Auf dem Erdbeerfeld: Das fruchtige Glück in roter Gestalt

Ein Erfahrungsbericht.

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Rot und Grün, der leckerste Kontrast überhaupt. Foto: Désiree Schneider

Dorlar. Am Sonntag waren meine Oma, mein Bruder und ich zusammen Erdbeerpflücken. Das erste Mal für jeden von uns. Freunde haben mir schon so viel davon vorgeschwärmt: Frische Erdbeeren, selbst ausgesucht und auch noch so günstig! Immer wieder präsentierten sie mir stolz ihre Erdbeer-Ausbeute. Natürlich durfte ich auch mal kosten und es war herrlich. Also musste ich es als absoluter Erdbeer-Fan auch selbst ausprobieren. Die letzten Tage waren sonnig, es sollte also reichlich rote Erdbeeren geben.

So machten wir uns auf den Weg zum gelobten Erdbeerfeld zwischen Lahnau/Dorlar und Waldgirmes (Hessen). Meine Oma will sich ein paar Gläschen Marmelade kochen. Ich will sie nicht großartig verarbeiten oder einfrieren. Mein Bruder und ich pflücken sie zum Freiverzehr, zur sofortigen Vernichtung.

Weite Anreise für die „Wetterauer Früchtchen“

Es ist viel los. Die Menschen kommen von überall her, wie die Nummernschilder der geparkten Autos verraten: Bad Homburg, Gießen, Marburg. Sie kommen aus allen Richtungen und reisen teilweise bis zu 60 Kilometer an, um ihre Körbe mit den „Wetterauer Früchtchen“ hier in Dorlar zu füllen. Manche sammeln Erdbeeren zum Einkochen, andere nur für einen Erdbeerboden oder einen Obstsalat. Aber egal wofür, ein Besuch auf einem Erdbeerfeld ist ein toller Wochenendausflug für die Familie. Viele sind mit ihren Kindern und sogar Babys da. Es gibt reichlich Erdbeerfelder in Deutschland, doch sind sie weit verstreut. Die Erdbeerkarte der Webseite Proplanta.de  bietet einen praktischen Überblick über Deutschlands Erdbeerfelder zum Selbspflücken und ihrer Öffnungszeiten.

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Das Erdbeerfeld in Lahnau/Dorlar. Foto: Désiree Schneider

Selber ernten ist beliebt

Hier kostet das Kilogramm 3,50 Euro. Eine günstige Alternative zu den noch überteuerten Erdbeerpreisen im Supermarkt. Und es macht auch noch Spaß, sich seine Erdbeeren selbst auszusuchen! Das Feld hat schon ab Mitte Mai geöffnet und das Geschäft scheint gut zu laufen.  Alleine aus meinem Bekanntenkreis haben hier schon viele öfters Ausbeuten von fünf bis zehn Kilogramm gemacht. Eine Freundin würde ich sogar schon als Stammkundin bezeichnen, was ich bei diesem himmlischen Anblick auch nur verstehen kann.

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Zwischen den Pflanzenreihen ist genug Platz zum bequemen Erdbeersammeln. Foto: Désiree Schneider

Der junge Erdbeerverkäufer an der Waage im Erdbeerstand bestätigt meine Vermutung: „An guten Tagen haben wir bis zu 350 Kunden, wobei ein Kasseneintrag als ein Kunde gezählt wird, das kann also eine achtköpfige Familie sein, die sich einen Eimer voll Erdbeeren pflückt oder auch ein Pärchen, dass zweimal kommt und zweimal bezahlt – das wird dann als zwei Kunden gerechnet.“

Rein ins rotgrüne Meer

Zuerst werden unsere Schalen abgewogen, damit das Gewicht später von dem Füllgewicht abgezogen werden kann und wir wirklich nur das Gewicht von den Erdbeeren zahlen, die wir gesammelt haben. Dann geht’s aufs Feld, dem fruchtig-süßlichen Erdbeergeruch entgegen.

Es ist gar nicht so groß, doch gibt es viele gerade und landläufige Reihen. Die Erdbeerplfanzen sind dicht aneinandergereiht. Es ist locker genug Platz, seine Sammelgefäße und Eimerchen und sich selbst bequem zwischen den Erdbeerreihen zu platzieren und zu pflücken. Und obwohl so viele Menschen da sind, verläuft es sich schnell. Die kleinen Pflanzen sind ertragreich. Die besten Erdbeeren verstecken sich unter den grünen Blättern. Das Pflücken ist nicht mühsam, trotzdem füllt sich mein Schälchen nur langsam. 1-2-1-2. Das ist mein Arbeitstakt. Ich pflücke eine schöne Erdbeere für das Schälchen und schiebe mir noch zwei Schönere in den Mund.

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Glücklich und sattgegessen im Erdbeerfeld. Foto: privat

Meine Oma war da wesentlich schneller und hilft meinem Bruder und mir noch beim Ernten. Sie hat eine andere Arbeitsphilosophie: erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Also nascht sie erst los, als ihr Eimer voll ist.

Um mich herum, ermahnen die Eltern ihre Kinder nicht nur zu essen, sondern auch mal ein paar Erdbeeren in den Korb zu legen. Als ein kleines Kind ruft: „Ich will aber die Rote da essen!“, folgen mahnende Blicke. Dabei hat es doch ohnehin das ausgesprochen, was alle machen, aber keiner sagt: Iss dich satt. Was man an Erdbeeren nascht, muss man ja nicht bezahlen.

Unsere Ausbeute: 3,5  Kilogramm

Die müssen, frisch wie sie sind, in den nächsten zwei bis drei Tagen gegessen werden, das sollte aber kein Problem sein. Da wir mehr haben als erwartet, überlege ich mir das mit dem Erdbeerboden doch noch einmal. Vielleicht werde ich ja nun auch Stammkunde, die nächsten zwei Monate ist ja noch Erdbeersaison. Dann kann ich meinen Freunden ja auch mal ein paar Früchte leihen.

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Unsere Ausbeute: 3,5 Kilogramm Erdbeeren. Foto: Désiree Schneider

Meine Oma ist genauso begeistert wie ich. Obwohl sie selbst schon seit klein auf selbst Erdbeeren im Garten hat, will sie bei einem größeren Bedarf an Erdbeeren nicht mehr ihre eigenen einfrieren und sammeln, sondern einfach auf dem Erdbeerfeld pflücken. So bleibt ihr Garten für den spontanen Eigenverzehr geschont. (Super, noch mehr Erdbeeren für mich!)

Laut des Erdbeerverkäufers ist das Erdbeerfeld profitabel und lohnt sich auf jeden Fall, die Menschen dürften sich nur nicht durchfuttern. Nachdem ich die Frage gestellt habe, stehe ich am Ende etwas betreten mit meinen roten Fingerspitzen und rot verschmierten Mundwinkeln an der Kasse.

 

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