Das Erinnerungsalbum meiner Freundschaften

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Freundebücher sind nicht nur für Kindern interessant. Foto: Désiree Schneider

Wer sind deine Freunde? Warte, ich schlage mal nach. So hat zwar noch nie jemand reagiert, Freunde sind ja auch keine Telefonnummern, die man einfach mal so nachschlägt. Doch haben wir sie alle einmal geführt: Unsere Freundebücher. Sie haben uns treu durch unsere Grundschul- und zu Beginn unserer Mittelstufentage begleitet. Doch ich habe nochmals ein Freundebuch zu meinem 18. Geburtstag geschenkt bekommen. Seit gestern ist auch die letzte Seite ausgefüllt.

Eine Erwachsene mit Freundebuch?

Diese Reaktion habe ich oft von Menschen zu sehen bekommen, sobald ich ihnen das Freundebuch zum Ausfüllen reichte. Sie waren meistens verwundert oder völlig überrascht und haben die Geste mit einem Lächeln abgetan. Dabei ist wohl eher die Frage: Wieso auch nicht? Erwachsene Menschen haben auch Freunde.

Viele meinten, was für eine süße Idee das Freundebuch in meinem Alter doch sei. Genau das gleiche dachte ich mir auch, als zwei Freudinnen mir das Buch zu meinem 18. Geburtstag schenkten. Ich war wirklich begeistert und wollte nicht, dass es nur ein leeres Spaßgeschenk blieb. Also wollte ich es füllen, eine Unternehmung, dass ich mit noch keinem meiner zwei Freundebücher aus Kindertagen geschafft hatte. Meine ersten zwei Einträge hatte ich ja schon, da meine zwei Geschenkgeberinnen sich selbst bereits eingetragen hatten. Perfekt.

3 Jahre, 3 Monate und 14 Tage später

Die ersten Seiten waren schnell gefüllt. Da alle meine Geburtstagsgäste sich eintragen durften. Ich aber nur in einer kleinen Runde gefeiert, also waren es auch nur Menschen, die mir am Herzen lagen. So sollte es auch bleiben: Jede eingetragene Person, die in dieses Buch schreibt, ist mir wichtig und besonders. Der erste Eintrag erfolgte am 13. Februar 2014, nun 3 Jahre, 3 Monate und 14 Tage später ist es voll, voller Menschen, an die ich mich gerne erinnere.

Dazu gehören mein engster Freundeskreis, sowie Menschen, mit denen ich mich gut verstanden haben und mit denen ich auf einer Wellenlänge bin. Es sind Menschen aus meiner Abiturzeit, von meinen Reisen, Kommilitoninnen und Kommilitonen sowie aus meinem Auslandssemester. Doch habe ich länger gebraucht, das Buch zu füllen, als ich dachte oder zuvor angenommen hatte. Man trifft eben nicht täglich Menschen, mit denen man harmoniert und die sich für mein Freundebuch „qualifiziert“ hätten, abgesehen von den vielen Malen, die ich vergessen habe, das Buch mitzunehmen oder einfach nicht daran gedacht habe.

Die Herausforderungen eines Kinderfreundebuches

Rückblickend betrachtet, ist ein Eintrag in ein Freundbuch eine schöne Freundschaftsbekundung. Auch wenn es sich in meinem Fall um ein Freundebuch für Kinder handelte und man Fragen entsprechend modifizieren musste, da niemand mehr auf eine Schule, sondern Hochschule oder Universität ging, macht es eine riesen Freude, die Einträge zu lesen. Anders als in den früheren Freundebüchern sind sie selbst geschrieben und nicht mehr von den Eltern vorgeschrieben, dafür war das Ausfüllen aber anscheinend gar nicht mal so einfach. Oft wurden gerade über die einfachen Fragen lange nachgedacht und ihre Beantwortung und Bedeutung tiefstgehend diskutiert: Was ist eigentlich mein Lieblingstier? Habe ich so etwas? Oder: Mein Lieblingsessen? Also, das, wofür ich nachts zum Kühlschrank gehen würde. Und was, wenn der Kühlschrank leer ist?

Es hat etwas Altmodisches, doch auch Beständiges an sich. So ein Freundschaftsbuch ist etwas handfestes und persönlicheres als eine digitale WhatsApp Nachricht, ein Herzchen auf der Facebookpinnwand oder eine SMS. Daher war es für mich eines der besten Geschenke, die ich je bekommen habe. Und es ist schon nun ein wunderbares nostalgisches Memento der schönen Tage, mit dem ich viel verbinde. Das Erinnerungsalbum meiner Freundschaften.

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