#4 Die WG-Falle: Achtung vor dem Mietvertrag

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Im Mietvertrag verstecken sich die größten Fettnäpfchen. Foto: Pixabay

Wenn man neu in eine Wohngemeinschaft zieht, raus aus dem Elternhaus und rein ins eigene Leben, ist die Freude groß. Sich eine Wohnung zu teilen, ist beliebt und oft auch die die kostengünstigere Variante. Man kann Geld sparen und hat jemandem zum Blumengießen – wenn alles gut läuft. Doch leider beginnen die meisten Probleme schon bei dem Mietvertrag. Auch wenn es die Euphorie anfänglich trübt, manchmal ist es besser auf Eltern zu hören, um nicht ins offene Messer zu laufen.

Ihr konntet in den vorigen drei Berichten lesen, wie schön das Leben in einer Wohngemeinschaft trotz Anstrengungen aufgrund von Putzverweigerern, Nachteulen und Frühaufstehern oder auch Dauerbesuchern sowie kultureller und charakterlicher Unterschiede sein kann. Das ist es auch in der Tat, sobald man die für sich passende WG gefunden hat. Dabei hängt die Entscheidung nicht nur vom erste Eindruck der Wohnung und Mitbewohner ab, sondern vor allem auch vom Mitvertrag. Als ich vor dem Studium in meiner erste WG zog, habe ich den Rat einer Eltern missachtet, noch einmal genauer über den Mietvertrag zu schauen, bevor ich unterzeichnete und darf heute, zwei Jahre später noch die Konsequenzen tragen.

Alle unterschreiben: mitgehangen, mit gefangen

Unterschreibt nur ein Bewohner der WG den Mietvertrag, ist er alleine für die fristgerechte Mitzahlung verantwortlich. Unterzeichnet aber jeder Mieter einzeln den Vertrag, sind auch alle zur Zahlung verpflichtet, dabei achtet besonders darauf, wie die Zahlungsverpflichtungen innerhalb einer WG geregelt sind. Ergo, wer den Mietvertrag unterschreibt ist Mieter. Unterschreibt nur einer, sind die anderen WG-Mitglieder Untermieter. Und nur der Mieter oder die Mieter, die unterschreiben, können das Mietsverhältnis gegenüber dem Vermieter kündigen. Unterschreiben demnach alle, kann die Wohnung nur aufgegeben werden, wenn alle Parteien die Kündigung unterschreiben und die Wohngemeinschaft aufgelöst wird. Ebenso haften alle gesamtschuldnerisch für Miete und Kaution.

Die Varianten des WG-Mietvertrages

Wie eben schon beschrieben, kann es entweder einen Hauptmieter geben, welcher das Recht hat weitere Zimmer der Wohnung an Untermieter zu vermieten und somit nur er alleinig für die Miete haftet oder mehrere Menschen unterschreiben den Mitvertrag. Somit stehen sie in direktem Kontakt zum Vermieter und sind alle Hauptmieter. Sie übernehmen alle die vertragliche Haftung und haften gesamtschuldnerisch. Eine dritte Variante ist, dass jeder Bewohner der WG ein eigenständiger Mieter ist und jeder separat seinen eigenen Mitvertrag mit dem Vermieter für sein WG-Zimmer und die Nutzung des gemeinschaftlichen Raumes und des Bades abschließt.

Die letzte Variante finde ich persönlich am besten, da man finanziell unabhängig bleibt und auch die Nebenkosten separat mit jedem Vermieter abgerechnet werden müssen. So kommt es zu keinen Aufteilungsschwierigkeiten, gerade, wenn man einen Badewannenliebhaber oder Langduscher als Mitbewohner hat. Zudem muss man sich um keinen Nachmieter kümmern, jedoch dürfen sich dann die Mitbewohner meistens keinen eigenen Mitbewohner aussuchen. Das obliegt dem Vermieter.

Interner Mieterwechsel: gutgläubig ist naiv

Meine erste WG war von der Variante ‚Jeder ist ein Hauptmieter‘. Ich hatte super Mitbewohner. Als ich studienbedingt ausziehen musste, habe ich selbstverständlich einen netten Nachmieter für meine kleine Familie gesucht. Nur leider war das zu diesem Zeitpunkt nicht so leicht, scheinbar sucht niemand akut eine Bleibe und da die Zeit drängte, musste ich nehmen, was kam. Da bei meinem Mietwechsel alles so reibungslos geklappt hatte, bin ich von keinen weiteren Schwierigkeiten ausgegangen. Mein Nachmieter und ich trafen uns also zur Kautions- und Schlüsselübergabe. Laut Vertrag, den ich mir ja nie richtig durchgelesen hatte, wurden interne Kosten wie die Kautionsübertragung intern geregelt. Die eigentliche Kaution blieb immer bei dem Vermieter hinterlegt. So sollte ich nun das Geld in bar bekommen. Jedoch hatte er es nicht dabei. Weil es doch schon eine höhere Summe war, gab ich mich mit der Erklärung, dass er so viel nicht bar abheben und mit sich rumtragen wollte zufrieden, obwohl wir es vorher anders vereinbart hatten. Er wolle es mir überweisen. Meine Kontodaten hatte er, doch eine Überweisung konnte ich bis heute nicht verbuchen. Nun stehe ich da und habe das Konto meines Nachmieters gepfändet, in der Hoffnung mein Geld wiederzubekommen und einer gelernten Lektion: Lese den Mietvertrag bis ins Kleingedruckte.

Hätte ich das mal getan und gewusst, auf welches Miteverhätlnis mit welchen Bedingungen ich mich einlasse, hätte ich Geld gespart. Von nun an steht für mich fest: Ich zahle nur noch die Kaution an den Vermieter direkt, ohne weitere interne Regelungen.

Kleingedruckt und kleinkariert

Die Wahl einer WG braucht also doch etwas mehr Zeit als man ursprünglich annimmt und etwas mehr Bedacht. So solltet ihr euch nicht immer von dem ersten Eindruck mitreißen lassen. Redet euch nicht ein, dass man sich an eine verrauchte Küche oder versiffte Toilette gewöhnen wird, auch wenn die zukünftigen Mitbewohner noch so Lächeln oder sympathisch wirken. Man muss Kompromisse eingehen und Musikgeschmack ist verhandelbar, aber auf manche Dinge sollte man sich von Grund auf nicht einlassen. Du wirst damit jeden Tag aufs Neue konfrontiert und lüften hilft eben nicht gegen alles.

Ebenso wichtig sind die WG internen Regelungen bezüglich der GEZ, der Internetflatrate, dem Telefonanschluss und allen monatlich anfallenden, gemeinnützigen Kosten. Einer muss sich anmelden und die anderen müssen ihren Beitrag dazu steuern, doch einer macht sich bei der Anmeldung immer für die Gemeinschaft haftbar. Das Verschwinden des unbeschrifteten Essens im Kühlschrank kann man vielleicht nicht klären, doch verkraften, aber wenn es um allgemeine Finanzen geht, müssen Absprachen und Regelungen her. Lest das Kleingedruckte und seid notfalls auch kleinkariert. Denn wer kommt, sieht und schweigt, duldet nur seine eigene Dummheit.

 

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