#3 Probleme einer internationalen Mädels-WG

womens-power-454873_1920

In einer Frauen-WG gibt es nicht nur Zickereien, trotzdem gibt es auch das ein oder andere Problem. Foto: pixabay

Auch ich lebe während meines Auslandssemsters in einer internationalen WG. Das besondere an unserer ist, sie besteht aus acht Mädels. Als ich die Zusage für meine Unterkunft auf dem Gelände der Universität bekommen hatte, war die Freude riesig. Gleichzeitig kamen viele Fragen auf: Woher stammen meine Mitbewohner? Wird die Kommunikation schwer sein? Haben sie vielleicht ein anderes Verständnis von Sauberkeit? Wie wird das erste Aufeinandertreffen? 

Meine Hoffnung war, dass meine Mitbewohner aus den verschiedensten Ländern dieser Welt stammen. Vielleicht würde jemand Französisch oder Spanisch sprechen und ich könnte nicht nur mein Englisch, sondern auch eine dieser Sprachen verbessern. Als ich dann in Brighton ankam, war die Aufregung groß. Doch sie war unbegründet. Niemand war da, als ich die Wohnung betrat.

20170310_212720

Die Ruhe vor dem Sturm: Einer der wenigen Augenblicke in der die Küche einigermaßen aufgeräumt und unbelebt ist. Foto: Michèle Loos

Am nächsten Tag traf ich zufällig auf zwei meiner Mitbewohnerinnen. Beide stammen aus Amerika, sind blond und waren nur mit einem Bademantel bekleidet. Auf dem darauf folgenden Tag lernte ich noch drei weitere kennen: Alles Mädels und alle aus den USA. Mir wurde also klar, da ich nur noch zwei meiner sieben Mitbewohner nicht kenne, wird die Sprachvielfalt nicht besonders groß sein und das weibliche Geschlecht wird auf jeden Fall in der Überzahl sein. Nach ein paar Tagen lernte ich auch die sechste und zu dem Zeitpunkt letzte Mitbewohnerin kennen. Sie stammt aus Ungarn, spricht aber verdammt gutes Englisch. Etwa vier Wochen später, war dann auch das letzte Zimmer dieser WG bewohnt. Ratet mal, woher sie kommt. Richtig: aus Amerika!

Sprachprobleme? Warum? Wir sprechen alle Englisch!

Nun lebe ich also mit sechs Amerikanerinnen und einer Ungarin zusammen. Die Sprachbarrieren dürften also nicht besonders groß sein –  dachte ich. Zumindest in der Anfangszeit musste jeder seine Sätze wiederholen. Selbst die Amerikanerinnen unter sich, verstanden nicht richtig, was die jeweils andere sagen wollte. Sie kommen alle aus den verschiedensten Ecken der USA und haben alle einen anderen Dialekt. Mir war nicht klar, dass es auch im Englischen so große Unterschiede zwischen den Regionen gibt. Sie betonen nicht nur anders, sie verwenden auch verschiedene Wörter. Es gibt also auch in den Vereinten Nationen das Problem der verschiedensten Dialekte, was wir auch in Deutschland sehr gut kennen.

Die Zettelbotschaften

Ein anderes Problem hat wohl jede andere WG auch, egal ob ihre Bewohner alle aus dem gleichen Land stammen oder alle eines Geschlechts sind: Die Sauberkeit. Wie Désiree in dem ersten Beitrag dieser Woche bereits sagte: Wenn man sich mit mehreren Personen eine Küche teilt, ist das immer interessant. Manche scheinen wirklich, geglaubt zu haben, dass wenn man das Geschirr in das Spülbecken stellt, es wie von Zauberhand wieder sauber wird. Das war natürlich nicht der Fall. Eine von uns hat sich letztendlich immer geopfert und eine große Spül-Session eingelegt. Das hat sich jetzt geändert. Niemand wollte mehr den Dreck der anderen wegmachen. Zuerst haben wir über Zettelbotschaften unseren Ärger Luft gemacht. Schließlich sollten alle sehen, dass wir sauer sind, auch die, die gerade nicht im Raum waren. Nach eher mäßigem Erfolg haben wir anschließend doch alle miteinander geredet. Und siehe da, nachdem sich die Gemüter über die drei Wochen Osterferien beruhigt hatten, kann jeder sein Geschirr spülen. Auch wenn manche erst ein bisschen Geschirr ansammeln, machen sie es dennoch nach spätestens einem Tag weg. Von nun an herrscht also wieder Frieden in dieser WG.

