#5 Journalisten-WG: Schreiben ja, aufräumen nein

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Auf dem Balkon sitzen und gemeinsam arbeiten ist super. Aber wer räumt später das Geschirr weg? Foto: Pixabay

Für Praktika hat es mich schon mehrfach in die Medienstadt Hamburg verschlagen. Jeder Aufenthalt begann mit der Wohnungssuche und die belief sich meist über Kontakte. So kam es, dass ich gleich mehrfach in einer Journalisten-WG landete. Die Vorstellung fand ich zunächst spannend. In Gedanken stellte ich mir Abende auf dem Balkon vor, bei denen wir nicht nur gemütlich ein Bier trinken, sondern auch tiefgründige Gespräche über die Welt, unsere Berufsbranche und überhaupt übers Schreiben führen. Ich ging davon aus, dass der gemeinsame Job gemeinsame Gesprächsthemen und Interessen anregen würde.

Ja es gab sie, die Grillabende auf dem Balkon mit Gesprächen und Diskussionen. Es gab die Momente, in den wir zusammen in der Küche saßen und über den jeweiligen Arbeitstag sprachen. Wir haben uns für die gegenseitige Arbeit interessiert und uns unsere Texte gezeigt. Aber gleicher Job heißt nicht, dass wir überall auf der gleichen Wellenlänge waren.

Dass der Müll auch geleert werden muss oder Geschirr gespült, um erneut benutzt zu werden, war für mich Allgemeinwissen. Logische Regel des Alltags. Mögen wir bei der optimalen Strukturierung einer Meldung übereinstimmen, in der Haushaltsführung tun wir es nicht. Einen Spülschwamm nach der Benutzung auszuwringen ist zwangsläufig nötig, damit er nicht nach kurzer Zeit eine Keimschleuder ist und stinkt. Ebenso sollte ein Geschirrhandtuch auch regelmäßig in der Waschmaschine landen.

Ich würde mich nicht über ein paar Staubkörner oder Wollmäuse streiten, aber wenn ich mehr Staub als Boden sehe, wird es kritisch. Wenn die Essensreste von vor vier Tagen immer noch auf dem Balkon stehen ist es nicht mehr idyllisch. Dabei kann es doch auch so harmonisch sein, wenn wir Seite an Seite vor unseren Laptops sitzen und Texte schreiben. Es ist so schön, wenn man sich gegenseitig nach Rat fragen kann. Wenn man miteinander lebt anstatt aneinander vorbei. Das Motto „schreiben ja, aufräumen nein“ ist für eine gewisse Zeit vielleicht lustig, aber falls ich jemals langfristiger in eine WG ziehe, finde ich eine ähnliche Haushaltsführung erstrebenswerter als einen ähnlichen Beruf. Schließlich sehe ich andere Journalisten schon oft genug.

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