Mein Weg in den Lokaljournalismus – nicht nur Berichte über Schützenfeste

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Lokaljournalismus kann durchaus spannend sein. Foto: pixabay

Lokaljournalismus hat keinen guten Ruf, er gilt als langweilig, staubtrocken und nicht gerade aufregend. Das wohl größte Vorurteil besteht darin, dass die Praktikanten oder angehenden Journalisten nur über Schützenfeste, Kaninchenzuchtvereine oder Taubenvereine schreiben dürfen. Ich wollte mich vergewissern, was an diesem Gerücht dran ist und entschied mich letztes Jahr dazu, ein Praktikum bei der Lokalzeitung in meiner Heimatstadt zu absolvieren. Ich gebe offen zu: Ich habe vorher nur selten den Lokalteil der Zeitung gelesen und mich nicht besonders für die Geschehnisse meiner Stadt interessiert. Das sollte sich mit dem Praktikum ändern.

Der erste Eindruck

Erst um halb 10 sollte ich am ersten Praktikumstag in der Redaktion anfangen und wurde direkt überrascht, dass die anderen Kollegen auch erst um diese Zeit nach und nach eintrudelten. Meine erste Aufgabe: Die Blattkritik – ich hatte natürlich den Lokalteil des Vortages nicht gelesen und wusste nicht, was passiert war. Doch keiner nahm es mir übel. (An allen anderen Tagen konnte ich übrigens mitreden, da ich die Zeitung den Abend zuvor ausgiebig studierte.)

In den ersten Tagen lernte ich viel: die Auswahl der Bilder festlegen, passende Bildunterschriften überlegen, Texte auf Zeile einkürzen, E-Mails nach Meldungspriorität sortieren und erste Meldungen schreiben, Redigieren und die Auswahl der lokalen Werbeanzeigen. Am letzten Tag der ersten Woche wurde ich nach Ankunft direkt mit folgenden Worten überrascht: „So Vera, weißt du, wo das Gemeindehaus ist? Nimm dir einen Block mit, hier hast du die Kamera, hier die Infos für die Veranstaltung, schreib mal was zusammen. Wird morgen unser Aufmacher-Artikel.“ Gesagt, getan. Ich besuchte eine interessante Veranstaltung: ein Jubiläum einer sozialen Einrichtung, über das ich später einen Artikel schrieb, der den eingefleischten Lokaljournalisten wohl so gut gefiel, dass ich in meiner zweiten Praktikumswoche gleich zur mehreren Terminen geschickt wurde.

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Liebevoll und stolz sammeln meine Eltern all meine Artikel. Foto: Vera Brüssow

Langanhaltende Tätigkeit

Stolz bin ich noch immer jedes Mal, wenn ich meinen Namen in der Zeitung lese und teilweise meine Eltern von Bekannten angerufen oder angesprochen werden, wie gut ihnen doch meine Artikel gefallen. Nach zwei Wochen Praktikum hatte ich einen Job als freie Mitarbeiterin sicher und schreibe nun schon seit einem halben Jahr für die Lokalredaktion. Bei mir hat sich nie das oben genannte Vorurteil bestätigt. Nicht einmal wurde ich zu solch einem Termin geschickt. Ich durfte zahlreiche Konzerte, Theaterstücke oder Aufführungen besuchen. Auch zur Arbeitsplatz-Reihe habe ich zahlreiche Jobprofile von Menschen in meiner Heimatstadt beschrieben und die unterschiedlichsten Menschen bei ihrer Arbeit besucht. Ich bin froh, durch dieses Praktikum in den Journalismus hineinzurutschen, wenn auch erst einmal nur im kleinen Stil. Ich hoffe, dass sich hieraus mehr entwickelt und kann jedem, der in den Journalismus möchte, nur empfehlen ein Praktikum bei einer (Lokal-)Zeitung zu machen. Vielleicht schafft ihr so auch den Einstieg als freie Mitarbeiterin oder freier Mitarbeiter.

Ein Gedanke zu “Mein Weg in den Lokaljournalismus – nicht nur Berichte über Schützenfeste

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