20170209_141833

Über Botschaften auf dem Kühlschrank und Zetteln in der Küche haben wir versucht das Problem mit der Sauberkeit zu lösen. Foto: Michèle Loos

Veränderung der Gewohnheiten

Auch das Thema Essen beschäftigt uns. Vera hatte in ihrem Beitrag bereits berichtet: Auch die Essensgewohnheiten sind in jedem Land unterschiedlich. Meine Amerikanischen Mitbewohnerinnen entsprechen dem Klischee. Sie lieben Pommes und Burger und essen überhaupt sehr gerne ungesund. Sehr oft kommt der Pizzalieferdienst oder ein Fertigessen wird in die Mikrowelle gestellt. Ich persönlich mag Fertiggerichte nicht wirklich und koche gerne. Also tue ich auch genau das täglich. Deswegen werde ich mittlerweile „Chef“ genannt und werde jeden Tag gefragt, was ich kochen werde. Einige meiner Mitbewohnerinnen habe ich aber scheinbar angesteckt. Auch sie wollen das Kochen erlernen und sich nicht mehr nur von Chemie ernähren. Also kochen sie. Und ich bin zu einer Art Juror geworden und soll probieren. Wenn es mir schmeckt, freuen sie sich wie ein kleines Kind. Deswegen geht es in unserer Küche seit einigen Wochen wesentlich lebhafter zu. Von nun an bin ich nicht mehr die Einzige, die kocht und es wird oft ziemlich eng vor den Herdplatten. Und auch wenn ich den einzigen Topf nun teilen muss und auch das Schneidebrett heiß begehrt ist, freut es mich zusehen, wie glücklich es sie macht, endlich etwas Eigenes auf dem Teller zu servieren.

Diese Wohngemeinschaft hat nicht nur die Kochkünste einiger Mitbewohnerinnen verändert, sondern auch den Schlafrhythmus der Ungarin. Sie war vorher nachtaktiv. Da sie am Wochenende in einer Diskothek arbeitet, schlief sie nicht in der Nacht, sondern tagsüber direkt nach der Vorlesung. Deshalb dauerte es ein wenig, bis wir sie kennenlernen durften. Doch seit wir eingezogen sind, ist es damit vorbei. Wir waren tagsüber zu laut für sie und sie weckte uns nachts, wenn sie wieder mal aus ihren Zimmer in die Küche schlurfte. Also stellte sie fest, es ist besser für alle, wenn sie wie alle anderen auch in der Nacht schläft. Jetzt ist sie ein fester Bestandteil unseres WG-Alltags.

Amerika – Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Oder etwa nicht?

Wie ich schon gesagt habe, was das Essen angeht stimmt das Klischee über Amerikaner. Doch ein weiteres Vorurteil ist, dass alle Amerikaner Football lieben und patriotisch veranlagt sind. Entweder habe ich die wenigen Exemplare kennen lernen dürfen, auf denen es nicht zutrifft oder es stimmt tatsächlich nicht. American Football finden sie alle langweilig. Und über ihr Land sagen sie nicht die besten Dinge: Sie haben ein nicht ausreichend geschichtliches Wissen. Das, was sie wissen, bezieht sich nur auf die Geschichte Amerikas. Außerdem erlernen sie keine Fremdsprachen in der Schule. Über das Bildungssystem sind sie also genauso erfreut, wie über das Wahlsystem. Keiner von ihnen möchte so schnell in die Vereinigten Staaten zurückkehren. Alles wegen des neuen Präsidenten.

Doch all diese negativen Sachen, die sie mit Amerika verbinden, lässt sie interessiert in die Welt blicken. Meine ungarische Mitbewohnerin und ich sollen viel über unsere Heimat und unsere Sprachen erzählen, sie sind beeindruckt von der Geschichte Englands und wollten auch auf ihren Reisen durch Europa viel über die Geschichte des jeweiligen Landes erfahren. Kurz gesagt, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sind die Möglichkeiten das Wissen über andere Länder zu erweitern, scheinbar doch begrenzt. Und nicht nur das. Die einfachsten Dinge kennen die Amerikaner noch nicht einmal. Ich musste Ihnen tatsächlich erklären, für was eine Wärmflasche gut ist und wie sie verwendet wird. Außerdem haben sie in England zum ersten Mal Reis in einem Kochbeutel gesehen und sie waren der Überzeugung, dass man in ganz Europa auf der linken Seite der Straße fährt. Das hat mich doch ziemlich schockiert.

Trotz einiger Startschwierigkeiten, ist ein Alltag in unser Mädels-WG aufgekommen. Wir haben Wege gefunden, miteinander zu kommunizieren, wir leben in einer halbwegs sauberen Küche und lernen viele Dinge von den anderen. Auch wenn meine Mitbewohnerinnen Eigenarten haben, die ich nicht verstehe, wie zum Beispiel, dass sie immer nur mit einem Bademantel bekleidet durch die Wohnung laufen, vermisse ich diese Eigenarten und die lauten Geräusche, sobald sie die Wohnung für eine Nacht verlassen haben. Wir sind zu einer Familie zusammengewachsen und ich bin froh, diese Familie während meines Auslandssemesters um mich zu haben.

Ein Gedanke zu “#3 Probleme einer internationalen Mädels-WG

  1. Pingback: Unser Jahresrückblick 2017 | Vierstimmig

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s