Bier, Bollerwagen und Auto

Ein Kommentar.

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Traditionell begeben die Väter sich am Vatertag mit Bier und Bollerwagen auf Wanderschaft. Foto: Pixabay

Vatertag ist ein weiterer Tag in unserem Kalender. Eine weitere soziale Marotte wie Muttertag oder Valentinstag. Menschen gehen Geschenke kaufen wie an einem Geburtstag, mit der Ausnahme, dass es ein ganzes Land am gleichen Tag in die Geschäfte stürmt und Männer gehen mittags aus, um sich zu betrinken. Doch die ganze Vatertagskultur ist nur eine Farce, um ein weiteres Saufgelage zu legitimieren. Ein Verhalten das nicht nur einen selbst, sondern vor allem auch andere in Gefahr bringt.

Er ist gesellschaftlich konstruiert

Vatertag, der Männer und auch Herrentag genannt ist das Pendant zum Muttertag. Ein Tag zu Ehren der Väter, der auch wie der Muttertag amerikanischen Ursprung hat. Denn nicht nur die Mütter haben viel geleistet, sondern auch die Väter, sie haben hart gearbeitet und sind für die Familie und den Schutz der Heimat in den Krieg gezogen. Wie kann man solche Taten und Leistungen am besten Ehren? Natürlich, indem man einen offiziellen Ehrentag ernennt. So ernannte Präsident Nixon 1974 zum Feiertag – jedoch kein arbeitsfreier Tag mit geschlossenen Läden – sondern ein Ehrentag zur Anerkennung und gab ihm damit gesetzlich dem selben Status wie dem Muttertag.

Bei uns ist er ein gesetzlicher Feiertag und wird immer 39 Tage nach Ostersonntag zusammen mit Christi Himmelfahrt gefeiert. Daher fällt er jedes Jahr auf einen Donnerstag.  Die einen sehen es in Kombination mit einem Brückentag als jährliches langes Wochenende, an dem man perfekt einen Ausflug oder eine schöne Auszeit planen kann und die anderen als männliches Saufgelage.

Du bist männlich, wenn du saufen kannst

Jedes Jahr kann ich den Beginn und das Ende der Männerwanderungen an dem besagten Donnerstag beobachten. Ganze Männergruppen ziehen ähnlich wie am ersten Mai mit Bier und Bollerwagen los und lassen den Tag mit einer Kneipeneinkehr enden. Ich konnte beim Kellnern schon so einiges erleben. Die Wangen rot, die Stimmung gehoben und immer eine leichte Spannung in der Luft, wie das unter der Spezies Mann so ist. Mit steigendem Bierpegel kocht anscheinend auch das Testosteron mit hoch. Männer müssen ihre Männlichkeit unter Beweis stellen. Das entspricht einem gängigen Bild und längst nicht der Norm, doch die Ausreißer schreiben Schlagzeilen und kreieren somit leider das Allgemeinbild.

Vatertag: Unfälle unter Alkoholeinfluss steigen

Vatertag ist nur ein Termin im Kalender, ein soziales Konstrukt, das wir nutzen, um ein weiteres Saufgelage zu legitimieren. Solange die Männer nur unter sich zu Fuß unterwegs sind, können sie so blau sein, wie sie nur wollen, sie können ja nur ihrer Leber und sich selbst schaden. Aber wer den Tag feuchtfröhlich genießt, soll gefälligst das Auto stehen lassen. Am Vatertag passieren neben Silvester jedes Jahr die meisten Verkehrsunfälle wegen Alkohol hinterm Steuer. 2015 gab es aus genau diesem Grund allein in Deutschland am Vatertag 254 Alkohol­unfälle, mehr waren es nur an Neujahr mit 264 Unfällen. Im Verkehrsunfallkalender des Statistischen Bundesamts kann man das Unfallgeschehen der vergangenen zehn Jahre von 2015 rückwärts einsehen und leicht einsehen, dass der Vatertag ein schockierend unfallreicher Tag ist .

Verantwortung für sich und andere übernehmen

Abgesehen davon, dass der eigentliche christliche Feiertag Christi Himmelfahrt und die Rückkehr Jesu Christi als Sohn Gottes zu seinem Vater in den Himmel durch den Vatertagsbrauch an Bedeutung verliert, wieso brauchen wir überhaupt einen Tag, um Vater oder Mutter zu ehren? Wir sollten ihnen unsere Wertschätzung tagtäglich entgegenbringen. Wir brauchen keine Legitimation, trinken zu gehen oder einmal über die Stränge zu schlagen, dazu kann jeder andere Anlass Grund genug sein, doch müssen wir lernen Verantwortung für uns und andere zu übernehmen. Egal, aus welchen Gründen man Vatertag feiert oder wie oder was man davon hält, es ist kein Freifahrtschein für rücksichtsloses Verhalten und Trunkenheit hinter dem Steuer. Ihr seid doch alle Väter und wollt nicht das Kind eines anderen Vaters auf der Kühlerhaube oder unter den Reifen wiederfinden.

Wir brauchen keinen Vatertag und auch keinen Muttertag, sondern verantwortungsvolle Eltern.

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