingstag. Aber soweit sollte es letztes Wochenende nicht kommen. Es gab andere Pläne für mich: eine live Berichterstattung der Mallorca-Party in Frankfurt. So ergab sich, dass ich meinen Samstag als absolute Schlager-Hasserin im Ballermann-Paradies inmitten von 5.000 feiernden Menschen auf dem Gelände des TSG Niederrad 1898 verbrachte.

Ich mag keine Schlager, wirklich nicht. Vielleicht wird es doch besser als gedacht, versuchte ich mich noch aufzumuntern. Ich stelle mich etwas, das ich nicht mag und vielleicht werde ich ja überrascht und es stellt sich als gar kein so schlechtes Erlebnis heraus. Vielleicht ändert sich ja mein Blickwinkel auf die Schlagermusik. In der Redaktion sagt man mir noch scherzhaft: „Lass dir doch von den Jungs ein paar Bier ausgeben. Aber trink nicht zu viel.“ Nur doof, dass ich Bier gar nicht mag. (Mal davon abgesehen, dass ich mit meinem Presseeintritt alle Getränke inklusive hatte). Falsch gedacht und falsch gehofft.

Das ist noch schlimmer als Helene Fischer

Und damit meine ich nicht einmal Mia Julias eintönigen Sprechgesang oder die Atmosphäre der Veranstaltung, sondern ihre Intention: Saufgelage ab 13 Uhr. „Partyeekstase pur“, wie die Werbung auf Facebook es beschreibt. Wohl eher: Alkoholekstase mit Hitzeschlag.

Die Veranstalter, Ebert & Veth Veranstaltung GbR und Thomas Schenkel, deutscher Mallorca-Party-Planer, waren stolz, dass so viele Menschen kamen, obwohl sie nur über die sozialen Medien Werbung gemacht hatten und eine Ankündigung in der BILD erschien. Sie haben bewusst auf alle anderen Medien wie Plakaten, Flyern oder Radiowerbung verzichtet, um die Reichweite der sozialen Medien für die lokale Veranstaltung zu testen.

Und es hat geklappt: Die Lautstärke ist ohrenbetäubend. Schon beim Ausstieg an der Bahnstation Frankfurt-Niederrad, brauchte ich um vier Uhr nachmittags kein Google Maps mehr. Ich musste die letzten 600 Meter nur der Musik und dem Gegröle folgen.

Wetter wie auf Malle offenbart grausame Organisation

Das Wetter war für die Party wie bestellt. Sonnenschein pur. An sich grandios, doch schlecht hinsichtlich der armseligen Organisation. Da waren die drei Sonnenschirme und wenigen Bänke bei tausenden Menschen nicht mal von provisorischen Nutzen. Der Krankenwagen und Sanitäter waren im Dauereinsatz. Da viele die Sonne und der Alkohol oder beides zusammen schwer auf den Kreislauf geschlagen sind. Die zwei Ausgänge waren viel zu wenig und beschränken somit Zugang und Ausgang. Die schnell angetrunkenen Menschen ließen niemanden durch und waren viel zu sehr in Trance und mit sich selbst beschäftigt als hilfesuchende Mitmenschen zu beachten. Schlägereien habe ich persönlich glücklicherweise keine mitbekommen, obwohl es laut späteren Berichten welche gegeben haben soll.

Die Malle „Künstler“

Hinter der Bühne im VIP Bereich war es auch noch vergleichsweise ruhig. Die Perspektive hinter der Bühne war wirklich interessant, man hatte einen super Überblick. Und einmal unter uns, steht man neben Mia Julia (Mallorca da bin ich daheim) wirkt sie so klein und fragil, ja schon unscheinbar. Eher wie eine Teenagerin als de 30-jährige Bierkönigin, die sie ist. Sie hatten ihren Auftritt zum abendlichen Auftakt schon um 18 Uhr, als alles noch recht sittlich zur Sache ging. Und durfte als die Mallorca-Queen als Highlight auf einer Ballermann-Party natürlich nicht fehlen.

Vervollständigt wurde das Mallorca-Kader durch Axel Fischer, Rick Arena, Sabbotage, Almklausi, Killer Michel, Honk!, Marry und mit  Mikkie Krause sowie Ikke Hüftgold (Dicke Titten Kartoffelsalat) als weitere zwei Highlights. Allesamt Gutelaunemacher, welche nicht durch ihr musikalisches Talent, sondern die Wiederholung von sinnlosen Texten und Floskeln und unablässigen Händeklatschen, der Benutzung von „coolen“ Schimpfwörtern und viel „Herumgehopse“ die Massen anheizen.

Doch auch wenn man von den Liedern und den Texten nicht mehr Niveau erwarten kann, war der Anblick der Menschen, die zum Takt der Musik mithüpfen und sich dabei gegenseitig selbst umrempeln und umstoßen, nicht erfreulich. Jedenfalls nicht, wenn man selbst nüchtern bleibt. Einzig Mickie Krause (Biste braun, kriegste Fraun) hat sich nicht selbst gänzlich zur Lachnummer gemacht und durch seine Selbstironie ein paar gute Lacher gepunktet. Der Rest waren alles leere Worte, gefolgt von noch mehr „Und jetzt, singt mit: Tadada dada dada da da dada da. Da da da.“ So tiefsinnig, dass ich es gar nicht zu entschlüsseln vermag.

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Mickie Krause rockt die Bühne. Foto: Désiree Schneider

Nach der Bierdusche war es für mich endgültig gelaufen und meine Stimmung im Keller. Hatte ich schon erwähnt, ich mag kein Bier. Nun noch weniger. Zusammen mit meinem neuen Teint und der neugewonnen Erkenntnis mache ich mich auf den Heimweg: Schlager und Helene Fischer sind mir allemal lieber!

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Da brauche ich gar keinen Selbstbräuner mehr. Foto: Désiree Schneider

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