#3 Mein Auslandssemester in Brighton

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Brightons Steinstrand ist beeindruckend schön. Foto: privat

Schon von Beginn an wussten wir, dass das Auslandssemester an unserer Hochschule Pflicht ist, das ist ein Grund, warum ich mich dort für ein Studium entschieden habe. Mein Wunsch war es schon immer mal einige Zeit im Ausland zu leben und zu studieren. Wo es bei mir hingehen sollte? Da musste ich nicht lange nachdenken – auf jeden Fall nach Großbritannien! Bereits ein Jahr vor Beginn des Auslandssemester hatte ich mich für die University of Brighton entschieden, die wohl beste Entscheidung, die ich treffen konnte.

Warum ich Großbritannien wählte? Nach vielen Besuchen (Praktika, Sprachreisen und Urlauben) habe ich dieses Land und vor allem die englische Sprache schätzen gelernt. England fasziniert mich durch seine Schönheit, aber auch durch seine Historie, Kuriosität und Andersartigkeit. Brighton kannte ich durch Tagesausflüge von meinen zwei Sprachreisen sowie einem Kurzurlaub. Der Charme der Stadt überzeugte mich bereits bei meinem erstem Besuch 2010 durch den Royal Pavilion, der so gar nicht in das Stadtbild zu passen scheint, und das Meer mit den dazugehörigen zwei Piers. Auf die University of Brighton wurde ich bereits bei einer Sprachreise im Jahr 2013 aufmerksam als mir eine junge Britin bei einem Gespräch begeistert von ihrem Studium dort berichtete. Sie behielt Recht, nach knapp viereinhalb Monaten vor Ort und zwölf Wochen Vorlesungen kann ich ihre Begeisterung nur teilen – und meine Freundin Michèle, die mit mir zusammen in Brighton war, mit Sicherheit auch.

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Solche eindrucksvollen Sonnenuntergänge werde ich nicht so schnell vergessen. Foto: Vera Brüssow

Ein Wohnheim mitten im Nirgendwo

Die University of Brighton hat insgesamt fünf Standorte, drei davon in Brighton, einen in Hastings und einen in Eastbourne. Unser Studentenwohnheim lag mitten im Nirgendwo, im Außenbezirk Falmer etwa sieben Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, wo es außer einer Kirche, einem Stadion, einem Farmshop und ein paar wenigen Häusern, nur Felder, Wiesen, Bäume und unzählige Schafe gibt. Gelebt habe ich im Wohnheim mit sieben anderen Mitbewohner/innen (ein Amerikaner, eine Amerikanerin, zwei Griechinnen und drei Britinnen). Zum Glück hatte ich mein eigenes Schlaf- und Badezimmer, nur die Küche mussten wir uns teilen, was immer Mal wieder zu nervigen Situationen führte – denn niemand außer mir brachte den Müll raus und die meisten waren zu faul, um zu spülen. Insgesamt war ich aber zufrieden in dieser Wohngemeinschaft, denn zu hören war hier nicht viel, außer einer dauerhaft telefonierenden Griechin (auch beim Kochen, immer und überall) und einer singenden Britin. Das konnte ich aber gut überhören und ich bin froh, dass ich in der Regel ruhige Nächte ohne laute Parties hatte.

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Haus 31A war knapp viereinhalb Monate mein Zuhause. Foto: Vera Brüssow

Die Kurse, eine durchaus interessante Wahl

Drei Kurse musste ich laut Studienrahmenplan belegen. Ich entschied mit zusammen mit Michèle für: „Social Action and Community Media“, „Mobile Media Culture“ und „Social Media Applications“. Außerdem belegten wir noch den zusätzlichen Kurs „British Culture“. Vorab kann ich schon mal festhalten, dass der Workload hier deutlich höher ist als ich ihn bisher gewohnt war. Zu jedem Kurs ist das „Key Reading“ Grundlage, um die Vorlesung mitverfolgen zu können. Auch wenn das „Key Reading“ sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat und ich so einige Wörter im Online-Wörterbuch nachschauen musste, habe ich doch Vieles gelernt und ich bin im Nachhinein froh, dass ich so diszipliniert gelesen und gearbeitet habe, denn so fiel es mir am Ende leicht mich in meinen Notizen zu Recht zu finden, als ich die Essays für die Kurse geschrieben habe. Anders war auch der Aufbau der Kurse, teilweise folgten nach den eigentlichen Frontalvorlesungen Seminare, deren Sinn ich noch immer nicht verstanden habe. In kleinen Gruppen sollten wir dort Gelerntes gemeinsam aufarbeiten und Fälle lösen oder sogar ganze Seminare selber vorbereiten. Besonders gefallen hat mir „Mobile Media Culture“, in diesem Kurs habe ich wahnsinnig viel gelernt und mein Wissen rund um Smartphones und moderne Technik vertieft. In „Social Media“ haben wir an einem Projekt gearbeitet und für eine Charity-Organisation die sozialen Netzwerke bespielt. Das war der Moment, in dem ich festgestellt habe, dass mich gerade der Bereich soziale Medien reizt und ich vielleicht sogar darin arbeiten möchte.

