Schnitzel mit Rahmsoße – aber bitte vegan

Ein Kommentar.

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Schnitzel mit Rahmsoße gibt es auch als vegane Variante. Foto: Pixabay

Vergangenes Wochenende sah ich im Supermarkt Pflanzenbutter. Da kam mir die Forderung unseres Agrarministers Christian Schmidt (CSU)  nach einer wahrheitsgemäßen Benennung von vegetarischen und veganen Produkten auf ihrer Verpackung und das daraus resultierende Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGh) dieses Monats wieder in den Sinn: Es soll nur draufstehen, was auch drin ist. Drum darf vegane Butter nicht mehr Pflanzenbutter heißen. Ein gutes Prinzip, aber dann darf der Fleischkäse auch nicht mehr als Fleischkäse verkauft werden. Da ist ja gar kein Käse drin. Und ebenso der Fleischsalat, der gar kein Salat beinhaltet und die Teewurst, ohne Tee.

Die Bezeichnung Milch darf nicht für pflanzliche Produkte verwendet werden. Schluss mit veganer Milch, veganem Käse und Joghurt. Um so zu heißen, muss das Erzeugnis aus dem Euter kommen. Jegliche anderen Zusatzbezeichnungen, die auf die eigentliche rein pflanzliche Herstellung des Produkts hinweisen, werden nicht anerkannt. Fleischprodukte sind vorerst außen vorgelassen.

Kokosmilch – die Ausnahme

Laut Gerichtsentscheid des EuGh sei sie ein Erzeugnis, dessen Herkunft aufgrund der traditionellen Verwendung bekannt ist. Dass aber eine angebliche allgemeine Bekanntheit nicht vor allgemeiner Dummheit oder eher Ignoranz schützt, zeigen die vollen Mülleimer der Sicherheitskontrollen am Flughafen. Bereits seit fast 11 Jahren (November 2006) gelten Flüssigkeitsbeschränkungen für das Handgepäck, doch bis heute sind die Tonnen täglich voll mit Trinkflaschen. Demnach kein schlagkräftiges Argument.

Aber es gibt nun wahrlich wichtigere Dinge, über die Herr Schmidt sich Gedanken machen sollte: Wie unterstützen wir regionale Bauern? Was tun gegen die unmoralische Massentierhaltung? Welche sich hinter Pseudo-Siegeln wie „artgerechte“ Tierhaltung versteckt und als Billigfleisch vermarktet wird.

Bio-Siegel unerwünscht

Da ist die „irrleitende“ Betitelung von vegetarischen oder veganen Produkten im Supermarktreal, bei der fast immer noch lesbar ein Hinweis auf die nichttierische Herkunft verwiesen wird, doch wirklicher Kleinmist gegen. Wieso sollte ein Produkt auch nicht Tofu-Würstchen oder Pflanzenbutter heißen?

Mit einem pflanzlichen Symbol ähnlich wie das Bio-Siegel kann man mit einem generellen Erkennungszeichen dieser Produkte Klarheit unter den Verwirrten schaffen. Die Würstchen bestehen aus Tofu. Doch haben sie nun einmal die Form und Funktion eines eigentlichen Fleisch- Würstchens. Genauso steht es auch mit dem veganen Joghurt und Käse.  Durch den Namen soll diese Assoziation hervorgerufen werden, dass sie die alternativen Ersatzprodukte die gleiche Verwendung wie ihre ursprüngliche finden. Aber nein, eine Kennzeichnung durch ein Symbol der Siegel allein ist unakzeptabel. Soll das Produktmarketing nun so kreativ werden und neue Namen für ihre Produkte erfinden, wo der Kunde nicht mehr weiß, zu was sie von Nutzen sind?

Der EuGh will die Verbraucher vor einer Verwechslungsgefahr schützen. Dabei ist es eine bloße Unterstellung an die Hersteller, sie würden die Verbraucher täuschen wollen.

Es ist eine belanglose Spielerei

Eine simplere Lösung wäre einen neuen Lebensmittelspate für vegetarische und vegane Ersatzprodukte im Supermarkt einzuführen. Doch dann bleibt ja immer noch das Problem der Geschmacksnachahmung: Das könnte ja immer noch die falsche Geschmackassoziation hervorrufen! Natürlich unbeachtet der ganzen Geschmacksverstärker und chemischen Zusatzstoffe die versuchen den Geschmack und beispielsweise auch die Fleischoptik nachzuahmen.

Die ganze Geschichte ist ein Schnitzel überzogen mit einer Panade aus Belanglosigkeit. Mein Credo: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

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