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Field Trips und eigenverantwortliche Reisen

Das Study Abroad Office organisierte für uns Auslandsstudenten insgesamt sechs sogenannte „Field Trips“ nach London, East Sussex, Bath und Stonehenge, Rye und Bodiam Castle, Paris sowie Oxford und Stratford. An vier Trips nahm ich teil, Paris und Oxford/Stratford ließ ich aus. England ist wunderschön und eine Reise wert, dieses Land bietet viele tolle, historische Städte mit unzähligen Sehenswürdigkeiten. Ich liebe es zu reisen und neue Orte zu entdecken, deshalb setzte ich mir als Ziel so viel wie nur möglich von England zu sehen und zu bereisen. Die „Field Trips“ waren eine gute Ausgangslage, sonst hätte ich wohl nie Stonehenge zu sehen bekommen. Beeindruckend war es auch Beachy Head im Schnee und bei Eiseskälte zu sehen. Bodiam Castle, ein wunderschönes Wasserschloss, kann ich genauso empfehlen wie die Roman Baths in Bath. Neben diesen organisierten Reisen reiste ich auch viel alleine, teilweise zusammen mit Michèle und teilweise mit meinem Freund und meinen Eltern, die mich besuchten. Eastbourne, Lewes, Seaford, Worthing, Southampton, Portsmouth, Bournemouth und Oxford sind nur ein paar Städtenamen, die ich hier aufzählen möchte, alles andere sprengt den Rahmen. Dass ich so viel sehen und erleben durfte, hat mich geprägt. Ich habe Neues über die britische Entwicklung und Geschichte erfahren und das Land noch mehr lieben gelernt.

Internationale Freundschaft

Etwas enttäuscht war ich schon, als ich am Einführungstag erfuhr, dass außer uns zwei Deutschen nur 16 weitere Amerikaner/innen und ein Neuseeländer ein Auslandssemester an der Universität absolvieren. Ich hatte mir doch gewünscht einen bunten Mix zu erleben, mit Asiaten, Spaniern, Italienern oder Franzosen, denn dann hätte ich mal endlich wieder Spanisch oder Französisch anwenden können, doch daraus wurde leider nichts. Immerhin kannten sich die Amis vorher nicht. Sie alle kamen aus einem anderen US-Bundesstaat, so war dieser Mix immerhin gegeben. Mit zwei von Michèles Mitbewohnerinnen freundeten wir uns ganz besonders an. Ich würde behaupten, dass in den knapp viereinhalb Monaten eine Freundschaft entstanden ist, die ich auch nach Beendigung des Auslandssemester weiterhin pflegen möchte. Mein Wunsch ist es sowieso mal in die USA zu reisen und dort möchte ich die Mädels unbedingt wiedertreffen, denn wir hatten zahlreiche lustige und schöne gemeinsame Nachmittage und Abende.

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Der Blick von Peacehaven auf die Kreidefelsen bis nach Brighton. Foto: Vera Brüssow

Eine bereichernde Erfahrung 

Mein Auslandssemester in Brighton zu machen, war die beste Entscheidung. Ich werde die Zeit hier mein Leben lang nicht vergessen und mit Sicherheit in vielen Jahren noch meinen Enkelkindern davon berichten. Ich bin hier noch erwachsener und unabhängiger geworden, ich weiß, wie es ist einige Zeit im Ausland zu leben. Mein Lebenstraum hat sich erfüllt. Mit Michèle an meiner Seite hatte ich eine wunderschöne Zeit, die uns immer verbinden wird. Auch wenn wir nicht ständig aufeinander geklebt haben und unabhängig voneinander etwas unternommen haben, haben wir unzählige gemeinsame Erinnerungen gesammelt. Ich habe für mich festgestellt, dass ich Großbritannien noch mehr lieben gelernt habe, dass Englisch eine wunderschöne Sprache und Brighton eine wunderschöne Stadt ist. Ein Auslandssemester, egal wo, kann ich nur empfehlen, denn erst hier lernt man wirklich, was es heißt in einem anderen Land zu leben, die Sitten und Marotten der Einwohner kennenzulernen und nicht seine Muttersprache zu sprechen. Abgesehen von der ständigen Warterei auf Busse und Menschen, habe ich durchweg nur positive Erfahrungen gemacht. Ich bin stolz, dass ich die Chance genutzt habe und so viele wunderschöne Wochen verbracht habe.

 

Ein Gedanke zu “#3 Mein Auslandssemester in Brighton

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